Benrath : Der Bademüller geht

41 Jahre lang war Udo Franken (59) als Schwimmmeister im Benrather Schwimmbad tätig. In dieser Zeit hat er Tausenden Kindern das Schwimmen beigebracht. Nun verabschiedet sich der 59-Jährige vom Dienst.

Für Udo Franken ist es ein gemütlicher vorletzter Morgen. Es ist nicht viel los, nur ein paar Frühschwimmer ziehen ihre Bahnen im Becken des Benrather Freibads. Im gelben Polo-Shirt und blauer Badehose steht Franken im Aufsichts-Häuschen neben den Sanitäranlagen und spricht sich über das Festnetz-Gerät mit einem Kollegen ab.

Immer wieder huscht sein Blick über das Schwimmerbecken. Das ist wohl Macht der Gewohnheit, denn als leitender Schwimmmeister hat Udo Franken immer den Überblick über seine Badegäste. Oder besser gesagt: Er hatte. Denn wenn das Freibad heute Abend für die nächsten zwei Jahre wegen Um- und Neubau schließt (Schließung des Hallenbades aber erst am 29. Februar), wird auch bei Udo Franken nach über 40 Jahren Berufstätigkeit als Bademeister Ruhe im Alltag einkehren.

Angefangen hat Franken ziemlich genau vor 44 Jahren. Da war er gerade einmal 14. „Damals hieß das noch Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen“, erinnert sich Franken. Nach der Ausbildung war klar: Für seinen ersten Bademeister-Job geht Franken nach Benrath. Das war im Jahre 1977. Und seither hat Franken kein anderes Schwimmbad bewacht – für die Badegäste gehört er einfach dazu.

Der Job habe sich aber sehr verändert, erzählt der 59-Jährige. Neben geringeren Besucherzahlen habe vor allem die Technik viel Neues gebracht. Aber auch neue Aktivitäten wurden über die Zeit verändert: „Zum Beispiel Aqua Fitness oder Wasser-Aerobic, das gab es früher noch nicht“, sagt Franken. Zudem sei der Job anstrengender geworden, sagt er. „Die Leute sind weniger vorsichtig und man merkt, dass nicht mehr so viele richtig schwimmen können.“

Im Benrather Freibad ist Franken jedenfalls bekannt wie ein bunter Hund. „Es sind bestimmt einige tausend Kinder, die bei mir Schwimmen gelernt haben. Und manche kennen mich noch aus der Ausbildung“, sagt er. Die Erinnerung bringt ihn zum Lächeln. Kurz darauf kommt eine Frühschwimmerin vorbei, die sich vor Saison-Ende noch schnell persönlich von Udo Franken verabschieden möchte. „Ich werde auch oft als ,Bademüller’ bezeichnet“, fällt Udo Franken danach ein – und noch ein Lächeln huscht über sein sonnengebräuntes Gesicht.

Obwohl Franken privat eher ein See-Schwimmer ist, bedeutet ihm das Freibad doch viel. Schon als Kind ist er mit seiner Familie hergekommen, hat von seinen Brüdern das Schwimmen gelernt. Wie er seien auch viele andere „Ur-Benrather“ tief traurig über die vorübergehende Schließung. „Die Benrather lieben ihr Schwimmbad“, weiß der 59-Jährige.

Trotz seiner Freistellung wird er das Bademeister-Sein aber höchstwahrscheinlich nicht sein aufgeben können: „Ich werde sporadisch weitermachen“, verrät er. Aber nicht nur um seinen Beruf wiederaufleben zu lassen, sondern auch wegen der Kollegen. Die sind nämlich gute Freunde und treffen sich oft, um in alten Zeiten zu schwelgen.

Großer Andrang herrschte im Benrather Freibad nicht nur im Sommer. Das Bild wurde am 21. März 1972 aufgenommen. Foto: Rheinische Post/RP-Archiv

Was Franken nach seiner Freistellung genau machen wird, das weiß er aber noch nicht so recht. Es lässt es auf sich zukommen und sagt: „Ich habe ein Auto, ein Motorrad und einen Hund.“

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