Düsseldorf-Benrath: Kulturerbe Schlosspark ist in Gefahr

Schloss und Park Benrath : Schlosspark verliert immer mehr Bäume

Der Verein Schlösser und Gärten hatte wegen der Gefahren des Klimawandels für die historischen Gartenanlagen ins Benrather Schloss eingeladen. Wegen der beiden trockenen Sommer müssen in vielen Parks Bäume weichen.

Das Klima verändert sich inzwischen nicht mehr nur an den Polen, sondern auch sichtbar für jeden vor der eigenen Haustür. Zwei heiße Sommer hintereinander sowie ein dramatisches Absenken des Grundwasserspiegels, weil auch nicht mehr genügend Regen nachkommt, gefährdet auch in Deutschland Fauna und Flora. In der Landeshauptstadt mit jetzt schon dramatischen Folgen für den Waldbestand. Im Stadtwald sind 5400 Bäume bereits abgestorben oder mussten aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden. Der Parkwald Benrath hat in den vergangenen sieben Jahren etwa ein Sechstel seines Baumbestandes eingebüßt. Die Schäden, die aus dem heißen und niederschlagsarmen Sommer 2019 resultieren, sind da noch gar nicht eingerechnet. Aber natürlich hat nicht nur Düsseldorf diese Probleme.

Michael Hörrmann, Vorsitzender des Vereins Schlösser und Gärten Deutschlands, findet klare Worte: „Der Klimawandel bedroht das Erbe der Gartenkultur in Deutschland.“ In dem Verein sind 340 große Schloss- und Gartenanlagen zusammengeschlossen, die zusammen 18 Millionen Besucher im Jahr zählen. Und in den meisten Anlagen sind die Schäden nicht mehr zu übersehen.

Um das existenzielle Problem  so anzugehen, dass auch künftige Generationen durch Schloss- und Klostergärten wandeln können, hatte der Verein gestern zu einer Pressekonferenz ins Benrather Schloss eingeladen und sich dazu fachlichen Beistand geholt: Jens Spanjer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, und Stefan Schweizer, Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schloss und Park Benrath. Dieser führte die Gefahren, die der Klimawandel mit sich bringt, weiter aus: „Nicht nur Dürre und Starkregen setzen den Pflanzen zu, auch der Befall von Schädlingen hat durch das veränderte Klima zugenommen.“ Gefährdet, so Schweizer, sei nicht nur der wertvolle Altbestand, sondern mit ihm auch das Bild und die Form des historischen Parks. Wer früher von oben auf den Parkwald blickte, hatte das Gefühl, dass er über die dichten Kronen hätte hinweggleiten können, doch inzwischen gibt es Lücken. Ein weiteres Beispiel, dass dem Schlosspark seine Einzigartigkeit verloren geht: Im Oktober 2018 musste die letzte Rotbuche gefällt werden, ein Pilz hatte sich es in Stamm des über 200 Jahre alten Baumes gemütlich gemacht, dass er nicht mehr standsicher war. Seit Orkan Ela an Pfingstmontag 2014 über Düsseldorf mit aller Kraft hinwegfegte und viele tausend Bäume wie Streichhölzer umknickten, gibt es jedes Jahr inzwischen Hiobsbotschaften für den Waldbestand der Landeshauptstadt. Weitere 90 alte und mächtige Buchen, die der Sommer 2018 massiv beschädigte, mussten im Laufe des Jahres gefällt werden. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Um gegenzuwirken, arbeitet das städtische Gartenamt aktuell an einem Parkpflegewerk für den Parkwald des Schlosses. Im kommenden Jahr soll er durch die politischen Gremien gehen, berichtet Tobias Lauterbach, Gartendenkmalpfleger beim städtischen Gartenamt. 

Gartenexperten: Tobias Lauterbach (v.l.), Michael Hörrmann, Stefan Schweizer  und Jens Spanjer. Foto: Anna Weidemann

Ein wichtiger Schritt, befindet Michael Horrmann, der der Überzeugung ist, dass bei allen Hiobsbotschaften „eine Rettung der kulturhistorischen Gärten möglich ist.“ Zu schaffen sie dies jedoch für keinen allein, sondern nur, wenn alle zusammenarbeiten.

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