Düsseldorfer Schüler lernen rechtsxtreme Strategien zu durchschauen

Düsseldorf : Rechtsextreme Strategien durchschauen

Auf dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium werden Schüler beim Programm „Annette mischt sich ein“ über rechte Gruppen und ihre Methoden aufgeklärt.

Es ist ein unheimliches Bild: Eine Menschenmenge zieht  mit weißen Masken und Fackeln, untermalt von von dramatischer Musik, durch die Straßen einer Stadt. „Was in diesem Video aussieht wie eine große Gruppe von Demonstranten, sind in Wahrheit nicht einmal 50 Teilnehmer. Das Ganze wurde einfach nur geschickt gefilmt, um euch zu beeindrucken“, erklärt Uwe Augustin einer Gruppe von Schülern des Benrather Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums.

Einmal die Woche trifft sich der freiberufliche Historiker und Demokratietrainer mit den Jugendlichen, um sie über den Umgang mit rechtspopulistischer oder rechtsextremer Ideologie aufzuklären. Das an diesem Tag gezeigte Video wurde von einer Gruppe, die sich zur „Identitären Bewegung“ zählt, ins Internet gestellt. „Diese Bewegung will vor allem junge Leute wie euch ansprechen und setzt dabei weniger auf platte Parolen, sondern versucht Jugendliche eher subtil zu erreichen“, sagt Augustin.

Die Schüler folgen nicht nur konzentriert seinen Ausführungen, sondern bringen sich selbst aktiv ein. „Die 18 steht innerhalb der Szene für Adolf Hitler“, sagt der 14-jährige Adrian, als die Gruppe einen Stapel Bilder von rechten Symbolen analysiert. Der Schüler ist gut informiert. „Es ist wichtig, sich mit der Szene auseinanderzusetzen, denn man kann schneller hineinrutschen als man denkt.“ Seine ebenfalls 14-jährige Mitschülerin Merle stimmt ihm zu: „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen, deswegen sollte man sich sowohl mit den Hintergründen, als auch den aktuellen Aspekten auseinandersetzen.“

Der alltägliche Umgang mit Menschen mit rechter Ideologie wird in der „Arbeitsgemeinschaft gegen Rechts“ über Rollenspiele simuliert, die laut Augustin weniger auf Konfrontation als  auf vernünftigen Dialog ausgerichtet sind. „Wenn man einfach nur „Nazis raus“ ruft, dann bringt das wenig. Ich frage dann immer: Wo sollen sie denn hin?“, sagt er. „Nur wenn man auf den anderen zugeht, sich mit ihm auseinandersetzt und vernünftig mit ihm diskutiert, kann man etwas bewegen.“

Seit den 1970er Jahren beschäftigt er sich mit der rechten Szene und ihren historischen Hintergründen. Seine „Arbeitsgemeinschaft gegen Rechts“ wurde vor gut zwei Jahren am Gymnasium auf Wunsch der Schüler ins Leben gerufen. „Wir haben schon vorher Veranstaltungen zu dem Thema angeboten, irgendwann kamen Schüler mit der Idee auf uns zu, die AG zu starten“, berichtet Mareike Meier, eine Lehrerin des Gymnasiums. Für sie ist die Verunsicherung der Schüler einer der Hauptgründe für den wachsenden Wunsch nach Aufklärung: „Viele fragen sich zum Beispiel, ob es sich beispielsweise bei den Mitgliedern der AfD um Rechtsextreme handelt oder wie sie mit der Szene umgehen sollen. Mit der AG helfen wir ihnen, sich zu orientieren.“

Immer freitags werden die Schüler 45 Minuten lang über Mittel und Methoden der rechten Szene informiert. Augustin weist auf Facebook-Gruppen hin, die unter dem Deckmantel polarisierender Themen, wie Tierquälerei oder Kindesmissbrauch ihre  Ideologie verbreiten. Auch eher skurrile Beispiele hat er ausgewählt. Neben kleinen Kampfflugzeugen und Handgranaten, die im Internet auf einschlägigen Plattformen als Weihnachtsbaumschmuck verkauft werden, zeigt er unter anderem Aufnahmen einer veganen Kochshow von Rechtsextremen auf Youtube.

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