Düsseldorf-Benrath: Abschied vom Hallenbad - ein Bad mit vielen Lieblingsplätzen

Mit Hammer und Meißel: Besucher nehmen Abschied vom Hallenbad in Benrath

Viele Besucher nutzten am Sonntag die letzte Gelegenheit, noch einmal im Benrather Hallenbad vorbeizuschauen. Als Andenken konnte man sich eine Fliese mit nach Hause nehmen. Das neue Bad soll 2022 fertig sein.

Ein letztes Mal bot sich gestern die Gelegenheit, im Benrather Hallenbad zu schwimmen, ehe das Gebäude weichen muss. Ein neues Bad, integriert mit einem Freibad, wird auf dem benachbarten Freibadgelände gebaut. Viele Gäste nutzten die Chance, um nach 64 Jahren Geschichte vom Bad Abschied zu nehmen – und sich ein ganz besonderes Erinnerungsstück, eine Fliese vom Bad, zu sichern.

Mit vier dicken Fotoalben im Arm lief Betriebsleiter Thomas Beckmann, seit 2004 Chef des Bades, durch das Hallenbad: „Einige Gäste hatten nach alten Fotos gefragt.“ Ein letztes Mal wollten die Besucher in Erinnerungen schwelgen, bevor in naher Zukunft die Bagger anrücken werden. „Auf der einen Seite ist es natürlich ein trauriges und komisches Gefühl, dass heute der letzte Tag des Bades ist. Auf der anderen Seite sind wir in das Projekt für das neue Bad vertieft, das sicherlich sehr schön wird. Ich habe heute also ein lachendes und ein weinendes Auge“, beschrieb Beckmann seine Gefühlslage.

1955 öffnete das Stadtbad in Benrath seine Pforten, 64 Jahre später wird es geschlossen und durch einen moderneren Bau ersetzt: Trotz einiger Sanierungen in den vergangenen Jahren, war das Bad mittlerweile zu baufällig und energetisch zu ineffektiv, als dass weitere Maßnahmen sinnvoll gewesen wären. „Ich bedauere sehr, dass das Bad abgerissen wird“, verriet Besucherin Heike beim Abschwimmen.

Niklas Weber an seinem Lieblingsplatz, dem Sprungbecken. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Jahrelang war sie Stammgast in Benrath und blickt auf viele schöne Erinnerungen zurück: „Mein Sohn hat hier mit fünf Jahren das Schwimmen gelernt. Damals arbeitete hier eine ganz reizende Bademeisterin namens Birgitt, die sich rührend um die ängstlichen Kinder gekümmert hat. Wir Mütter standen dann immer am Beckenrand und haben mit den Kleinen gebangt und gezittert“, erinnerte sich die Mutter, die vor allem die klassische Retro-Atmosphäre am Hallenbad schätzte.

Nun, wo das Bad abgerissen wird, nutzte Heike das Angebot und nahm sich eine Fliese als Andenken mit nach Hause. „Ich weiß noch nicht genau, wo ich sie aufstellen werde, aber es findet sich bei uns sicherlich ein schöner Platz.“

Besucherin Heike mag am allerliebsten das Schwimmerbecken, in dem sie jahrelang ihre Bahnen zog. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Auch Niklas Weber lernte, wie Heikes Sohn, in jungen Jahren das Schwimmen in Benrath. Der 26-jährige Student ist in Urdenbach aufgewachsen, wohnt aber mittlerweile in Bonn. Am Sonntag nahm er sich die Zeit, um von dem Ort Abschied zu nehmen, wo er viele Tage seiner Kindheit verbracht hat. „Damals war ich hier im Schwimmverein, heute wollte ich die Chance nochmal nutzen, hier zu schwimmen und zu tauchen“, sagte Weber.

Ein letzter Sprung vom Dreimeterbrett, eine letzte Bahn im Schwimmerbecken, noch einmal die Rutsche im Kinderbecken benutzen: Um 15 Uhr gingen die letzten Besucher der 64-jährigen Hallenbad-Geschichte aus dem Wasser. Nun steht für das Team um Betriebsleiter Thomas Beckmann das Ausräumen auf dem Programm. Vier große Seecontainer stehen zur Zwischenlagerung der Schwimmutensilien bereit, einige Dinge werden aber auch auf die anderen Düsseldorfer Schwimmbäder aufgeteilt.

Um die Historie im neuen Kombibad, das im Jahr 2022 eröffnet werden soll, zu würdigen, werden einige Kunstwerke aufbewahrt und später neu verbaut. „Dazu zählen vor allem die Delfinskulptur aus dem Bad und die beiden Mosaikbilder vom Eingang“, erklärte Thomas Beckmann.

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