Benrath : Ein Besuch in der Notaufnahme

Rund um die Uhr ist die Zentrale Notfallambulanz des Benrather Sana-Krankenhauses besetzt. Bei dem Team von Ulrike König findet sich vom Notfall, den der Rettungsdienst bringt, bis zum Patienten, der selber vorbeikommt, alles ein.

Wenn Ulrike König zur Arbeit kommt, weiß sie nie, was sie erwartet. Für den heutigen Tag rechnet die Leitende Ärztin in der Zentralen Notfallaufnahme des Benrather Sana-Krankenhauses mit großem Andrang. Viele Arztpraxen hatten über Karneval geschlossen. Wer dann im Düsseldorfer Süden wohnt und gesundheitliche Beschwerden bekommt, geht nicht zur Notfall-Praxis der niedergelassenen Ärzte in Bilk, sondern lieber gleich ins Krankenhaus. Hier kennt man keinen Feierabend: Die Notfallambulanz ist rund um die Uhr besetzt.

Es ist inzwischen 11 Uhr und viel ruhiger, als die Internistin angenommen hatte. Das gibt ein bisschen Puffer, um dem Besuch alles zu zeigen. Doch wenn der nach über zwei Stunden wieder weg ist, wird von der anfänglichen Beschaulichkeit nicht mehr allzu viel übrig geblieben sein. Und das heißt wie fast jeden Tag für König und ihr Team: keine Zeit für ein Päuschen oder ein Mittagessen. Doch wenn Ulrike König das sagt, klingt das nicht nach Jammern, sondern nach einer Feststellung: Es gibt eben so viel zu tun. Seit die Sana-Klinik die Zentrale Notfallaufnahme vor fünf Jahren eröffnete, leitet sie die Abteilung.

Im Haus kennt sie jeden und jeder kennt sie: Verständlich: sie arbeitet dort seit 20 Jahren. Ihrem Mentor, dem Medizinischen Direktor der Benrather Sana-Klinik, Wolf-Dieter Schoppe, ist es ein Anliegen, zu sagen, dass nicht er König für die Position ausgesucht habe, sondern das eine Entscheidung aller Chefärzte gewesen sei. Warum das so ist, merken Patient, Angehörige und Besucher schnell. Ihr traut man zu, in schwierigen Situationen den Durch- und Überblick zu behalten. Und sie hat Durchsetzungsvermögen. Genau solche Eigenschaften werden gebraucht in einer Abteilung, in der vom hartnäckigen Husten über einen Armbruch bis zum schweren Autounfall alles landen kann - nacheinander oder auch gleichzeitig.

Es kommen Patienten, die der Rettungsdienst einliefert - mit und ohne Blaulicht. Krankentransporte bringen Menschen mit Überweisungen vom Haus- oder Facharzt. Und dann noch die, die von alleine kommen. Manch einer von denen wäre beim Hausarzt genauso gut - und für das Gesundheitssystem deutlich preiswerter - aufgehoben: Auch bei Sana merkt man seit einiger Zeit, dass viele Patienten sich diesen Weg sparen oder nicht so lange auf einen Termin warten können oder wollen. "Wenn wir es medizinisch für nötig halten, können wir hier sofort eine Computertomographie machen oder röntgen", erzählt König. Beim niedergelassenen Arzt muss man auf so eine Untersuchung schon mal länger warten oder wird überwiesen.

Der Vorraum an der Anmeldung hat sich inzwischen gut gefüllt. Genug Arbeit für Arzthelferin Martina Acar, die am Empfang sitzt. Sie und Kerstin Schorn, die ebenfalls Arzthelferin ist, sind ein eingespieltes Team. Anhand eines Fragen-Screenings wird jeder Neuankömmling eingestuft: Rote Kategorie bedeutet: Es muss sich umgehend ein Arzt den Patienten ansehen. Danach geht es weiter mit orange, gelb und grün. Vor allem Kinder werden so schnell wie möglich behandelt. Auch wenn das Sana keine eigene Kinderabteilung hat, werden keine Eltern weggeschickt, die mit einem kranken Kind kommen. Kann es in Benrath nicht ausreichend behandelt werden, sorgen die Ärzte dafür, dass das Kind nach der Erstversorgung dahin transportiert, wo ihm besser geholfen wird.

Alleine am Rosenmontag fanden 100 Patienten den Weg an die Urdenbacher Allee. Dann muss die Notfallambulanz wie ein Uhrwerk funktionieren. Vorrangig erstmal medizinisch. Und das bedeutet: Geduld ist sowohl bei den Patienten als auch bei Angehörigen gefragt. Und die ist nicht immer leicht aufzubringen - etwa, wenn sich Angehörige sorgen, was hinter den verschlossenen Türen bloß vor sich gehen mag.

Damit diese in der medizinischen Betriebsamkeit nicht untergehen, legt Martina Acar der Patientenakte einen Zettel bei, auf dem vermerkt ist, ob der Patient in Begleitung gekommen ist. König versucht, für ein wenig mehr Verständnis zu werben: "Auch wenn schon mal nach der Erstversorgung zwei Stunden nichts passiert, heißt das nicht, dass wir uns nicht kümmern."

Manchmal bedeute das halt nur, dass der Mediziner auf ein Ergebnis aus dem Labor warte, damit die nächsten Schritte eingeleitet werden können. Oder manchmal geht es auch nur schlichtweg darum, ein freies Bett im Haus zu finden. Wie jetzt an Karneval, kann es passieren, dass es 213 Patienten aber nur 211 Betten gibt. Dann ist das Belegungsmanagement gefragt. Mit ein wenig Sorge blickt man im Sana auf die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, mehrere Notfallpraxen dichtzumachen - wie etwa die in Langenfeld. Die Schließung des Monheimer St. Josef Krankenhauses vor anderthalb Jahren hat in Benrath für steigende Patientenzahlen gesorgt. "Wenn die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte in Langenfeld geschlossen wird, müssen wir schauen, wie wir hier noch effizienter werden können, wenn dann noch mehr Patienten kommen", sagt König.

Denn auch sie weiß, dass das Gesundheitssystem finanziell so schlank aufgestellt ist, dass es nicht mehr Personal geben wird. Krankenhaus-Ambulanzen sind massiv unterfinanziert, anfallende Behandlungskosten von rund 120 Euro pro Patient werden von gesetzlichen Krankenkassen gerade mal zu einem Viertel erstattet. Abgewiesen wird trotzdem keiner, denn letztlich wissen die Verantwortlichen, dass es auch in Düsseldorf zu viele Krankenhausbetten gibt. Deshalb ist man bei Sana froh über die gestiegenen Fallzahlen. Bedingungen, die weder Ulrike König noch Krankenschwester Saskia Meineke, die die Pflegerische Leitung der Notfallaufnahme hat, ändern können; und sie tun trotzdem mit dem Team ihr Bestes.

Lob gibt es eher selten. Und wenn doch, dann geht Ulrike König das Herz auf: "Wir hatten am Freitag einen Patienten, der sich per Mail bedankt hat. Der schrieb, dass er sich bestens aufgehoben gefühlt habe." Da merkt man dann, dass die öffentliche Kritik von Patienten an der Notfallaufnahme sie bis ins Mark getroffen hat.

(RP)