Lieblingsstück von Gunnar Gad Die Singdrossel ist Sängerin und Bauherrin

Benrath · Gunnar Gad vom Benrather Naturkundemuseum erklärt, warum ein Präparat des unscheinbaren Vogels sein liebstes Ausstellungsstück ist.

 Gunnar Gad, seit September Leiter des Naturkundemuseums, mit den präparierten Vögeln.

Gunnar Gad, seit September Leiter des Naturkundemuseums, mit den präparierten Vögeln.

Foto: Endermann, Andreas (end)

Ob als betörende Sängerin oder begabte Bauherrin: Die Singdrossel zeigt sich beim Gesang ihrer „Arien“ ebenso meisterhaft wie beim Bau ihres Nestes. Gunnar Gad, Leiter des Naturkundemuseums, ist fasziniert. Zielsicher steuert er in den Gefilden der Stiftung Schloss und Park Benrath die Darstellung eines Singdrossel-Pärchens vor seinem Nest an – sein Lieblingsobjekt. „Ich habe sie beim Aufräumen im Magazin entdeckt und dachte mir: Das ist toll.“

Das Gefieder zeichnet die Singdrossel nicht als Paradiesvogel aus, aber ihre gesanglichen Qualitäten, verbunden mit eindrucksvoller Ausdauer machen das wett. „Ihr Gesang ist einzigartig. Sie sucht sich dafür einen hohen Punkt – die Spitze eines Baumes oder einen Dachfirst. Dort kann sie 50 Minuten am Stück singen“, erklärt der Biologe. Ihr griechischer Artenname „philomelos“ bedeute „Sohn der Demeter“, der Erdgöttin.

In Schwung singe sie sich meist morgens und abends, dazwischen ruhe sie sich aus. Schon als Kind beschäftigte sich Gad damit. „Vögel hatte ich sehr früh drauf, das war im Grundschulalter“, sagt der Biologe. Damals habe er ein frisches Nest entdeckt und fand es seltsam. Denn das Bauwerk der Singdrossel unterscheide sich deutlich von anderen Nestern. „Sie nutzt ihren Schnabel wie eine Maurerkelle“, erklärt Gad. Der Vogel baut aus Halmen ein Geflecht, stopft Moos in die Zwischenräume, vermischt Holzspäne mit Speichel und Lehm und mauert daraus eine „Wohnung“. „Zum Schluss formt der Vogel durch Hin- und Her rutschen einen perfekten Napf. Dadurch verhindert sie auch, dass sich dort Fliegenlarven festsetzen“, sagt Gad. Außerdem ziehe sie mehr Jungvögel auf als die Amsel und erreiche ein Alter von 18 Jahren.

Peter Frey, der Stifter des Vogelpärchens, setzte auf ganz andere Weise der einheimischen Vogelwelt ein Denkmal. Er stellte eigenhändig präparierte Vögel in ihrem natürlichen Lebensumfeld dar. Gunnar Gad, seit dem 1. September Leiter des Naturkundemuseums, zollt dem Mediziner und Hobby-Vogelkundler Bewunderung für sein Lebenswerk. „Er war ein engagierter Arzt und sammelte nebenbei enormes Wissen über einheimische Vögel“, sagt Gad.

Dass ein großer Teil davon während und nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei, komme erschwerend hinzu. „Wie kam Frey an das Material für die Glaskästen und für das Präparieren, das war sicher sehr schwierig“, ist Gad sich sicher. 450 Schaukästen mit 1074 präparierten Vögeln und 68 Säugetieren schuf der Leverkusener Frey. Er starb im Jahr 1954. Und seinem letzten Willen zufolge erhielt alle seine Objekte das Naturkundemuseum.

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