Gitarre lernen am Benrather Schloß-Gymnasium

Düsseldorf-Benrath : Gitarre lernen ist ein Kinderspiel

Udo Zilkens ist Musiklehrer am Schloß-Gymnasium. Vor zehn Jahren rief er das Programm „Jeder lernt Gitarre“ ins Leben. Seitdem vermittelt er das Konzept in Kursen und gibt immer neue Liederbücher dazu heraus.

Für Gitarren, die ungenutzt in ihrer Hülle verstauben, gibt es eine zweite Chance. Sie heißt JelGi, was abgekürzt steht für „Jeder lernt Gitarre“. Udo Zilkens hat sich das Konzept vor zehn Jahren ausgedacht. Seitdem bringt er immer neue Liederbücher dazu heraus – von Kinder- und Volksliedern über Schlager bis zu Popsongs. Als Musiklehrer am Schloß-Gymnasium hat er seine Arbeit auf drei Tage reduziert und nutzt die frei gewordene Zeit, um im ganzen Land, in Kitas, Schulen und Büchereien, Erwachsenen in fünf Stunden Gitarrespielen beizubringen. In der Bücherei Benrath hat er an diesem Nachmittag praktisch ein Heimspiel. An die 30 Musikinteressierte haben sich auf den Stühlen mit einer geliehenen oder eigenen Gitarre niedergelassen. Zwei Männer, der Rest sind Frauen. Die meisten von ihnen arbeiten in Kitas und Grundschulen. Aber einige sind auch gekommen, um mit Kindern und Enkeln Musik zu machen.

Auf die Stühle hat Zilkens jeweils ein Stimmgerät gelegt, sowie ein Kapodaster, mit dem am Bund der Gitarre die Saiten abgeklemmt werden und diese dann kürzer schwingen. Denn für JelGi werden erst einmal alle Gitarren so gestimmt, dass die leeren Saiten in C-Dur erklingen: Open Tuning. „Das kommt aus der Rock-Pop-Szene, wo es als Spezialeffekt genutzt wird für einen satten Sound“, sagt Zilkens. Er hat es für pädagogische Zwecke eingesetzt. Auf diese Weise können die wichtigsten Grundakkorde nur mit dem Kapodaster in verschiedenen Lagen gespielt werden. Niemand muss mit der linken Hand mühsam Griffe lernen und üben.

Deshalb geht es in der Bücherei auch schnell zur Sache. Bei „Bruder Jakob“ wird der Anschlag mit der rechten Hand geübt, mal mit dem Daumen, mal dem Zeigefinger. „Der Finger schnellt vor, wie wenn Sie ein Papierkügelchen wegschnipsen“, sagt Zilkens und demonstriert es. Mit Klangrohren dirigiert er den Einsatz von Fenster- und von Regalgruppe. Alles ganz einfach. „Ich kann schon ein Lied“, sagt eine Grundschullehrerin aus Oberhausen zu ihrer Nachbarin und klingt freudig überrascht.

Nach und nach wechseln die Lieder, werden aber immer so lange wiederholt, bis alle mitsingen. Das Zeichen, dass das Gitarrenspiel sitzt. „Hoch soll sie leben“, „Die Affen rasen durch den Wald“. „Es ist wichtig, dass Sie sich beim Singen und Gitarrespielen wohlfühlen“, sagt Zilkens. Er gibt immer wieder pädagogische Tipps. Zum Beispiel, dass der eisgekühlte Bommerlunder aus dem Lied der Toten Hosen in der Kita auch eine Apfelschorle sein kann. Dass die Kinder die Gitarre auch als Rhythmusinstrument einsetzen können, indem man einfach darauf klopft. Und schließlich können die frischgebackenen Gitarristen auch eine begleitende CD laufen lassen, die jedem Liederbuch beiliegt.

17 Hefte mit 1500 Liedern hat Zilkens für JelGi-Schüler herausgegeben, zwölf weitere Hefte mit Mini-Musicals bereitet er gerade vor. Zur Gitarre ist er selbst erst im Musikstudium gekommen, weil er neben Klavier ein zweites Instrument benötigte. Und eigentlich wollte er zunächst Griechisch- und Lateinlehrer werden. Um nicht arbeitslos zu werden, schwenkte er um auf Musik. Über Beethovens Finalsätze in den Klaviersonaten hat er promoviert und selbst für Klavier und Orchester komponiert. Vor diesem Hintergrund fällt es umso mehr auf, wie selbstverständlich ihm ein Kita-Lied wie „Aramsamsam“ über die Lippen geht. Da muss sogar ein Erzieher vergnügt lachen. Zilkens Devise: „Weniger ist mehr. Lieber ein Lied fest ritualisieren und nicht mit übertriebenem Ehrgeiz an die Sache gehen.“

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