Düsseldorf: Ein Buch über den Tierbildhauer Pallenberg

Stiftung Schloss und Park Benrath : Ein Buch über den Tierbildhauer Pallenberg

Der Bestandskatalog mit Material der Stiftung Schloss und Park Benrath und des Aquazoos schließt eine kunsthistorische Lücke.

Zusätzliche Stühle mussten am Mittwochabend herbeigeschafft werden, damit das für die Buchpräsentation zahlreich erschienene Publikum in der Bibliothek der Stiftung Schloss und Park Benrath im Westflügel des Anwesens Platz finden konnte. Objekt des Interesses ist das Buch „Der Tierbildhauer Josef Pallenberg“, das Stefan Schweizer, Vorstandsmitglied der Stiftung Schloss und Park Benrath, und Kurator Martin Bartelmus, der an diesem Abend verhindert war, gemeinsam herausgeben.

Vielen Menschen sind die Tierskulpturen Pallenbergs, der 1882 zwar in Köln geboren wurde, jedoch von 1900 an zwei Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie mit dem Schwerpunkt Tierbildhauerei studiert hat und schließlich den Großteil seines Lebens in Lohausen, wo er lebte und arbeitete, verbracht hat, durch die Dauerausstellung „Wie Menschen Tiere sehen – Die Tierskulpturen Josef Pallenbergs“ bekannt. Mit dem Buch steht jetzt auch ein umfassender Bestandskatalog des Pallenberg-Nachlasses zur Verfügung, das eine kunsthistorische Lücke schließen will.

„Doch Pallenberg ist ein Fass ohne Boden, da gibt es noch viel Arbeit für Studierende, die einen Bachelor- oder Master-Abschluss machen wollen, sowie für zukünftige Doktoranden“, relativiert Schweizer sein Dazutun, Leben und Wirken Pallenbergs zu würdigen. Die schriftliche Sammlung des Künstlers und Zoologen, der sich zeitlebens mit Tieren, darunter auch gezähmten Wildtieren wie der legendären Löwin Juste, Löwe Hassan oder Wolf Prinz umgab, ist im Aquazoo beheimatet und erst ansatzweise aufgearbeitet. Ebenso spannend wie unterhaltsam, präsentiert Schweizer die Biografie Pallenbergs, auch wenn er bisweilen zugeben muss, dass manches in dessen Leben, etwa inwieweit er die Gunst der Nationalsozialisten zu nutzen wusste, noch der Erforschung bedarf.

Josef Pallenberg bewegte sich in einer kreativen Grauzone zwischen naturwissenschaftlicher Analyse und dem künstlerischen Festhalten eines ästhetischen Moments im tierischen Bewegungsablauf. Seine Arbeiten, die den Körperbau der Tiere sowie ihr Sozialverhalten einschlossen, sind einzigartig in ihrer perfektionistischen Ausführung. Euphemistisch betrachtet galt er als Genie, manche sahen in ihm den wunderlichen Kauz. Wer aber die Fotos von seinem Messie-Atelier mit Skeletten, Knochen und Fellen betrachtet, vermag allerdings auch einen gewissen Hang zum Wahnsinn zu erkennen.

1946 starb Pallenberg, der stets gute Beziehungen zu Carl Hagenbeck und dessen Tierpark in Stellingen, heute Hamburg, pflegte, in der Psychiatrie in Grafenberg. Hierzu wies Stefan Curth, Kurator im Aquazoo, darauf hin, dass die schriftliche Sammlung diese Fragen gegebenenfalls noch klären könnten.

Was die Kooperation zwischen Stiftung Schloss und Park Benrath und dem Aquazoo anbetrifft, dürften Synergien optimal genutzt worden sein, zumal Aquazoo-Leiter Jochen Reiter und Stefan Schweizer das Konzept für eine Art digitales Pallenberg-Museum, in dem virtuell Kunstwerke und schriftliches Begleitmaterial zusammengeführt werden, im Auge haben. „Der erste Vorstoß für eine Finanzierung in Höhe von 13 Millionen Euro ist seitens der Deutschen Kulturstiftung abgelehnt worden, aber wir bleiben dran“, sagte Stiftungsvorstand Stefan Schweizer.