Benrath : Diskussion um Fahrradstraße in Benrath

Es gab viele Leser-Reaktionen – positive wie negative – zu dem Vorschlag der Grünen, eine Fahrradstraße am Rheinufer einzurichten.

Auf unseren Aufruf Stellung zu beziehen zu dem Vorschlag von Grünen-Mitglied Richard F. Wagner, am Benrather Schlossufer zwischen Pigageallee und Am Alten Rhein eine Fahrradstraße einzurichten, gab es viel Resonanz. Udo Skalnik, stellvertretender Bezirksbürgermeister für den Stadtbezirk 9, der für die SPD in der Bezirkvertretung 9 sitzt, kann sich vorstellen, den Antrag der Grünen auf Einrichtung einer Fahrradstraße am Benrather Schlossufer von der Verwaltung prüfen zu lassen. Mit seinem Antrag will Grünen-Mitglied Richard F. Wagner checken lassen, ob die Straße anschließend frei befahrbar bleibt oder ein Anlieger-frei-Kennzeichen erhält. Aus Skalniks Sicht wäre zu klären: „ob auf einer Landesstraße eine Fahrradstraße überhaupt möglich ist.“ Allerdings kann sich Skalnik nicht vorstellen, eine Umwandlung ohne Beteiligung der betroffenen Bürger umzusetzen.

Hier ein Überblick der Meinungen:

Richard Beesch „Die Grünen wollen hier Probleme kreieren, wo keine sind. Das ist eine einseitige Denkweise, denn die einzige Ausweichstrecke wäre die Urdenbacher Dorfstraße . Und hier wird leider nichts getan, beziehungsweise kontrolliert. Weder die vorgeschriebene Geschwindigkeit (30er Zone) noch das ständige Falschparken. Warum sollte die Urdenbacher Dorfstraße also nicht eine Radstraße werden?“

Gerd Heeck „Ich fahre die Strecke jeden Tag mit meinem Rennrad. Der Radweg ist zu schmal. An die 30er-Zone hält sich kein Autofahrer und daher ist es eine prima Idee, eine Radstraße einzurichten.“

Michaela Klein „Meiner Meinung nach reicht der Fahrradweg am Rheinufer in Benrath völlig aus, er ist ja von den Fußgängern getrennt. Dass 2012 die Pflicht aufgehoben wurde, dass Fahrradfahrer wählen können, ob sie Straße oder Fahrradweg benutzen möchten, finde ich nicht sinnvoll. Der Fahrradweg sollte besser gekennzeichnet werden. Richtung Monheim wird der Bürgersteig von Fußgängern und Fahrradfahrern gemeinsam genutzt. Ich selbst fahre Fahrrad und Auto.“

Roswitha Brase „Wieder mal die Grünen! Wir brauchen keine Radstraße! Die jetzige Ausrichtung ist völlig okay! Tempo 30 für die Autos, ein separater Radweg, ein separater Fußweg! Wo ist das Problem?“

Georg Nußbaum „Es ist erstaunlich, wie sowohl in der großen (Brexit) als auch in der kleinen Politik (BV 9) die Eitelkeit der handelnden Politiker Vorrang haben vor den Interessen der Bürger. Bevor man sich Gedanken über eine Fahrradstraße macht, sollte man sich eher Gedanken darüber machen, wie man die Fahrradfahrer, die disziplinlos über die Straßen brettern, dazu bringt, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten. So hält zum Beispiel am Zebrastreifen an der Rheinterrasse der Autoverkehr zu über 90 Prozent die Regeln ein, Radfahrer dagegen berücksichtigen fast nie die Vorrangstellung der Fußgänger. Beobachten kann man mittlerweile auch, dass einige Radfahrer sich strafwürdig verhalten, indem sie durch ihr Fahrverhalten (Nebeneinanderfahren – bewusst bummeln) den Tatbestand der Nötigung erfüllen. Gerade in Urdenbach haben wir die Möglichkeit, diesen Tatbestand auf der Straße am Ausleger (Anm.d.Red. eine Fahrradstraße) zu beobachten. Den Grünen sei noch geraten, den Autoverkehr ganz abzuschaffen, ich werde dann mit Pferd und Wagen wie zu Großelternzeiten fahren; die Pferdeäpfel werde ich dann wie damals auf der Straße liegen lassen.“

