Düsseldorf: Gefährliche Chemikalie PFT im Grundwasser von Benrath und Urdenbach

Umweltbelastung im Süden der Stadt : Gefährliche Tenside im Grundwasser in Düsseldorf gefunden

Die Chemikaliengruppe PFT soll Krebs erregen und wurde in Benrath und Urdenbach nachgewiesen. Der Ursprung der Verunreinigung ist bisher nicht vollständig geklärt. Grundwasser darf die nächsten 15 Jahre nicht mehr zur Gartenbewässerung genutzt werden.

Heinz-Jörgen Rothländer, Vorsitzender des Benrather Kleingärtner-Vereins, dürfte die Bekanntmachung der Stadt mit Schrecken gelesen haben. Das Grundwasser in Benrath, Urdenbach und dem östlich angrenzenden Hilden sei mit Chemikalien verunreinigt, daher dürfe fortan kein Wasser aus den Gartenbrunnen mehr zum Gießen verwendet werden – voraussichtlich bis ins Jahr 2034. Nach ein paar Anrufen beim städtischen Umweltamt dann das Aufatmen für die Kleingärtner. „Unsere Anlage liegt außerhalb des betroffenen Bereichs“, so Rothländer erleichtert.

PFT – perfluorierte Tenside: Das sind die Chemikalien im Benrather Boden, vor denen die Stadt warnt. Über 300 Stoffe werden in dieser Gruppe zusammengefasst, erklärt Ingo Valentin, Sachgebietsleiter Grundwassersanierung beim Umweltamt der Stadt Düsseldorf. „PFT werden in der Industrie verwendet, etwa in Löschschäumen für Feuerlöscher“, erklärt Valentin.

Die Stoffe sind chemisch sehr beständig, können sich über das Wasser in Pflanzen und Tieren anreichern und über den Verzehr auch in den Menschen gelangen, wo sie im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen. „PFT als Gesundheitsgefahr in der Umwelt ist erst seit einem Vorfall 2006 im Möhnesee ein Begriff, entsprechend steht auch die Forschung noch am Anfang“, sagt Valentin. Daher ist bisher unklar, wie es gelingen kann, die gesundheitsschädlichen Stoffe aus dem Grundwasser zu filtern.

Ebenfalls noch nicht zu beantworten ist die Frage, wie sie dort überhaupt hingelangen konnten. Zwei Eintrittsorte sind dem Umweltamt bekannt. Der eine ist ein Betrieb auf Hildener Stadtgebiet, die andere Quelle der PFT im Benrather Grundwasser wird im Bereich der Hildener Straße vermutet. „Wir sind noch auf der Suche nach den Ursachen, bisher haben wir keinen Verantwortlichen“, sagt Ingo Valentin mit Blick auf die zweite Verschmutzung.

Als er am vergangenen Freitag das Thema in der zuständigen Bezirksvertretung 9 vorstellte, war eine der Nachfragen, wer denn für die Reinigung des Benrather Grundwassers zur Kasse gebeten werden könne. „In Hilden gibt es eine Übereinkunft mit dem Verursacher“, wusste Valentin zu berichten, „Aber so lange wir nicht wissen, woher die PFT an der Hildener Straße kommen, können wir auch niemanden verantwortlich machen.“ Außerdem seien die Kosten für die Reinigung noch nicht abzusehen, genauso wenig wie ein Zeitplan. „Grundwasserschäden sind immer Langzeitschäden“, sagt Valentin. Vorerst ist das Verbot der Grundwassernutzung auf 15 Jahre ausgelegt, ein Standartwert, wie es vom Umweltamt heißt.

Der gelbe Bereich bezeichnet das mit PFT verunreinigte Gebiet, die rote Linie zeigt, wo kein Grundwasser verwendet werden darf. Foto: RP/Umweltamt Stadt Düsseldorf

Mehrere Messstellen haben die Verteilung der schädlichen Chemikalien im Grundwasser untersucht. Dieser Bereich – erweitert um eine kleine Pufferzone – ist nun Gegenstand der Allgemeinverfügung, die die Verwendung von Brunnen- und Seewasser zum Gießen verbietet. Die Anwohner wurden von der Stadt informiert. Wie viele Gartenbrunnen im Bereich der Verordnung liegen, weiß die Stadt nicht, da diese ohne Genehmigung betrieben werden dürfen.

Allerdings, so betont Ingo Valentin, bestehe keine konkrete Gesundheitsgefahr, auch nicht für Kinder oder geschwächte Personen. „Das Trinkwasser kommt aus unseren Aufbereitungsanlagen und ist unbedenklich“, so Valentin. Die Maßnahme der Stadt diene der Vorsorge, man wolle verhindern, dass sich die PFT in der Umwelt noch mehr anreichern und verbreiten, auch, da die Stoffe sehr langlebig sind.

Doch die PFT sind nicht die einzigen Stoffe, die das Benrather Grundwasser belasten. Bereits seit mehreren Jahren ist eine Verunreinigung mit CKW, Chlorkohlenwasserstoffen, bekannt. Auch hier liegt die Quelle in Hilden. Im Gegensatz zu PFT ist CKW jedoch gut erforscht, die Reinigung durch spezielle Brunnen mit Aktivkohlefiltern laufe gut, so Valentin.

Leidtragender beider Belastungen ist unter anderem der Sportangelverein Benrath, der am Schlupkothensee an der Grenze zu Hilden fischt. 2015 wurde den Anglern nach einer Routinekontrolle vom Umweltamt empfohlen, keine Fische mehr aus ihrem See zu essen und den Bestand nicht durch neue Tiere zu erweitern.

Damals war Arno Kivus stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Er erinnert sich: „Das war natürlich ein Schock für uns.“ Man habe damals mit der Stadt zusammengearbeitet, regelmäßig Fische für Proben zur Verfügung gestellt. Inzwischen sei der CKW-Gehalt jedoch zurückgegangen, so Kivus. „Wir haben ausgerechnet, dass man jeden Tag 300 Gramm von unserem Fisch essen müsste, um die unbedenkliche Jahresdosis zu überschreiten“, erzählt der Angler.

In den neusten Proben wurden jedoch auch in den Fischen des Schlupkothensees PFT nachgewiesen. Das zeigt, dass die Schadstoffe bereits in den Nahrungskreislauf im Düsseldorfer Süden eingedrungen sind – und das noch viel Arbeit vor Ingo Valentin und dem Umweltamt liegt.

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