Investor plant auf dem Grundstück Luxuswohnungen Benrather Rheinterrasse ist Geschichte

Düsseldorf · Seit 1. Oktober sind das Hotel und die Gastronomie geschlossen. Zuvor gab es einen Flohmarkt für Souvenirs aus der 50-jährigen Geschichte. Die Planungsdezernentin setzt sich für den Erhalt einer Gastronomie am Standort ein.

Seit 1. Oktober ist das Ausflugslokal Benrather Rheinterrasse am Schlossufer geschlossen. Zum Jahresende geht es an einen neuen Besitzer über, der es für den Bau von Wohnraum abreißen wird.

Seit 1. Oktober ist das Ausflugslokal Benrather Rheinterrasse am Schlossufer geschlossen. Zum Jahresende geht es an einen neuen Besitzer über, der es für den Bau von Wohnraum abreißen wird.

Foto: Andrea Röhrig

Im Schaukasten vor der Benrather Rheinterrasse am Schlossufer hängt noch die Sommerkarte, auf der Düsseldorfer Senfrostbraten, gebratene Pfifferlinge in Kräuterrahm und Mousse von Toblerone mit Mandel-Pfirsichragout angeboten werden. Doch seit vergangenem Wochenende bleibt die Küche kalt – trotz des herrlichen Herbstwetters. Auch die Möblierung des Restaurant-Außenbereichs ist – bis auf die Sonnenschirme – weggeräumt, die braunen Rollladen im Erdgeschoss sind heruntergelassen. Die Benrather Rheinterrasse ist seit 30. September Geschichte.

„Corona hat uns das Genick gebrochen“, hatte Gaby Schönenborn vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt, „während des Lockdowns haben wir unser Personal halten können, aber unser Hotel mit 45 Zimmern blieb wegen der Pandemie für zehn Monate geschlossen“. Vor der Pandemie hatten Schönenborn und ihr Geschäftspartner Dirk Wegner sogar Pläne, das Hotel und das Ausflugslokal zu renovieren.

Doch dann kamen eben erst Corona und dann das Angebot einer Investmentfirma. Der anhaltende Personalmangel in der Gastronomie und nun auch noch die Energiekrise haben den Entschluss zum Verkaufen im Nachgang aber noch einmal gestärkt. Der neue Eigentümer wird das Ausflugslokal nicht weiterführen, sondern abreißen. Auf dem knapp 2500 Quadratmeter großen Grundstück soll exklusiver Wohnraum entstehen mit unverbautem Blick auf den Rhein. Weil die Zahl der Wohnungen laut eingereichter Bauvoranfrage bei 18 liegt, findet hier das vom Stadtrat beschlossene Handlungskonzept Wohnen mit einem Anteil von Sozialwohnungen und preisgedämpften Wohnraum keine Anwendung.

Das Hotelmobiliar ist bereits vor einigen Wochen verkauft worden. Am vorvergangenen Wochenende hatten Gaby Schönenborn und Dirk Wegner über die sozialen Medien Gäste und Interessierte eingeladen, sich bei einem Flohmarkt ein Souvenir aus der 50-jährigen Geschichte der Rheinterrasse mit nach Hause zu nehmen. Doch natürlich ist das große Haus noch nicht komplett leer geräumt. Gabi Schönenborn geht gerade mit dem Staubsauger durch die Räume: „Wir sind am Ausräumen, aber so viel ist es nicht mehr“, sagt sie und muss schlucken: „Das ist schon bitter für mich.“ Am 4. August hatte das Haus noch sein 50-jähriges Bestehen – schon mit dem Aus vor Augen. Denn ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Schönenborns Eltern Haus und Hotel gekauft hatten. Angemietet hatten Horst und Wilma Loosen das Restaurant bereits 1968. Um ein wenig Abstand zu bekommen, will Gaby Schönenborn Mitte Oktober in den Urlaub fahren. Das ging als Hotelbetreiberin mit angeschlossener Gastronomie all die Jahre eher schlecht.

Noch bis Jahresende bleibt Dirk Wegner in einem Teil des Hauses wohnen, dann ist Übergabe an den Käufer. Der Investor hat in der Zwischenzeit zwischen der Bauvoranfrage in der Bezirksvertretung 9 noch einmal gewechselt und auch die Baupläne wurden noch einmal modifiziert. Im März dieses Jahres genehmigte die BV die Bauvoranfrage. Dem Vernehmen nach könnte der neue Eigentümer auf dem großen Grundstück nun doch ein festes Gastronomieangebot planen. Und das ist auch Düsseldorfs Planungsdezernentin Cornelia Zuschke an solch einer exponierten Lage wichtig. Denn genau neben der Benrather Rheinterrasse gibt es einen Eingang zum Schlosspark und wenn das Schloss in den nächsten Jahren für 60 Millionen Euro saniert und besucherfreundlicher gestaltet wird, könnte dieser Eingang bedeutungsvoller werden, um mehr Gäste zu ziehen.

In einem von Mitte September datierten Schreiben an die derzeitigen Eigentümer sowie an den Investor unterstreicht Zuschke, dass in mehreren Gesprächen im Vorfeld der Bauvoranfrage auf die schuldrechtliche Sicherung der Gastronomie hingewiesen worden sei. Auch vor dem Hintergrund des Engagements von Bürgerinnen und Bürgern und aus der BV habe sie dem Investor die wesentlichen Rahmenbedingungen der Bauvoranfrage noch einmal schriftlich mitgeteilt. Nach Angaben der Planungsdezernentin steht die Fachverwaltung mit den Beteiligten im Austausch.

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