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Eichmann-Protokoll im Schloßgymnasium in Düsseldorf Benrath

Lesung zum Eichmann-Protokoll : Benrather Schüler fragen nach der Schuld

Gemeinsam mit Schauspielern haben Schüler des Schloßgymnasiums über die Rolle von Schreibtischtätern während des Holocaust diskutiert.

Schauspieler Bernd Surholt gibt den NS-Verbrecher Adolf Eichmann. Er vermittelt die Abgeklärtheit, die Distanz des Mannes, auf dessen Anordnung hin über sechs Millionen Juden systematisch ermordet wurden, und der sich anschließend als reiner Befehlsempfänger verkaufen wollte. Neben Surholt sitzt Harald Schandry auf der Bühne im Schloßgymnasium. Er verkörpert den israelischen Agenten, der Eichmann verhörte, leiht Zeugen der Verbrechen seine Stimme und liest aus Zeitungsartikeln aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

Nach Adolf Eichmanns Entführung aus Argentinien, wo dieser nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter falschem Namen lebte, wurde er vom israelischen Geheimdienst verhört, das Protokoll umfasste über 3500 Seiten. Gut 30 davon trugen die beiden Schauspieler des Klecks-Theaters aus Hannover gestern vor Schülern des Schloßgymnasiums vor.

„Die Lesung ist Teil der Vorbereitung für die Exkursion ins Konzentrationslager Struthof der neunten Klasse“, erklärt Lehrer Philipp Schäfer, der gemeinsam mit Claudia Scheffler den Fachbereich Geschichte am Schloßgymnasium leitet. Schäfer lobte die glaubhafte Inszenierung des Eichmann-Protokolls durch die Schauspieler. „So lebendig kann der historische Stoff im Unterricht nicht vermittelt werden“, gab er zu. Der Lehrer zeigte sich erfreut über das rege Interesse der Schüler an der ernsten Thematik. „Junge Leute sind auch heute noch sehr offen gegenüber dem, was damals geschehen ist“, sagt er.

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Dass die älteren Jahrgangsstufen freiwillig zur Lesung gekommen seien, zeige, dass sie nicht gleichgültig gegenüber der Vergangenheit seien. „In der Jugend bilden sich die Menschen ihre Haltung zu Dingen – und da muss die Schule sie auch mit unangenehmen Themen konfrontieren, damit sie dazu ihren eigenen Standpunkt suchen können“, sagte Schäfer. Dies sei nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit wichtig, sondern auch, wenn es darum gehe, sich gegen aktuelle rechtspopulistische Tendenzen zu positionieren.

Aus den interessierten Nachfragen der Schüler nach der Lesung war zu schließen, dass sie den Ernst des Themas verstanden haben. „Kann man einen Menschen, der so viele Menschen auf dem Gewissen hat, überhaupt Schreibtischtäter nennen?“, fragt eine Schülerin. Und Harald Schandry antwortet: „Ja, denn Eichmann hat nie selbst einen Hebel umgelegt oder eine Waffe abgefeuert, sondern nur geplant und angeordnet.“ „Das macht es aber nicht besser“, ist die Entgegnung aus dem Publikum. „Nein“, stimmt der Schauspieler zu.