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Benrath: Fahrradstraßen in der Paulsmühle?

Benrath : Fahrradstraßen in der Paulsmühle?

Mehrheit der Versammlung ist gegen die Einführung neuer Einbahnstraßen.

Über den Köpfen der Anwohner in der Paulsmühle schwebt das Szenario vom baldigen Verkehrschaos. In ihrer zweiten Versammlung hat die Bürgerinitiative "Lebenswerte Paulsmühle" ihre Wünsche vorgestellt, wie es aus ihrer Sicht mit den großen baulichen und verkehrstechnischen Veränderungen weitergehen soll.

Zu den Gästen im Bunker Paulsmühlenstraße gehörten unter anderem Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (CDU) und sein Stellvertreter Udo Skalnik (SPD), Kai Fischer (Referent beim Verkehrsamt), die Ratsherren Oliver Schreiber (SPD) und Andreas Hartnigk (CDU), Bezirksverwaltungschef Nils Dolle sowie Dirk Bommes vom Planungsamt. Elke Nowak und Marcel Gerblich von der Initiative moderierten die Veranstaltung. Der Saal war gut gefüllt. Die Ziele der Initiative: In den neuen Quartieren sollen Begegnungsorte geschaffen werden. Dazu zählen sie Grünflächen, Cafés und einen Bouleplatz. Die Belebung des Bürgerhauses ist der Initiative ein wichtiges Anliegen. In den neuen Quartieren sollen genügend Ladenflächen vorhanden sein, damit die Neubürger Nahversorgung direkt vor der Tür haben.

Was den Verkehr anbelangt, möchte die Bürgerinitiative Fahrradstraßen zur Beruhigung durchsetzen und die Einrichtung von Einbahnstraßen vermeiden, da sie Umwege rund um die neuen Quartiere bedeuten würden, hieß es.

Fahrradstraße wurde in der Versammlung zum Streitpunkt. Bezirksvertreter Richard F. Wagner (Grüne) bezeichnete sie als kostengünstige Methode, um Verkehrsaufkommen entgegenzuwirken. Er sprach vom "Fahrradstraßenquartier Paulsmühle". Diese Bezeichnung löste bei einem Teil des Publikums Unverständnis aus. Ein Anwohner von der Kleinstraße ergriff das Mikrofon: "Ich bin aktiver Radfahrer, halte aber Fahrradstraßen vor meiner Tür für nicht praktikabel". Seiner Ansicht nach kämen die Autos nicht zum Überholen und es entstünde Stau. Er plädierte, Tempo 30 auf der Kleinstraße wegzulassen, das sei nicht dienlich, "wenn der unabwendbare Verkehrszuwachs zu uns stößt".

Ein weiterer Besucher sprach kopfschüttelnd vom "Chaos" und zog den Vergleich zum Berliner Flughafen: "Erst losbauen, dann planen". Mehrmals waren sich die geladenen Gäste und die Moderatoren uneins, wie man das Verhältnis zwischen neuem Wohnraum und neuen Parkplätzen beziffern könnte. Das betraf auch das Alfred-Dürer-Berufskolleg: 338 Stellplätze soll das Gebäude bieten. "Viel zu wenige", wie einige Stimmen kommentierten. "Das wird reichen", hielten die Befürworter des Projektes dagegen. Die Frage, wie Lehrer und Schüler zur Schule gelangen, beschäftigte alle Anwesenden. Die Befürchtung ist groß, dass die Hälfte der Schüler mit dem Auto kommt. Aber wohin mit all den Fahrzeugen?

Am Ende sprach sich die Mehrheit der Anwesenden gegen Anwohnerparken aus. "Die Diskussion war teilweise wirr, aber die Positionen wurden deutlich", meinte Nowak.

(aca)