Der Luftschutzkeller wurde 1938 ins Rathaus eingebaut Ein Luftschutzkeller im Originalzustand freigelegt

Düsseldorf · Bei den Arbeiten zur Sanierung des Benrather Rathaus wurde er freigelegt. Das Heimatarchiv möchte diesen für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Derzeit ist das Archiv mit seinen Ehrenamtlern im Paulsmühler Bunker untergebracht. Es hat jeden Montag von 17 bis 19 Uhr geöffnet.

 Nahezu original erhalten ist der im Benrather Rathaus in den 1930er Jahren nachträglich eingebaute Luftschutzkeller.

Nahezu original erhalten ist der im Benrather Rathaus in den 1930er Jahren nachträglich eingebaute Luftschutzkeller.

Foto: Heimatarchiv

Weil das Benrather Rathaus aufwendig saniert wird, musste das im Souterrain des Verwaltungsgebäudes untergebrachte Heimatarchiv der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath für die nächsten rund zwei Jahre eine Ausweichstätte finden. Die Paulsmühler Jecken boten den Ehrenamtlern um ihren Archivleiter Wolfgang D. Sauer Räume im alten Luftschutzbunker an der Paulsmühlenstraße an, den der Karnevalsverein gepachtet hat.

Während die Mitarbeiter des Archivs nun in dem Hochbunker, in dem noch vieles original aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erhalten ist, ihrer ehrenamtlichen Arbeit nachgehen, hat Sauer schon einen anderen Luftschutzbunker im Blick. Genau genommen ist das allerdings „nur“ ein Luftschutzkeller, der sich noch vollständig erhalten im Benrather Rathaus befindet.

Der Notausgang wurde bei den Sanierungsarbeiten freigelegt.

Der Notausgang wurde bei den Sanierungsarbeiten freigelegt.

Foto: Heimatarchiv

Anlässlich der gerade beendeten Drainagearbeiten rund um das denkmalgeschützte Gebäude aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts wurde es einigen Archiv-Mitarbeitern ermöglicht, Zugang zu dem Luftschutzkeller zu erhalten und Fotos zu machen, berichtet Sauer, der zunächst einmal den Unterschied zwischen Luftschutzbunker und -keller erklärt: „Kennzeichen eines Luftschutzbunkers ist eine selbstständige, eigens für Luftangriffe gebaute Anlage, während ein Luftschutzkeller in ein Gebäude eingegliedert ist, das nicht speziell für den Luftschutz errichtet wurde.“ Zweites gilt also für die Räume im Rathaus.

Einen ersten Hinweis auf diesen Luftschutzkeller brachte das „Benrather Tageblatt“ in der Ausgabe vom 29. August 1938. Dort hieß es: „Wie allerorts in allen größeren Werken, Instituten, größeren Waren- und Geschäftshäusern wird augenblicklich auch in der Benrather Verwaltungsstelle Rathaus ein Luftschutzkeller errichtet, der gegebenenfalls allen im Rathaus beschäftigten und dort gerade anwesenden Personen Schutz gegen Fliegerbomben bieten soll.“ Mit der Fertigstellung dieses Baus rechnete die Zeitung bis Mitte Oktober 1938.

 An der Wand ist die Zahl der Menschen aufgemalt, die Platz hatten.

An der Wand ist die Zahl der Menschen aufgemalt, die Platz hatten.

Foto: Heimatarchiv

Sauer recherchierte weiter und fand heraus, dass bis Anfang 1942 in Deutschland für die Bevölkerung insgesamt etwa nahezu 505.000 solcher Schutzplätze zur Verfügung standen. Das war bei Weitem zu wenig, um der ganzen Bevölkerung Schutz zu bieten.

Erstaunt hat die Archivmitarbeiter der äußerst gute Zustand des Luftschutzkellers. Dieser besteht aus zwei Luftschutzräumen, die nahezu vollständig erhalten sind, zum Teil noch ausgestattet mit den damaligen Bänken. Zwei Tafeln geben Auskunft, dass beide Räume 24 Quadratmeter hatten und jeweils 40 Personen Schutz boten. Eine weitere Tafel enthält Bedienungsvorschriften für die Belüftungsanlage. Auf ihr heißt es: „Die Belüftungsanlage bringt den Schutzsuchenden in dem Schutzraum die erforderliche Atemluft. Durch Drehen an der Kurbel des Handlüfters wird Frischluft angesaugt, im Filter gereinigt und in den Schutzraum geblasen.“ Auch konnten die Archivmitarbeiter die Betondecke in Augenschein nehmen sowie den Notausgang. Dieser war bis vor kurzem noch durch ein Stahlgitter abgedeckt auf dem „Mannesmann-Luftschutz“ stand, dieses wurde anlässlich der Arbeiten um das Rathaus entfernt.

Wegen ihres Interesses für die lokale Historie und was diese für die Gegenwart lehrt, haben die Archivmitarbeiter eine Idee entwickelt: „Der Wunsch geht dahin, zu prüfen, ob es nicht möglich ist, diesen Luftschutzkeller dem Benrather Heimatarchiv nach dem Rückzug in das dortige Souterrain zuzuordnen und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch könnte die Anlage als ein außerschulischer Lernort für die Schülerinnen und Schüler der hiesigen Schulen dienen.“ Im Gegenzug, so Wolfgang D. Sauer, würden sich die Ehrenamtler bereit erklären „im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die eventuell notwendige Pflege dieser Anlage zu sorgen.“ Bei der Umsetzung hofft das Heimatarchiv auf die Unterstützung der Bezirksvertretung 9. Das Stadtteilparlament hatte das Archiv in der Vergangenheit bereits finanziell unterstützt – auch jetzt beim nötig gewordenen Umzug.