Düsseldorf-Benrath: Mehr Leben für die Bücherei

Benrather Bücherei in der Orangerie : Mehr Leben für die Bücherei

Die 38-jährige Marie-Christine Bariller ist die neue Leiterin der Benrather Bücherei, die in der Orangerie des Schlosses untergebracht ist. Sie hat sich viel vorgenommen.

Ein Neuanfang ist immer eine gute Chance für neue Ideen und Marie-Christine Bariller  – die neue Leiterin der Benrather Bücherei – hat mehr als eine. „Ich möchte gerne ein Lesecafé einrichten und verstärkt auch junges Publikum ansprechen“, verrät die 38-Jährige. Außerdem soll der Bestand von 33.000 Medien unter die Lupe genommen werden, um „Bibliotheks-Hüter“ auszusortieren. Das Allerwichtigste sei jedoch, dass sich die Bücherei als Ort etabliere, an dem jeder willkommen sei – offen und tolerant. „Ich kann mir auch gut ein Programm zum Christopher-Street-Day vorstellen“, führt sie konkreter aus. Sie möchte Menschen mit geringen finanziellen Mitteln einen Ort bieten, an dem alle gleich sind, betont die Bibliothekarin.

Der historische Ort ihres Arbeitsplatzes und der Blick auf den Parterregarten bringen sie ins Schwärmen. Gleichwohl sei die Lage etwas schwierig, weil es wenig Laufkundschaft, dafür viele Bestandskunden gibt. Aber das sei kein Problem. „Wir werden die Bücherei beleben“, meint die 38-Jährige optimistisch. Sie freut sich über ein kreatives Team an ihrer Seite „Die Kollegen haben mich herzlich willkommen geheißen, und sie haben viele Ideen“, sagt die neue Chefin begeistert.

An ihrem Beruf schätzt sie die Vielseitigkeit. „Wir lesen ja nicht nur Bücher“, meint sie lachend. Öffentlichkeitsarbeit, Medienarbeit, Veranstaltungen, Kundenkontakte, Leseförderung, all das gehöre dazu. Fast elf Jahre arbeitete die 38-Jährige in Gerresheim. „Die Kinder- und Jugendarbeit dort hat mir viel Spaß gemacht, aber ich habe eine neue Herausforderung gesucht.“ Für die jüngeren Büchereibesucher hat sie – voraussichtlich 2020 – ein besonderes Highlight ins Auge gefasst „Ich denke an einen Kölner Künstler, der lustiges Musik-Kabarett macht“, verrät sie. Das ist aber noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Weiter gediehen sind hingegen Pläne für eine Computer-Sprechstunde. „Ein IT-Spezialist kommt in die Bibliothek und bietet Hilfe bei Problemen mit dem Computer, dem Handy oder bei Word an“, erklärt sie. Der erste kostenlose Termin steht schon fest: der 11. Januar 2020. Wenn das Angebot gut angenommen wird, kann es im Rhythmus von zwei Monaten etabliert werden. Erfolgsgeschichten wie die Montagsprosa, Ausstellungen und andere bewährte Veranstaltungen will die neue Bücherei-Chefin unbedingt fortführen.

Geboren ist sie im Dreiländereck – in Weil am Rhein –, das Heimweh überkommt sie manches Mal. „Die Weinberge vermisse ich schon“, gesteht Marie-Christine Bariller. Raus in die Natur ist ihre Freizeitdevise. „In der Mittagspause lustwandle ich hier durch den Schlossgarten“, erzählt sie. Wen wundert’s – natürlich war sie schon als Kind eine Leseratte. „Als ich acht Jahre alt war, durfte man aber in der Bücherei nicht laut sein“, beschreibt sie die seinerzeit strenge Etikette. Das Lesen und die Bücher begleiten sie auch jetzt nicht nur von Berufs wegen. Bei der Auswahl gelte das Motto Qual der Wahl. „Ich lese alles, Thriller genauso gerne wie heitere Romane. Doch ich schaffe nicht alles, was ich mir vornehme“, sagt sie bedauernd.

Wenn Marie-Christine Bariller die Wahl zwischen E-Book und Print hat, steht ihre Entscheidung fest. „Auch wenn E-Books dazugehören  – ich liebe Papier von ganzem Herzen“, sagt sie, um dann verschmitzt zu ergänzen: „Zu einem Bad gehört ein tolles Buch und das Geräusch des Umblätterns.“