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Benrath: Die Dampfmaschine fasziniert nicht nur Tim

Benrath : Die Dampfmaschine fasziniert nicht nur Tim

"Wie geht das?", lautet der Titel einer Veranstaltungsreihe in der Benrather Bücherei. Senioren präsentieren dabei fast Vergessenes und demonstrieren, wie diese Dinge funktionieren.

Tim staunt nicht schlecht. Mit großen Augen blickt er auf das Modell einer echten Dampfmaschine - allein vom Ansehen eine echte Zierde. Sie "befeuert" ein Bilder-Kino und das Rad eines filigranen Scherenschleifers. "Mama, da ist ein Karnevalsfeuerwerk", ruft der Vierjährige begeistert. Der Schleifstein, auf dem die Millimeter-Schere liegt, sprüht Millimeter-Funken. "Wie geht das?" lautet das Motto an diesem Nachmittag in den Räumen der Benrather Stadtbücherei. Es ist die Auftaktveranstaltung zu einer neuen Reihe in der Orangerie.

Ein Jahr lang sammelten Senioren und Besucher des Benrather Zentrum plus Ideen rund um ihre Erfahrungsschätze. Diese Generation musste nach dem Zweiten Weltkrieg für manche Alltagsbewältigung erfinderisch sein. Viele Fähigkeiten sind verlorengegangen, Kindern und jungen Leuten nicht mehr bekannt und werden nicht angewandt.

"Die Handarbeit wird nicht mehr gepflegt, es gibt heute eine ganz andere Art zu lernen", erklärt dazu Mit-Initiatorin und Künstlerin Anne Mommertz. Dabei sei das Praktische und das Selber-Machen-Können eine wichtige Erfahrung, die stolz und selbstbewusst mache. Die Nachkriegsgeneration sei dazu prädestiniert.

Zunächst sei mit der Ideen-Sammlung eine Ausstellung ins Auge gefasst worden. "Aber dann dachten wir, wir müssen raus damit - zu den Menschen", erklärt Mommertz. Bei Christel Mewes, Leiterin der Benrather Bücherei, fand Mommertz "offene Arme" für dieses interessante Projekt.

"Du kannst hier reinsehen, und dann siehst Du das Feuer", erklärt Thomas Brunner seinem kleinen Zuschauer. Tim kann sich gar nicht losreißen. Jetzt fasziniert ihn ein anderes Element. Es ist ein Kreisel, in dessen Innenraum Bilder angebracht sind und die sich rasant im Kreis drehen. Für den Betrachter entsteht durch die Geschwindigkeit ein einfacher Film. Malstifte und Papier sind gefragt. Tim möchte nämlich ausprobieren, ob das auch mit selbst gemalten Bildern funktioniert. Dabei schaut er immer wieder hingerissen all auf die ratternden Elemente und den Dampf. "Ich finde das ganz toll, so etwas sieht man doch im Alltag gar nicht mehr", sagt Tims Mutter Cornelia Müller lachend und ebenfalls fasziniert.

Thomas Brunner hat die schmucke Dampfmaschine mitgebracht; er bekam sie einst auf ausdrücklichen Wunsch geschenkt. Sie hat dem pensionierten Lehrer gute Dienste geleistet "Ich habe sie meinen Schülern immer zum Thema Industrialisierung vorgeführt", erzählt er und facht für Tim geduldig eine Runde Dampf an.

Nach der Premiere geht es ab dem 21. Juni mit sechs aufeinander folgenden Terminen weiter. Erfahrene Senioren laden wöchentlich donnerstags von 15 bis 18 Uhr unter dem Titel "Wie geht das?" zu einem speziellen Thementag ein. "Wir wollen zum Beispiel mal einen Wecker auseinandernehmen oder etwas reparieren", nennt Anne Mommertz Beispiele. Ob Löten, Knöpfe annähen, ohne Strom ein Loch bohren - es gibt zahlreiche Fähigkeiten, die im Alltag sinnvoll sein können. "Wer weiß schon noch, was eine Strickliesel ist?", meint Mommertz.

(bgw)