Christiane Richard-Elsner „Ich fahre regelmäßig mit dem Rad am Benrather Schlossufer entlang und benutze die Straße, weil der alte Radweg zu eng und durch Baumwurzeln zu buckelig ist. Vielen Menschen ist jedoch unklar, wo Radfahrer fahren dürfen oder müssen, auf dem alten Radweg oder auf der Straße. Es gibt keine eindeutige Beschilderung. Ich gehe davon aus, dass sowohl Fahrbahn als auch der alte Radweg benutzt werden können. So weist das Zeichen für überörtliche Radrouten nach wie vor auf den alten Radweg hin. Das ist eine gute Lösung, denn viele Radfahrer wollen langsam auf dem alten Radweg fahren, um den Rheinausblick genießen zu können. Allerdings sind Spazierweg und alter Radweg nicht durchgehend getrennt. Wenn sich herumsprechen sollte, dass der alte Radweg kein Radweg mehr sein soll, dann wird er sehr schnell zum Wildparken genutzt werden, was ich unakzeptabel fände.

Auf der Straße zu fahren, kann jedoch extrem gefährlich sein. Denn es gibt immer noch Autofahrer, die meinen, sie müssten Radfahrer fälschlicherweise dahingehend belehren, dass diese den Radweg benutzen müssen und dann extrem dicht und mit bösen Kommentaren vorbeifahren. Gefährlich ist es in den Stoßzeiten, wenn Autofahrer hinter mir zu ungeduldig sind, um eine Lücke im Gegenverkehr abzuwarten um zu überholen. Dann fahren viele Autofahrer viel zu dicht an mir vorbei. Eine Fahrradstraße würde für mehr Sicherheit sorgen, wenn Autofahrer die entsprechende Regelung auch kennen würden. Ob das die beste Lösung ist, kann ich nicht beurteilen. Mehr und eindeutigere Hinweise auf Radfahrer wären auf jeden Fall angebracht.“

Helmut Menzel „Ich würde eine Fahrradstraße an der Pigageallee sehr begrüßen. Der Fahrradverkehr ist sehr unübersichtlich. Manche Radfahrer fahren am Rheinufer auf dem Radweg. Hier besteht die Gefahr, dass Radfahrer auf diesem schmalen Radweg entgegenkommen, weil es in Gegenrichtung keinen gibt. Viele Radfahrer wissen nicht, dass auch die Straße genutzt werden kann. Manche fahren auch auf dem Fußgängerweg direkt am Rhein. Insgesamt eine unschöne Situation, die durch eine Fahrradstraße gut gelöst werden könnte.“

Gerd Lösche „Ich bin absolut gegen die Fahrradstraße Pigageallee und Am Altem Rhein.“


Andreas Vogt „Warum wird nicht einfach mal der alte Radweg neu geteert? Das ist eine Buckelpiste. Daher fahre ich lieber mit dem Rad auf der Straße. Der Verkehr dort stört mich nicht, da dort eh Tempo 30 ist. Also wo ist das Problem? Radweg neu sanieren, Verkehr fährt dort weiter und alles ist gut.“

Martina Schmecht „Ich sehe keinen Bedarf für die Fahrradstraße. Man kann dort sehr gut Rad fahren. Noch mehr Verkehrsumleitung halte ich für schlecht.“

Bernd Lichtenhagen „Ich fände es eine Unverschämtheit, dort eine Fahrradstraße einzurichten, damit die Einkommensmillionäre, die dort leben, ihre Ruhe haben. Der gesamte Pendelverkehr aus Leverkusen-Hitdorf, Monheim und Baumberg hätte dann Probleme.“

Michael Hollstein „Man sieht ja auf der Bismarckstraße, die ebenfalls Fahrradstraße ist, dass es kaum Probleme gibt. Da gibt es für alle Verkehrsteilnehmer kaum Einschränkungen. Ich fahre mit meinem Rad am Schlossufer schon auf der Straße und habe dann ständig Probleme mit den Autofahrern, die meinen, mich belehren zu müssen, dass ich auf dem Radweg fahren soll.“

Manfred Berner „Wer denkt dabei an den Urdenbacher Ortskern? Wenn das Schlossufer zur Fahrradstraße wird, dann fahren alle über die Urdenbacher Dorfstraße. Und da ist es heute schon eng. Die, die sich zudem oft nicht an die Geschwindigkeit halten,  sind die Radfahrer.“

