Gerd Kumpf ist beim VfL seit 70 Jahren dabei

BENRATH : Als Spieler und Trainer den VfL geprägt

Gerd Kumpf feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Heute wird Gerd Kumpf 80 Jahre, und wir gratulieren dem Jubilar, der als Urgestein vom VfL Benrath auf ein erfolgreiches Fußballerleben zurückblickt. Von so mancher Erinnerung an die wechselvolle Vereinsgeschichte des 112-jährigen Traditionsclubs kann Kumpf aus eigener Erfahrung erzählen. Jüngst erst war sein Gedächtnis sogar von „hoher“ Stelle gefragt, als sich die DFB-Presseabteilung bei ihm meldete, um für die Dezember-Ausgabe des Verbands-Journals Informationen aus längst zurückliegenden Zeiten zu erhalten. Für Kumpf ein netter Anlass, um aus dem Nähkästchen zu plaudern. Aber was interessierte den Deutschen Fußballbund ausgerechnet am VfL Benrath?

Thema einer aktuellen DFB-Publikation ist ein Vorblick auf die EM 2024, die bekanntermaßen erneut in Deutschland ausgetragen wird, wie einst 1988, als die Niederlande beim Finale in München gegen Russland den Titel gewann.

Und auf dem Weg zu höchsten europäischen Fußball-Ehren – daran werden die Leser des DFB-Journals erinnert – hatte das Team von Bondscoach Rinus Michels mit all seinen Stars zwischenzeitlich in Düsseldorf-Benrath Quartier bezogen. Das Nationalteam residierte in den Rheinterrassen am Schlossufer. Fürs Training chauffierte der Mannschaftsbus die Oranje-Kicker auf die VfL-Anlage an der Karl-Hohmann-Straße. Und immer dabei: Benraths damaliger Landesliga-Coach Gerd Kumpf als orts- und sachkundiger Begleiter.

„Ich habe die Spieler in ihrer kurzen Freizeit durch Benrath geführt“, verrät Kumpf. Mit Ruud Gullit, Marco van Basten und Ronald Koemann ging’s im Abenddunkel sogar auf einen Drink in die ehemalige Benrather Szene-Kneipe „Chateau“. Nicht ohne Erlaubnis von Disziplin-Fanatiker Michels. „Und Alkohol war tabu“, wie Kumpf betont. Beim „Geheimtraining“ im VfL-Stadion standen meist nur Lockerungsübungen auf dem Plan. „Eine aufwendige Abschirmung war damals noch nicht nötig“, erinnert sich Kumpf. So ändern sich die Zeiten.

1948 ist Kumpf als Zehnjähriger dem VfL Benrath beigetreten. Den Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft 1957 als sportlichen Vereins-Höhepunkt hat der A-Jugendliche im Niedersachsenstadion hautnah mitverfolgt. Unter Trainer Karl Hohmann erhielt Kumpf wenig später als erster Spieler beim VfL einen Profi-Vertrag. Über 500 Spiele hat Kumpf als Außenläufer und Libero im Trikot der Benrather absolviert. Unvergessen der 6:1-Derbyheimsieg vor 13.000 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga West.

Mit Rückblick auf den unaufhaltsamen Abstieg seines VfL immer tiefer in die Fußball-Bedeutungslosigkeit sieht Kumpf heute einen Fehler darin, dass der VfL Anfang der 1960er Jahre ein Angebot der Firma Henkel ausgeschlagen hat, als Werksclub VfL Henkel-Benrath aufzutreten. „Vielleicht wäre die Vereinsgeschichte dann erfolgreicher verlaufen“, gibt Kumpf zu bedenken. Als Stammgast verfolgt er noch immer Bundesligaspiele in Leverkusen und Mönchengladbach. Und auch auf der Tribüne bei der Eintracht in Frankfurt, wo Sohn Christian bei der Lufthansa tätig ist, ist gelegentlich sein Platz. Ja, und in Benrath trifft man den Fußball-Rentner immer noch täglich, wenn Gerd Kumpf mit seinem treuen Golden Retriever Toni unterwegs ist.

Mehr von RP ONLINE