Franka Sunder aus Benrath geht für ein Projekt in die USA

Projekt : Auslandsjahr zur Völkerverständigung

Abiturientin Franka Sunder will sich ein Jahr lang in Washington für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste engagieren.

Wenn Franka Sunder Anfang September ins Flugzeug steigt, um über Berlin und Philadelphia nach Washington D.C. zu fliegen, wird sie das Reihenhaus in Benrath, in dem sie gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Vater und der 16-jährigen Schwester lebt, für ein Jahr nicht wiedersehen. „Die Bedingung für mein Visum ist, dass ich das Land nicht verlasse“, erzählt die 18-jährige Abiturientin selbstsicher.

Franka Sunder steckt mitten in ihren Abitur-Prüfungen am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium. Mathe und Chemie sind ihre Leistungskurse, das dritte Fach ist Englisch. Viele ihrer Mitschüler planen nach den Prüfungen ihr Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Auslandsaufenthalt als Au-pair. Aber Franka hat andere Pläne: Sie will für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) arbeiten, eine Organisation der Friedensbewegung, die sich für die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen und die Versöhnung der Völker einsetzt.

Im Rahmen des Projekts werden Freiwilligendienste vermittelt. Franka hat sich für 16 verschiedene Projekte beworben, zugeteilt wurde sie dem American Jewish Committee (AJC) mit Sitz in der Hauptstadt der USA. „Meine Aufgabe wird sein, Treffen zu organisieren und verschiedene Projekte zu planen und zu begleiten“, erzählt Franka. So habe eine Vorgängerin etwa einen jüdisch-deutsches Dinner ins Leben gerufen. Auch eigene Projektideen sind beim AJC willkommen. Franka hat durchaus Respekt vor den Aufgaben, die auf sie zukommen.

Der lange Aufenthalt weit weg von der Heimat ist für die Abiturientin dagegen kein Problem. Während ihrer Schulzeit hat sie bereits ein Auslandsjahr in Albuquerque, New Mexico, verbracht. Außerdem wird sie vor Ort mit anderen Freiwilligen zusammen wohnen, sodass Franka sicher ist, schnell Kontakte zu finden.

Die junge Benratherin ist motiviert, sich für die Völkerverständigung einzusetzen. „Der Austausch zwischen den Ethnien und die Diversität der Gesellschaft sind heute wichtiger denn je“, sagt Franka, die beim AJC nur 400 Meter Luftlinie vom Weißen Haus und US-Präsident Trump entfernt arbeiten wird.

Ein Großteil von Frankas Reisekosten wird von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste übernommen. Außerdem muss sie Sponsoren finden: 15 Menschen unterstützen sie mit jeweils 15 Euro im Monat. Ein paar dieser Paten fehlen Franka noch. Die 18-Jährige plant, ihre Reise und die Arbeit in Washington mit einem Blog im Internet zu begleiten.

Auch das politische System in den USA interessiert Franka: „Ich werde zum Ende meines zweiten Aufenthalts die heiße Phase des Wahlkampfs mitbekommen.“ Sie sieht es kritisch, dass es in den USA quasi nur zwei Parteien gibt, die eine Chance haben, an die Regierung zu kommen. „Ich kenne viele Menschen, die ihre Stimme gern einer der kleinen Parteien geben würden, aber sie haben das Gefühl, ihre Wahl dann zu vergeuden“, erzählt Franka. Sie findet es spannend, die Dynamik zu beobachten.

Trotz ihres politischen Interesses will Franka Sunder nach ihrer Rückkehr aus den USA Naturwissenschaften studieren. „Ich könnte mir aber vorstellen, das Fachwissen gesellschaftlich anzuwenden – zum Beispiel im Umweltschutz“, plant die 18-Jährige. Für ihr Studium muss sie sich aus Amerika bewerben.

Auch auf die Freizeit in den USA freut sich die Benratherin. „Ich werde meine Gastschwester und ihre Familie aus Albuquerque wiedersehen“, erzählt sie. Dort will sie in diesem Jahr auch Weihnachten verbringen. „Das ist immer die Zeit, in der man seine Heimat und die Familie vermisst“, sagt Franka. Doch Mutter Ellen Sunder plant, die Tochter zu besuchen. „Vielleicht verbringen wir auch Weihnachten gemeinsam, wer weiß“, sagt sie. Obwohl sie ihre Tochter sicher vermissen wird, weiß Ellen Sunder, dass Franka gut allein zurechtkommt. „Das Arbeitsleben ist noch so lang, es tut gut, vorher etwas erlebt zu haben“, ermutigt sie ihre Tochter.

Diese kann den Aufbruch kaum noch erwarten. „Ich freue mich wirklich sehr auf die neuen Herausforderungen“, sagt sie. Heimweh, so schätzt Franka, wird sie wenig haben. „Ich glaube, es wird schwerer für mich, in einem Jahr die USA wieder zu verlassen“, sagt die 18-Jährige, die im September in ihr großes Abenteuer starten wird.

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