Düsseldorf: neue Fotoausstellung im Benrather Schloss

Fotoausstellung im Benrather Gartenkunstmuseum : Die Schönheit des Vergänglichen

Heute Abend wird im Gartenkunstmuseum die Ausstellung „Flores del mal“ eröffnet. Sie zeigt Fotografien des argentinischen Künstlers Fabio Borquez, der Models mit Blumen gekonnt in Szene setzt.

Charles Baudelaire (1821 bis 1867), der 1857 seinen Gedichtband „Les Fleurs du Mal“ herausgegeben hat, hätte sich zur damaligen Zeit wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass sein Werk den Fotografen Fabio Borquez einmal zu einer Fotoreihe inspirieren sollte, die Portraits zeigt von Menschen mit außergewöhnlichem Blumenschmuck – von der Hortensie bis zur Artischocke. Zu Lebzeiten des Schriftstellers steckte die Fotografie in den Kinderschuhen. Inzwischen hat sie sich zu einer ernstzunehmenden Kunstform entwickelt.

Bis zum 5. Januar zeigt das Gartenkunstmuseum im Benrather Schloss die Foto-Ausstellung, die als Hommage an Baudelaire den gleichen Namen trägt, „Flores del Mal“ (Die Blumen des Bösen). Wer sich selber ein Bild machen will, ist zur Ausstellungseröffnung heute Abend (19 bis 23 Uhr, Eintritt frei) im Ostflügel eingeladen.

Mit der Erstausgabe seines Gedichtbandes fand sich Baudelaire wegen Verletzung der öffentlichen Moral vor Gericht wieder. Und auch das, was Fabio Borquez auf den Fotochip bannte, hätte zur damaligen Zeit wohl einen handfesten Skandal ausgelöst. Denn damit in Anlehnung an Baudelaire die Menschen auf den Portraits auch die Themen dunkle Verlockung und Vergänglichkeit der Natur widerspiegeln ist viel nackte Haut zu sehen. Doch der Fokus beim Betrachten der Motive liegt auf der Symbiose, die die Models mit dem Blumenschmuck eingehen. Den steuerte die Neusser Floristin Nina Bender bei. Und was sich hier so unspektakulär liest, ist in Wirklichkeit eine sinnliche Reise für die Augen.

Schon vor vier Jahren hatte der in Argentinien geborene Fotograf, der 2001 der Liebe wegen nach Deutschland zog, die Idee zu dieser besonderen Fotoreihe. In der Neusser Floristin Bender hatte er damals auch schon das passende Gegenstück gefunden. „Ich kenne das Blumengeschäft der Familie schon seit vielen Jahren“, erzählt der 55-Jährige. Zur Hochzeit und zur Geburt seines Sohnes erstand er dort Florales und auch den Kranz zum Tod der Großmutter seiner Frau. Das Thema Vergänglichkeit spiegelt sich aber nicht nur darin wider. So bald man eine Blüte von ihrem Stängel entfernt, ist sie dem Tod geweiht, genau in diesem Moment, sagt der Fotokünstler, zeige sie jedoch ihre größte Schönheit.

Hand in Hand arbeiteten Borquez und Bender für das Projekt. Abends, wenn das Blumengeschäft geschlossen hatte, traf man sich zum Fotografieren. Nicht immer lief alles glatt. Für ein hochschwangeres Model hatte die Floristin ein besonders Blumenband hergestellt, das um ihren Bauch gewickelt werden sollte. Doch während der Aufnahmen platzte die Fruchtblase, Borquez begleitete die werdende Mutter ins Krankenhaus und wurde bis zur Ablösung durch den Ehemann für den Kindsvater gehalten. Da für das Fotoshooting aber alles bereit lag, suchte Nina Bender unterdessen für einen Ersatz  – und wurde fündig bei einer Freundin, die gerade zu Hause auf dem Sofa lag und Langeweile hatte. Auch dieses Foto ist in der von Bernhard Jansen kuratierten Ausstellung zu sehen – es hängt im letzten Raum. Auf das Titelbild zur Ausstellung hat es ein Werk geschafft, das Borguez’ Foto- und Benders Blumenkunst auf besondere Weise vereinigt: Eine Asiatin, die einen Kopfschmuck aus Nelkenblütenblättern trägt.

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