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Benrath: CDU und Grüne wollen den großen Wurf

Benrath : CDU und Grüne wollen den großen Wurf

Das Gestaltungsbündnis in der Bezirksvertretung 9 schlägt vor, auf die Thyssen-Krupp-Brache neben dem Dürer-Kolleg ein Stadtteilzentrum mit Bücherei und Hallenbad zu bauen. Wohnbebauung ist wegen Abstandsflächen ausgeschlossen.

Der Vorschlag, das Albrecht-Dürer-Berufkolleg in der Paulsmühle auf der Thyssen-Krupp-Brache zu bauen, geht einigen Politikern aus der Bezirksvertretung 9 nicht weit genug. Deshalb hat das schwarz-grüne Bündnis für die Sitzung der Bezirksvertretung (BV) 9 am heutigen Freitag einen viel weiter gehenden Antrag gestellt.

Die beiden Fraktionssprecher Dirk Angerhausen (CDU) und Ernst Welski (Grüne) halten dabei sogar einen großen Wurf für Benrath möglich. Ihr Ansatz: Warum nicht neben dem Schulgebäude auf dem sechs Hektar großen Areal weitere öffentliche Einrichtungen zentral zusammenfassen - ähnlich dem, was an den Bilker Arcaden geschaffen wurde: die Stadtteilbücherei, die derzeit zwar wunderschön in der Orangerie gelegen, aber nicht barrierefrei ist, ein Stadtteilzentrum mit Behördendependancen und ein Schwimmbad. Zusätzlich, so die beiden Stadtteilpolitiker, könnten dort Quartiersgaragen entstehen.

Denn aus ihrer Kenntnis hat eine Wohnbebauung, wie sie Oberbürgermeister Thomas Geisel auf der Messe ExpoReal im Oktober ins Spiel gebracht hat, keine Chance - ganz unabhängig von der Belastung der Industriebrache, auf der bis 1976 ein Walzwerk von Thyssen Krupp in Betrieb war. Problem ist wohl, dass die erforderlichen Abstandsflächen zu den im Viertel produzierenden Industrieunternehmen nicht darstellbar sind. Diese Signale hat die Politik wohl schon aus der Verwaltung erhalten. "Bei den erheblichen Kosten einer Bodensanierung erscheint es sinnvoll, diese auf verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu verteilen, beziehungsweise durch Vermarktung frei werdender Flächen eine Finanzierung zu gewährleisten", heißt es in dem Antrag. Und wie das aussehen könnte, darüber hat sich das Bündnis schon Gedanken gemacht: Das Benrather Hallenbad ist reif für die Abrissbirne, aus ihrer Sicht genauso wie das Bürgerhaus an der Telleringstraße. Bei der Zukunft des Bades wartet die Politik seit langem schon auf das Bäderkonzept der städtischen Bädergesellschaft. Für das Bürgerhaus existiert kein Sanierungskonzept; dort wird immer wieder Flickwerk betrieben. In der heutigen Sitzung soll die BV etwa beschließen, in die ehemalige Schule an der Telleringstraße mal wieder Geld zu stecken: rund 55 000 Euro für den Einbau einer Akustikdecke, die Erneuerung des Bodenbelags sowie für Anstricharbeiten. Aus Sicht von Angerhausen und Welski macht das keinen Sinn.

Ihre Idee: Warum nicht das Bürgerhaus abreißen und das gar nicht mal so kleine Areal für eine Wohnbebauung freigeben. Dort nämlich gibt es keine Probleme mit den Abstandsflächen. Den Erlös aus dem Grundstücksverkauf könnte man für einen Neubau eines modernen Stadtteilzentrums reinvestieren. In dieses könnten dann aus dem Benrather Rathaus, das ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist, Verwaltungsstellen wie etwa das Bürgerbüro sowie die Bücherei umziehen. Mit ihrer Stimmenmehrheit wollen CDU und Grüne die Verwaltung auffordern, diese Ideen zu prüfen.

Ähnliches schwebt den beiden auch für die Benrather Bäder (Hallen- und Freibad) vor. Das Hallenbad an der Regerstraße stammt aus den 1950er Jahren und könnte nur mit einem hohen finanziellen Aufwand saniert werden. Deswegen hatte auch die SPD im Wahlkampf schon die Idee präsentiert, das Gelände des jetzigen Hallenbades für Wohnbebauung freuzugeben und mit dem Verkaufserlös ein neues Hallenbad am Freibad-Gelände zu bauen.

Aus Sicht von SPD-Mann Udo Skalnik ist die Bäder-Idee des Bündnisses allerdings kontraproduktiv: "Ich habe die Befürchtung, dass uns diese Prüfung viel zu viel Zeit kosten würde, und wir brauchen jetzt schnell einen Ersatz für das marode Benrather Hallenbad", sagte der stellvertretende Bezirksvorsteher der RP. Vor allem vor dem Hintergrund, dass vor ein paar Tagen das Hallenbad in Oberkassel wegen Baumängel geschlossen wurde und nun Benrath und Oberkassel finanziell miteinander in Konkurrenz um einen Neubau treten. Skalnik wünscht sich, dass die Gestaltungsmehrheit deshalb diesen Teilvorschlag für die heutige Sitzung zurückzieht: "Alle anderen Ideen finde ich wirklich klasse und die SPD wird das unterstützen."

(RP)