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Benrath: Geschichte zum Aufessen beim künftigen Wiesencafé

Benrath : Geschichte zum Aufessen beim künftigen Wiesencafé

Anlässlich der Kunstpunkte gab es ein "Geopolitisches Kuchenbacken" am Wittenberger Weg.

Das ist spannender Unterricht, wie ihn Kinder und Erwachsene mögen - witzig, bissig und lecker. Neben der Baustelle des Wiesencafés unter dem Ahornbaum vertilgt der sechsjährige Nico grinsend ein Stück Krim. Ein Stück Krim? Das Künstlerehepaar Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow präsentiert bei den Kunstpunkten "Geopolitisches Kuchenessen" oder - einfacher gesagt - "Kuchen essen und vergessen".

Am Wochenende geht es dem Ehepaar um den Brexit. "Die blaue Plane als Untergrund soll Europa symbolisieren", sagt Koselleck, während er auf einer Landkarte rund um die britische Insel ein Profil nagelt. Nordirland lasse er erst einmal außen vor, weil noch nicht klar sei, wie es hier mit dem Brexit weiter gehe, erklärt der Künstler seinem Publikum.

"Vergangene geopolitische Größe ist ein Thema. Wenn ein Imperium zusammenbricht, löst das bei den Menschen Wehmut aus, darüber wollen wir ins Gespräch kommen", sagt von Bülow. Die Performance sei eine Option, leichter mit Problemen umzugehen. Susanne von Bülow schichtet Biskuit-Tortenböden übereinander, rollt Fondant aus und diskutiert mit Ferdinand Uptmoor. "Kekse und Politik, das ist locker. Da lässt sich dann ganz unideologisch reden" meint der Besucher.

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Luisa beobachtet gespannt wie Ruppe Koselleck mit biegsamem Aluminium die Umrisse der Insel formt. "Siehst du, das ist die Bucht von Cardiff", kommentiert er. Die Zehnjährige sucht Wales und Schottland. Der Künstler erklärt ihr kindgerecht, warum Nordirland erst einmal außen vor bleibt. "Magst du Geschichtsunterricht?", fragt er. "Nö, der ist langweilig", kommt prompt die Antwort. Susanne von Bülow hat inzwischen aus Fondant, Biskuit und Sahne eine Kuchenlasagne produziert und sticht mit der frisch-fabrizierten Form den um Nordirland reduzierten "Großbritannien-Kuchen" aus. In mundgerechte Einzelteile wird der Brexit symbolisch vertilgt.

Geschichte zum Aufessen findet Luisa gar nicht langweilig. Ute Reeh, Künstlerin und Initiatorin des Wiesencafés, freut sich über die gelungene Aktion und sagt: "Wir wollten etwas zum Essen anbieten und das mit Qualität verbinden." Diese Devise habe grundsätzlich Priorität, so wie der Gemeinschaftssinn und die gegenseitige Wertschätzung aller Beteiligten und Nachbarn des Cafés. Dabei blickt sie strahlend in die Runde: "Es ist eine unglaublich gute Atmosphäre." Von Bülow und Koselleck sind von Kindern umringt, die begeistert beim geopolitischen Kuchenbacken mitmachen und den Erklärungen der beiden Künstler folgen. Nebenan liegen die Stahlseile für das Fundament des Wiesencafés. Anfang Oktober wird die Bodenplatte gegossen.

(RP)