1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Benrath

Düsseldorf: Die Stadt wird zum Gemüsegarten

Düsseldorf : Die Stadt wird zum Gemüsegarten

Der "Elisabethsgarten" in Schloss Benrath ist die Keimzelle eines urbanen Projektes: Schon jetzt gedeihen 50 alte Gemüsesorten in 120 Pflanzkisten. Wer Lust und Zeit hat, kann mitgärtnern und darf auch ernten.

New York macht es, Berlin längst auch: Viele Metropolen holen das Gemüse wieder in die Stadt, lassen Porree und Rettich dort wachsen, wo die Menschen leben: mitten in den Stadtteilen, auf Schulhöfen, Brachflächen, Flachdächern. In Düsseldorf blüht seit April der "Elisabethsgarten" im Innenhof des Naturkundemuseums Schloss Benrath, Ableger gedeihen an drei weiteren Orten in der Stadt. Dort reifen 50 alte Gemüsesorten in Kisten, und jeder, der Lust und Zeit hat, kann mitgärtnern - und ernten. Ein Zukunftsmodell, das auf starkes Wachstum angelegt ist.

Die Stangenbohnen sind schon kräftig in die Höhe geschossen, die Radieschen blühen, die Kohlrabi sehen wie Kohlrabi aus - nur in Miniformat. Der Innenhof des Westflügels von Schloss Benrath hat sich in den letzten Monaten in einen Gemüsegarten verwandelt. In großen Lärchenholzkisten (die sollen 30 Jahre im Freien halten), angefüllt mit Gartenerde, Kompost und Grünschnitt, gedeihen alte rheinische Kohl-, Möhren- und Bohnensorten: Rheinprinzessin und Bonner Advent, weiße Küttinger und rote Riesen. Schulklassen erfahren bei ihren Besuchen, dass Möhren nicht orange sein müssen, sondern auch gelbe oder lila Verwandte haben. Und dass sie fast vier Monate brauchen bis zur Ernte, ein Radieschen dagegen nur vier Wochen.

Besonderer Nährstoff dieser Idee war die "Quadriennale", die sich "mit Zukunftsprojekten über das Heute hinaus beschäftigt", erläutert Stefan Schweizer, wissenschaftlicher Vorstand des Naturkundemuseums. Nach neuesten Prognosen sollen im Jahr 2050 mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, "also gewinnt die Stadt der Zukunft als Ort dezentraler und gemeinsamer Lebensmittelproduktion an Bedeutung".

Diese Theorie hat im Düsseldorfer Alltag bereits Wurzeln geschlagen: Seit April wurden knapp 120 Kisten mit Gemüse bepflanzt, das nun nicht nur im Benrather Museumsinnenhof heran wächst, sondern auch auf der Rheinuferpromenade direkt vor dem "KiT" - Kunst im Tunnel, auf einer städtischen Brachfläche in Oberbilk, die von der Initiative "Düsselgrün" betreut wird und im Zentralschulgarten Räuscherweg. An diesen vier Orten (der Schulgarten ist für Klassen reserviert) sind Menschen zum Mit-Gärtnern willkommen. Und zum gemeinsamen Aussäen, Jäten, Fehler machen, Neues ausprobieren, Erfolge feiern. Die Pflanzkisten bieten viele Vorteile: Sie können ohne großen Aufwand überall hin transportiert werden, ihre Höhe von knapp einem Meter ermöglicht rückenfreundliches Arbeiten, für Schnecken dürften sie dagegen unerreichbar sein.

Im nächsten Jahr soll der Elisabethsgarten weitere Ableger bekommen. "Wir können uns alle möglichen Standorte vorstellen, meint Victoria Oberkoch, Kulturwissenschaftlerin des Museums und leidenschaftliche Hobbygärtnerin. Schulklassen, Kitagruppen oder Nachbarschafts-Initiativen bekommen dann in Benrath eigene Kisten mit Komplettpaketen zum Kauf angeboten, einschließlich Saatgut, Erdreich und vielen Tipps.

Wer in bestehenden Gärten seinen grünen Daumen einsetzt, kann als Gegenleistung Gemüse ernten. Besondere Geschmackserlebnisse dürften garantiert sein, wie beim rotgerippten Stangensellerie, der in keinem Supermarkt in der Gemüseabteilung liegt. Geschichten zu den Pflanzen werden ebenfalls mitgeliefert: Im antiken Griechenland wurden aus Sellerieblättern die Siegerkränze gewunden.

(RP)