Europa-Projekt Erasmus plus mit Schülern vom Schloßgymnasium Benrath

Erasmus-Programm : Schloß-Schüler lernen Europa kennen

Bei einem Projekt wurde zur europäischen Vergangenheit geforscht – und international Freundschaft geschlossen.

Am Ende des dreijährigen Erasmus-plus-Projekts „Junge Europäer machen Geschichte“ zieht jeder so seine eigene Bilanz. Der 17-jährige Schloß-Schüler Semih Gürsoy diese: „Es klingt vielleicht spießig, aber ich wusste gar nicht, wie deutsch ich eigentlich bin.“ Drei Jahre lang hatten Schüler des Schloß-Gymnasiums mitgemacht beim von der EU geförderten Projekt. Kern war der Dreh des Dokumentarfilms „Wege des Engagements“ über den Spanischen Bürgerkrieg, der vor 80 Jahren endete. Weit über 100 Schüler aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Litauen wirkten daran mit. Sie haben recherchiert, haben Zeitzeugen und deren Nachfahren befragt. Die Schloß-Schüler trafen den Wuppertaler Rainer Gießwein, dessen Vater in Spanien freiwillig gegen die Faschisten kämpfte. Die Dokumentation, die die Filmemacherin Elodie Bonnes leitete, wird nun am 18. Juni in der Aula des Gymnasiums gezeigt. Doch befragt nach dem, was sie am meisten beeindruckt hat, sagen viele, es sei der Kontakt gewesen zu den Schülern aus anderen Ländern. Der 15-jährige Anass Laabich war wie Semih Gürsoy und Jacob Armbruster (17) zur letzten von mehreren Austauschwochen ins französische Toulouse gefahren. In Frankreich hatte sich die internationale Schüler-Gemeinschaft ein letztes Mal getroffen. Dort hatte „Wege des Engagements“ seine Premiere, wurden die Ergebnisse von Film- und Theater-Workshops präsentiert. Immer ging es dabei um die Frage: Wie bereit sind Jugendliche heute, sich für die Demokratie zu engagieren?

Einen Großteil der Erfahrungen haben die Jugendlichen aber abseits von Filmprojekt und Workshops gemacht, in den Gastfamilien und in den Schulen. Das Savoir-vivre, die mediterrane Leichtigkeit, traf auf deutsche Pünktlichkeit oder gar Pingeligkeit? Ein bisschen sei es schon so gewesen, sagen die Jugendlichen rückblickend. Unterschiede in der Mentalität, die gebe es. „Die Schüler haben bei dem Projekt gelernt, dass es unterschiedliche Kulturen gibt, die aber gleichberechtigt nebeneinander stehen“, sagt Heinz Werner. Der einstige Lehrer am Schloß-Gymnasium hatte das Erasmus-Projekt für die Schule koordiniert.

Schwierigkeiten gab es auch, das will keiner verhehlen. Vor allem Sprachprobleme. „Mit Händen und Füßen“, sagt Jacob Armbruster, habe man sich manchmal verständigen müssen. Sowohl in den Gastfamilien als auch in den Workshops. „Klar“, erläutert Yamina Jahouh, die zwar nicht in Toulouse war, aber eine der vorherigen Austauschwochen in Spanien verbracht hatte, „dass die Tanz-Workshops eher pantomimisch waren.“ Und Anass Laabich, des Französischen mächtig, weil auch sein Vater Französisch spricht, meint: „Die Franzosen, die Spanier und auch die Italiener, die konnten alle gut Französisch, aber kaum Englisch.“ Freundschaften haben sich dennoch ergeben. Mit vielen stehe man über die sozialen Medien weiter in Kontakt. Ein Gemeinschaftsgefühl, eine Idee von Europa, die sei schon entstanden. „Und das“, so bilanziert Werner, „ist letztlich wichtiger als alle Filme und Workshops.“

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