Düsseldorf: Bund will Weltkriegsbunker in der Pauslmühle verkaufen

Benrather Pauslmühle : Bund will Weltkriegsbunker verkaufen

1976 bekam das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Kriegsbauwerk neue Farbe und mit den Paulsmühler Jecken einen Mieter. Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, prüft aktuell, ob sie davon Gebrauch machen will.

1976 bekam der Weltkriegs-Bunker in der Paulsmühle sowohl einen neuen Anstrich als auch neues Leben eingehaucht. Der Urdenbacher Künstler Clan Barthelmess versah den grauen Beton mit bunten Streifen. In den Bunker zogen die ein Jahr zuvor gegründeten Paulsmühler Jecken, die einen langfristigen Mietvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abschlossen. In der Blütezeit hatte der Verein über 200 Mitglieder, die Zahl sank mit den Jahren jedoch heftig.

2016 stellten sich die Paulsmühler Jecken personell neu auf. 16.000 Arbeitsstunden steckten danach viele ehrenamtliche Helfer in die Sanierung, unter anderem bekam der Bunker mit finanzieller Unterstützung der Bezirksvertretung eine neue Sanitäranlage. Mit innovativen Veranstaltungsformen wie der Kaffeeklatsch-Comedy werden seitdem Zuschauer in den Bunker geholt, um den Veedelszug durch die Paulsmühle, die Kinder-Karnevalsparty und natürlich auch die hohen Nebenkosten zu finanzieren. Und so wäre eigentlich gerade jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo der Verein einmal durchschnaufen könnte. Doch dem hat die Bundesanstalt einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte eine Sprecherin des bundeseigenen Unternehmens mit, dass die Immobilie derzeit für einen Verkauf vorbereitet werde. Wann und ob diese auf dem Immobilienmarkt zum freien Verkauf angeboten werde, hänge maßgeblich davon ab, ob ein Verkauf des Hochbunkers an die Stadt oder die Pächterin erfolgen könne, heißt es in einer Stellungnahme. Eine Zeitschiene kann die Bundesanstalt noch nicht benennen. Viele denken da an den Bunker an der Reusrather Straße, aus dem erst die Künstler mit ihren Ateliers ausziehen mussten und der dann einem Wohnhaus wich.

„Ein Verkauf an einen privaten Investor wäre für den Verein und den Stadtteil eine Katastrophe“, sagt Paulsmühlen-Vorsitzender Michael Geier. Der Stadt hatte die Bundesanstalt den Bunker zum Kauf angeboten, diese prüft aktuell, ob ein Erwerb der Immobilie eine Option ist. Natürlich hätte auch der Karnevalsverein Interesse am Kauf; aber das hängt vom Preis ab. Rechnet man alleine das Grundstück, könnte der Verkehrswert bei über zwei Millionen Euro liegen. Eine Summe, die zu stemmen für die Paulsmühler Jecken unmöglich wäre. Die Bundesanstalt hat nach eigenen Angaben noch keinen Preis angesetzt.

Natürlich befürchten jetzt auch die Mitglieder der Initiative „Lebenswerte Paulsmühle“, dass der Bunker abgerissen wird und dort ein weiteres Wohnquartier entsteht. Doch so einfach ist das nicht, da der Bunker, der 1941 gebaut wurde, in Gänze unter Denkmalschutz steht. Und man sieht ja beispielweise an der Kapelle am alten Benrather Hospital, dass wegen des Schutzes noch nicht einmal die alten, unbequemen Kirchenbänke herausgenommen werden dürfen. Die Paulsmühler Jecken haben dafür gesorgt, dass die Technik vollständig erhalten geblieben ist. Seit Neuestem gibt es für Schulklassen die Möglichkeit, durch die Katakomben eine Führung zu machen. Eine Geschichtsstunde zum Dritten Reich, die authentischer kaum sein könnte.

Dirk Angerhausen, Sprecher der CDU in der Bezirksvertretung V 9, und seine BV-Kollegin Melina Schulze wollen sich dafür einsetzen, dass die Paulsmühler Jecken im Bunker weitermachen können. Angerhausen: „Wir werden eine Anfrage für unsere nächste BV-Sitzung stellen.“ Mehrere Fragen möchte die CDU beantwortet haben. Unter anderem, ob die Stadt ihr Vorkaufsrecht wahrnehmen wird und ob es einen Vorstoß geben soll, den Denkmalschutz aufzuheben. Denn dann wäre es kein Problem, den Komplex abzureißen und dort Wohnraum zu schaffen: „Wir machen uns darüber Gedanken, dass der Bunker gerade jetzt verkauft werden soll, wo in der Paulsmühle so viel gebaut wird“, sagen Schulze und Angerhausen.

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