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Düsseldorf: 120 Impfdosen bei offener Aktion in Benrath verteilt

Corona in Düsseldorf : 120 Impfdosen bei offener Aktion in Benrath verteilt

Am Samstag wurden in der Benrather „Tüte“ 120 Impfdosen verteilt. Knapp die Hälfte war für Kunden der Essensausgabe reserviert, doch das Angebot kam gut an: Auch aus anderen Stadtteilen kamen Menschen, um sich impfen zu lassen.

(tino) Plötzlich hatte es Angelo Melli eilig. „Meine Freundin hatte mir einen Screenshot geschickt, in dem die Impfaktion in Benrath angekündigt wurde.“ Er wollte sich unbedingt gegen das Coronavirus impfen lassen, wusste aber nicht, wie er aus der Altstadt schnell in den Düsseldorfer Süden kommt, um noch eine Dosis abzubekommen. „Ich hatte Druck, meine Freundin hatte etwas von nur noch sechs Dosen geschrieben“, sagt der 33-Jährige schmunzelnd. „Also habe ich überlegt, ein Taxi zu nehmen oder die Rheinbahn zu nutzen, mich dann aber für einen Roller entschieden.“ So joggte er trotz der brütenden Hitze los, fand einen „Eddy“, so heißen die Leih-E-Roller der Stadtwerke, und brauste los. „Einmal bin ich bei dunkelgelb über eine Ampel gefahren“, gestand Melli. „Und ich hatte Sorgen, dass der Eddy außerhalb seines Verleihgebietes ist und einfach ausgeht.“

Doch alles ging gut, Melli bekam seine Dosis Johnson & Johnson, dazu einen neuen Impfpass und ein gutes Gewissen. „Ich freue mich riesig, dass ich in 14 Tagen für niemanden mehr ein Risiko bin. Besonders natürlich, dass ich meine Familie und Freunde wieder entspannter treffen kann.“

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In der Benrather Tüte fand am Samstag eine große Impfaktion statt. 120 Dosen standen zur Verfügung, 50 davon waren für die Kunden der „Tüte“ reserviert. „Wir hatten vor Kurzem eine Familie mit fünf Kindern, die alle Corona hatten. Der Mann musste sogar ins Krankenhaus“, sagt Initiatorin Hanne Watty. „Da habe ich mir gedacht, wir müssen etwas für diese Menschen tun.“ Also sprach sie ihren Nachbarn, den Arzt Christoph Sartorius, an. „Bei so einer Frage kann ich doch nicht nein sagen“, sagt Sartorius. „Und es macht ja auch noch Spaß.“ Also holte Sartorius auch seinen Arztkollegen Robert Salentin aus der Praxis am Benrather Schloss ins Boot und legte los.

Knapp die Hälfte der Impfdosen waren für die „Tüte“-Kundschaft reserviert. Damit sich das auch herumsprach, hatte das Team an den Essensausgabetagen geworben und auch Sozialarbeiterin Leoni Sieben-Prinz machte ihre Kundschaft auf das Impfangebot aufmerksam. Aber nicht alle, die auf die Hilfe der Benrather Tüte angewiesen sind, wollten sich impfen lassen. „Mir hat eine Frau gesagt, sie warte auf die Zulassung des russischen Impfstoffs ‚Sputnik 5‘“, sagt Hanne Watty. „Manche gehen sehr zurückhaltend mit dem Impfangebot um. Aber die allermeisten haben sich gefreut, eine Dosis abzubekommen.“

Insgesamt sei das Angebot gut angenommen worden, sagt Robert Salentin. „Es gab zwar keine langen Schlangen wie bei der Impfaktion im Benrather Ruderclub vor ein paar Wochen, aber wir sind alle Impfdosen los geworden“, so Salentin. Der Arzt wohnte auch schon einmal auf derselben Straße wie heute Sartorius und Watty. Schön, dass Nachbarschaftshilfe auch vielen anderen hilft.