Drei Beispiele von Menschen, die Weihnachten fernab der Heimat sind.

Feiertage : Weihnachten in der Ferne

Weihnachtszeit ist für viele Menschen Familienzeit. Ein Besuch in der Heimat gehört häufig dazu. Manchmal trennen einen tausende Kilometer von den Daheimgebliebenen. Wir stellen drei Beispiele vor.

Als Au-Pair in Neuseeland

Luisa Dannenberg ist als Au-Pair in Neuseeland unterwegs und feiert wenig winterlich. Foto: Dannenberg/privat

Luisa Dannenberg (18) aus Wersten verbringt Weihnachten am Strand und mit künstlichem Tannenbaum. „Da die Eltern meist von sieben bis 18 Uhr aus dem Haus sind, passe ich zu dieser Zeit auf die Kinder auf und bekomme dafür ein kleines Gehalt, Unterkunft und Versorgung. Meine Jungs sind vier und sechs Jahre alt, der Große geht schon zur Schule. Ich komme hier kaum in Weihnachtsstimmung. Es ist ganz anders als in Deutschland, nämlich warm und hell. Ich gehe oft mit den beiden Kindern zum Strand, was ich sonst immer nur im Sommerurlaub mache. Es gibt hier Kleinigkeiten wie eine kleine Weihnachtsparade, künstliche Tannenbäume oder Kekse, aber für mich fühlt es sich einfach nicht an wie Weihnachten. Vielleicht auch, weil ich nicht mit meiner Familie zusammen bin. Es gibt zum Beispiel keine Weihnachtsmärkte, keinen Schnee, kein Schlittschuhlaufen und keine Schneeballschlachten. Neuseeländer kennen auch keinen Nikolaus. Zudem wird Weihnachten hier immer am 25. Dezember morgens gefeiert. Da ich zu Weihnachten mit einer Freundin aus Deutschland unterwegs bin, werden wir vermutlich am 24. Dezember einen gemeinsamen Weihnachtsabend verbringen, anstatt am 25. Dezember morgens zu feiern. Naja, und auf Weihnachtsplätzchen kann ich auch nicht verzichten, obwohl man die hier nicht häufig macht. Einfach mal einen warmen Kakao oder Kaffee mit ein paar Plätzchen dazu, das ist hier nicht sehr verbreitet. Die Tannenbäume sind hier künstlich, manchmal in Weiß oder Pink, und drangehangen wird wird wirklich jeder Krimskrams. Adventskalender kennen sie hier auch, allerdings nur die Schokoladenvariante. Ich werde nächstes Jahr Ende April zurückreisen und plane dann ein Psychologiestudium ab dem darauffolgenden Wintersemester.“

Atlantiküberquerung im Klassenzimmer unter Segeln

Jens Künstler (16), Schüler am Freien Christlichen Gymnasium und Kai Regener (32), Lehrer für die Geographie und Deutsch, sind Teilnehmer am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“. „Wir leben seit Anfang Oktober auf der ,Thor Heyerdahl’, einem Dreimast-Toppsegelschoner, auf dem 34 Schülerinnen und Schüler mit 16 Erwachsenen von Kiel über den Atlantik in die Karibik, nach Panama und Kuba und zurück nach Kiel segeln. Am 20. April 2019 laufen wir wieder in Kiel ein. Weihnachten werden wir – wenn der Wind passt – in Panama vor Anker verbringen. Dort liegen die San-Blas-Inseln, eine Gruppe von über 350 kleinen Palmeninseln, auf der die Kuna-Indianer leben. In Panama findet ein zweieinhalbwöchiger Landaufenthalt statt. Er führt über einige Tage in den Regenwald, dann nach Panama-Stadt. Von einem Spanisch-Sprachkurs im Norden Panamas geht es weiter zu den indigenen Bevölkerungsgruppen, den Nasos. Mitte Januar geht es dann weiter nach Kuba. Bei 30 Grad kommt schwerlich Weihnachtsstimmung auf. An Bord gibt es aber deutsche Adventstraditionen: Alle Schülerinnen und Schüler haben eigene Adventskalender. Plätzchen, Lebkuchen und Bratäpfel wurden an Bord zubereitet. Ebenso gibt es an den Adventssonntagen Treffen mit Gesang und adventlich-spirituellen Impulsen. Wir werden Weihnachten mit einigen kulturellen Beiträgen und mit gutem Essen feiern, das darf nicht fehlen. Die gesamte Crew wird zusammen Weihnachten feiern. Alle Schülerinnen und Schüler sowie die gesamten Erwachsenen feiern zusammen auf dem Schiff. Dort ist ein Plastiktannenbaum verladen. Ein wenig Deko gibt es auch. Wir wichteln uns gegenseitig selbst gemachte Weihnachtsgeschenke. Ansonsten: Palmen, türkisblaues Wasser, Sandstrand. Das ist kein adäquater Ersatz, aber auch sehr schön.“

Familie Maubach auf Weltreise

Familie Maubach aus Wersten ist auf Weltreise und feiert Weihnachten in Flip-Flops. Foto: Maubach/privat

Von Wersten aus starteten Martin (37), Susanne (32), Marlene (4) und Rosalie (2) Ende Mai ihre Weltreise. Zuerst fuhren die Maubachs im Wohnmobil durch Europa. Seit November sind sie als Backpacker unterwegs. Zuerst in Schweden, jetzt in Südostasien. „Wir sind gerade in Pai im Norden Thailands angekommen. Vorher waren wir in Chiang Mai und davor in Bangkok. Wir verbringen hier einen Monat, besuchen Freunde und feiern mit ihnen Weihnachten und Silvester. Wir kennen Weihnachten nur in Deutschland bei kalten Temperaturen, Weihnachtsmarkt und Tannenbaum. Hier haben wir tagsüber 28 Grad. Da kommt Weihnachtsstimmung noch nicht so recht auf auch wenn teilweise weihnachtlich geschmückt wird. Aber Heiligabend findet hier ein großes Fest mit gutem Essen und Musik statt. Das lassen wir uns nicht entgehen. Der größte Unterschied sind die Temperaturen. Weihnachten ist nun mal in der kalten Jahreszeit. Wir tragen aber kurze Hosen und Flip-Flops. Das passt in unseren Köpfen einfach nicht zusammen. Auch Plätzchen, Lebkuchen und Glühwein sucht man hier vergebens. Wir werden Geschenke austauschen, Weihnachtslieder hören, selbst Musik machen und auch ein wenig schmücken. Gerade die Kinder freuen sich darauf. Wir feiern mit einer anderen Familie, die wir über Instagram kennengelernt haben. Sie sind auch reisend und seit einiger Zeit in Pai. Den Adventskalender haben wir übrigens dabei. Für den Tannenbaum haben wir noch keinen Ersatz. Da werden wir wohl spontan improvisieren. Ein paar Glitzergirlanden haben wir auf jeden Fall im Gepäck. Damit lässt sich sicher etwas zaubern. Ein Ende unserer Reise ist nicht in Sicht. Wir sind bis Mitte März in Thailand, dann machen wir einen Abstecher nach Malaysia und danach wissen wir es noch nicht. Vielleicht Bali oder Singapur. Oder es verschlägt uns auf einen ganz anderen Kontinent. Mal sehen. Wir können zum Glück auch im kommenden Jahr alles spontan entscheiden.“

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