Düsseldorf Bauprojekt: Stadt plant 570 Wohnungen in der Paulsmühle

Bau-Projekt in Düsseldorf-Benrath : Stadt plant 570 Wohnungen in der Paulsmühle

Geplant waren mal 320 Einheiten. Unter anderem soll es Gebäude mit sieben Geschossen geben. Eine Initiative und Politiker sind sauer.

Die Emotionen kochen hoch in der Paulsmühle. Hintergrund ist die geplante Wohnbebauung am Dürer-Kolleg. In dem Bebauungsplanentwurf, der ab Montag in den verschiedenen Gremien diskutiert werden wird, ist nun plötzlich von 570 Wohnungen die Rede: 250 mehr als bislang kommuniziert.

Dafür hat die Bauverwaltung kurzerhand die Etagen aufgestockt: Entlang der Paulsmühlenstraße auf fünf Geschosse, zudem sind an mindestens zwei markanten Punkten siebengeschossige Häuser geplant. Ihre Höhe wird in dem Entwurf mit 23,40 Meter angegeben. Wörtlich heißt es in der Vorlage: "Zur städtebaulichen Betonung des innerhalb der Wohnbauflächen liegenden Ortsplatzes sind an der südöstlichen und der nordwestlichen Platzecke Gebäude mit bis zu sieben Vollgeschossen zulässig".

In der Sitzung am 27. Juni soll der Stadtplanungsausschuss beraten und beschließen. Der Rat der Stadt hat anschließend das letzte Wort. Am Freitag, 22. Juni, ist die Vorlage Thema in der Bezirksvertretung 9. Dieses Gremium hat allerdings nur Anhörungsrecht.

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Noch in der Versammlung der Bürgerinitiative "Lebenswerte Paulsmühle" am Ende Mai hatten die Stadtteilpolitiker beteuert, dass ihres Wissens neben dem Dürer-Kolleg nicht mehr als besagte 320 Wohnungen geplant seien. Zusammen mit den 364 Wohneinheiten, die derzeit auf der ehemaligen BEA-Brache an der Telleringstraße entstehen, wäre diese Summe an neuen Bewohnern den jetzt schon dort lebenden Menschen mehr als genug.

Aber nun noch 250 Wohnungen mehr?

Dirk Angerhausen, Sprecher der CDU-Fraktion in der BV 9: "Wir sind wie die Bürgerinitiative durch die Verwaltung von der Zahl von 570 Wohnungen überrascht worden. Das werden wir so nicht mittragen." "Zusätzliche 250 Wohneinheiten verträgt die Paulsmühle in keiner Weise. Wir befürchten eine Überlastung der Anwohnerstraßen der Paulsmühle. Auch sorgen wir uns um die städtebauliche Qualität des geplanten Quartiers", sagt Udo Skalnik, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Benrath-Urdenbach und zugleich als stellvertretender Bezirksbürgermeister Mitglied der BV 9. An diesem Punkt sind sich also alle BV-Fraktionen einig. Doch Einigkeit im Düsseldorfer Süden reicht nicht aus. Skalnik: "Ich habe das Thema mit unserem Fraktionsvorsitzenden Markus Raub besprochen, der diese Planung ebenfalls sehr kritisch sieht."

Die CDU hat für den am Montag tagenden Wohnungsausschuss einen Ergänzungsantrag zu der Vorlage gestellt. Mit diesem sollen die Mitglieder des Planungsausschusses aufgefordert werden, dem Bebauungsplanentwurf nur unter der Maßnabe zuzustimmen, dass die Zahl der Wohnungen wieder auf 320 reduziert wird.

Anwohner in der Umgebung besorgt

Schon jetzt blicken die Paulsmühler mit Sorge auf die Eröffnung des Albrecht-Dürer-Berufkollegs nach den Sommerferien: Wie wird sich mit den rund 900 dort täglich lernenden Schülern und ihren rund 120 Lehrern der Verkehr im Viertel entwickeln? Wie viele kommen mit dem eigenen Auto und wo sollen die alle geparkt werden? Sind die 248 Stellplätze im schuleigenen Parkhaus ausreichend? Fragen über Fragen. Antworten blieb die Verwaltung bislang schuldig, sagen die Mitglieder der Initiative. Und nun also noch 250 Wohnungen mehr.

Dabei, wer regelmäßig auf der Internetseite der Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz vorbeischaut, hätte schon seit längerem auf die Zahl von 570 Wohnungen stoßen können. Die Stadttochter hat sozusagen für ihre Mutter zunächst das Areal von ThyssenKrupp erworben, die Altlasten beseitigt und dort nun auf einem Teilgrund die Schule gebaut. Als Gegenfinanzierung, so war bei diesem Geschäft schon von Anfang an klar, sollen auf dem benachbarten Areal Wohnungen entstehen. Auf Anfrage unserer Redaktion heißt es bei der IDR, dass besagte 570 Wohnungen auf das Gebiet passten. Die Umsetzung hänge aber auch von Faktoren wie Verkehr und Verträglichkeit der Planung ab.

Fassungslosigkeit herrscht bei Initiative: "Die Verdichtung im Viertel überschreitet jede Grenze der Vernunft. Wir sind enttäuscht und wütend, und wir hoffen, dass unsere Bedürfnisse und Interessen und die Anträge sowie die Empörung unserer gewählten Bezirksvertreter gehört werden."

(rö)
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