Birgit Fischer „Ich bin strikt gegen die Einrichtung einer Fahrradstraße. Schon die Temporeduzierung von 50 auf Tempo 30 war für uns ein Ärgernis, auch wenn unsere Familie selber viel Fahrrad fährt. Mein Problem ist, dass mir selbst Polizisten nicht haben sagen können, ob ich am Schlossufer mit dem Rad auf dem Fahrradweg fahren darf oder auf der Straße fahren muss. Meine Tochter hat gerade den Führerschein gemacht und sie hält sich wie wir mit dem Auto an die Tempovorgabe. Wie oft ist es uns schon passiert, dass wir dann von schnelleren Fahrzeugen überholt wurden.“


Uwe Diezmann „Ich habe die Sorge, dass das dann auch noch eine Rennstrecke für Radfahrer wird. Schon im Schlosspark, in dem ich mit meinem Hund oft spazieren gehe, gibt es dieses Problem. Ich bin auf einen Elektroscooter angewiesen und kann deshalb auch niemandem mal eben ausweichen.“

Bernd Beuer „Fahrradstraße, ein schlechter Witz? Diese Straße erfüllt eine wichtige Zubringerfunktion in den Süden von Düsseldorf. Und sie entlastet den Ortskern von Urdenbach sowie auch den Verkehrsfluss auf der Frankfurter Straße. Bereits die Einführung einer durchgängigen Tempo-30-Zone war hier nicht gerechtfertigt. Hier gibt es keine Schule oder Krankenhaus. Tempo 30 im Bereich des Fußgängerübergangs und am Alten Rhein wären vollkommen ausreichend gewesen. Gut wāre die Aufwertung des bestehenden Radweges, dann würde dieser vielleicht in Zukunft auch wieder besser angenommen. Sollte hier eine Fahrradstraße entstehen wäre auch die Planung des neuen Radschnellweges entlang der B8 zu hinterfragen.“


Markus Weis-von der Linde „Als Anwohner des Wohngebietes, das an das Rheinufer angrenzt, bin ich seit Jahren von der Verkehrssituation betroffen. Ja, die aktuelle Situation ist unbefriedigend. Ja, die Radfahrer und die Spaziergänger kommen sich ins Gehege. Ja, die Radfahrer und die Autofahrer behindern sich, der Verkehrsfluss wird gestört. Doch anstatt den Fehler mit der Tempo-30-Regelung zu korrigieren, soll jetzt noch einer draufgesetzt werden. Eine Radstraße in diesem Bereich braucht kein Mensch. Besser wäre es, den ehemaligen Radweg und den Gehweg zu sanieren. Beide hätten es nötig. Davon haben dann alle etwas. Mein Vorschlag wäre, zurück zur Regelung, wie sie früher war: Fußgänger auf den Gehweg, Radfahrer auf den Radweg und Autofahrer auf die Straße. Das hat gut funktioniert.“

Hans-Joachim Krüger „Vom Grundsatz her ist das eine gute Idee. Im Zuge der Umstellung muss die Straße Im Diepental als Einbahnstraße aufgehoben werden. An der Einmündung Im Diepental/Pigageallee muss eine Ampel installiert werden. Die Autofahrer der Straßen Im Diepental/Leitenstorfer Str. und Am Wasserturm müssen in die Lage versetzt werden, ihre Wohnbereiche mit dem Auto über das Diepental und den Wasserturm verlassen zu können. Alle Anwohner erhalten Sonderrechte, ebenso die Besucher der Rheinterrassen und des Fischerhauses. Eine Befragung der Anwohner wäre sinnvoll.“

Renate Brozio-Adams und Wolfgang Adams „Wir sind Senioren und fahren dort sehr oft mit dem Fahrrad. Wenn wir auf der Fahrbahn fahren, dann fährt bei uns die Angst mit. Die Autos fahren immer eng an uns vorbei.“

Heidrun Hoppe (Seniorenrätin) „Prima, so  lautet meine Einschätzung. Das Benrather Schlossufer ist eine Flaniermeile für Jung und Alt, hier laden Bänke zum Verweilen ein, gerade an Wochenenden und im Sommer kann das Rheinufer zur Oase werden. Und wenn wir unseren Nachkommen die Welt einigermaßen intakt hinterlassen wollen, dann müssen wir das Auto ab und zu stehen lassen bzw. daran mitwirken, dass Ältere, Erholungssuchende, Kinder und Behinderte auch zu ihrem Recht kommen.“

Christof Wylezol „Ich lebe hier in Urdenbach und habe in den vergangenen drei Tagen viele Gespräche zu dem Thema geführt. Wie viele andere hier will ich keine Fahrradstraße. Schon die Einführung von Tempo 30 war damals nicht okay. Man sollte halt den Radweg reparieren.“

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