Benrath: Gewinner-Entwurf spiegelt Benrather Geschichte wider

Benrath: Gewinner-Entwurf spiegelt Benrather Geschichte wider

Mit sturmgeschuldeter zweimonatiger Verspätung ist am Dienstag und Mittwoch der städtebauliche Wettbewerb für eine Überplanung der Industriebrache an der Hildener Straße zu Ende gegangen. In der dritten und letzten Runde hatten die im Wettbewerb verbliebenen vier Planungsbüros erst Interessierten am Dienstagabend in der Aula des Schloß-Gymnasiums und einen Tag später der Fachjury ihre Entwürfe präsentiert. Über den Sieger hatte aber ausschließlich die Jury zu befinden.

Deren Mitglieder hatten sich gestern um 14 Uhr zu einer nichtöffentlichen Sitzung im Benrather Rathaus eingefunden. Und die dauerte gerademal drei Stunden, um den Sieger und die beiden weiteren Platzierten zu küren. Auf Position eins landete der Entwurf des Büros Schellenberg & Bäumler Architekten aus Dresden mit FSWLA Landschaftsarchitektur aus Düsseldorf. Einstimmig votierte das Gremium für den Vorschlag, der Benrather Geschichte aufgreift. "Ich bin erfreut, dass ein Entwurf gewonnen hat, der Benrath versteht und in sich schlüssig ist", sagte Baudezernentin Cornelia Zuschke.

Überzeugt hatte das Preisgericht vor allem die Idee, den Spiegelweiher des Schlosses in einer Interpretation aufzugreifen. Von einem zentralen Platz von der Hildener Straße aus soll einmal mittig durch das Areal eine Wasser- und Grünfläche geführt werden - eine Art Kö von Benrath. Bei diesem Entwurf gehen die Planer von einer Wohnfläche von 85.000 Quadratmetern aus, das entspricht einer Zahl von rund 850 Wohnungen. Da aber die viergeschossigen Häuser sich an dem Benrather Wohnungsbaustil orientieren sollen - als Beispiel nannten die Planer die Marbacher Straße mit ihren ganz unterschiedlich architektonischen Anmutungen - kommt das neue Viertel nicht so kompakt daher. Neben neuen Wohnungen sollen auf dem Areal des ehemaligen Nirosta-Kaltwalzwerkes auch Flächen für Gewerbe ausgewiesen werden (55.000 Quadratmeter), sowohl für die Neuansiedlung als auch für die mögliche Expansion bestehender Betrieb. Eigentümer des Areals ist die finnische Firma Outokumpu, die die Thyssen-Krupp-Tochter Nirosta 2012 erwarb. Auf Basis des Siegerentwurfs soll nun für das neue Wohn- und Gewerbequartier ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden. Da dieses in der Regel etwa eineinhalb bis zwei Jahre dauert, ist voraussichtlich ab dem Jahr 2020 mit einer Neubebauung auf den Outokumpu-Flächen zu rechnen.

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Das neue Wohnquartier wird für den Benrather Osten einen Zuwachs an Kfz-Verkehr mit sich bringen. Vernünftig den Verkehr zu führen, ist das Ziel der Stadtplanung. Mit Ruth Orzessek-Kruppa war auch diesmal wieder die Amtsleiterin bei dem Öffentlichkeitstermin dabei. Sie erläuterte, dass die Verkehrsführung außerhalb des neuen Quartiers nicht Bestandteil des Wettbewerbs gewesen sei. Darum muss sich nun die Verwaltung kümmern. Im Vorgriff auf ein großes Mobilitätskonzept für die Gesamtstadt soll es ein vorgezogenes für den Düsseldorfer Süden geben, das explizit auch die durch die Neubausiedlungen in der Paulsmühle und an der Hildener Straße entstehenden Verkehrsprobleme betrachtet. Der von der Bezirksvertretung 9 eingebrachte Antrag, dass die Verwaltung prüfen soll, ob am Schwarzen Weg/Südallee eine nachträglich gebaute Auf- und Abfahrt auf die B 8 in Richtung Garath gebaut werden kann, sei als Arbeitsauftrag bei der Verwaltung angekommen, sagte Orzessek-Kruppa.

Die vier Arbeiten werden der Öffentlichkeit präsentiert: Vom 9. April bis 4. Mai sind die Entwürfe in einer Ausstellung im Benrather Rathaus zu besichtigen.

(rö)