Benrath: Bezirkspolitiker fordern ein öffentliches WC in Benrath

Benrath : Bezirkspolitiker fordern ein öffentliches WC in Benrath

Erbost haben die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) 9 in ihrer jüngsten Sitzung zur Kenntnis genommen, dass die Verwaltung die öffentliche Toilette auf dem Benrather Marktplatz dicht machen will - und das sogar schon zu Ende Februar.

Birgit Lilienbecker vom Amt für Gebäudemanagement hatte in der Sitzung einen schweren Stand, als sie die Gründe erläuterte. Die unterirdische Anlage sei nicht nur in die Jahre gekommen - sie stammt aus 1981 -, sondern weise auch einen hohen Sanierungsbedarf auf. So sei unter anderem die gesamte Elektrotechnik "reif fürs Museum". Zudem gebe es ein Problem mit der Statik und dem Brandschutz.

Allerdings, so führte Lilienbecker auf Anfrage auch aus, habe es keine Begehung des Bauaufsichtsamtes gegeben, die demnach auch keine Schließung verfügt habe. Melina Schulze, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Benrath, die für die CDU in der BV sitzt, brachte die Kritik auf den Punkt: "Unter einer Stadtteilförderung verstehe ich etwas anderes." Ob ein Stadtteil zum Einkaufen attraktiv sei, hänge auch von solchen Faktoren wie der Bereitstellung einer kostenfrei nutzbaren öffentlichen Toilette ab. Die Wall-Anlage kostet eine Benutzungsgebühr von 50 Cent. Zudem sei diese alle drei Tage defekt, sagte Schulze.

Solche Beschwerden über die sich selbst reinigenden Anlagen sind Lilienbecker noch nicht untergekommen. Allerdings haben die Stadt und Wall sowieso ihren Vertrag zum Jahresende gekündigt; Wall unterhält in der Landeshauptstadt 27 WC-Anlagen. Dafür bekommt sie von der Stadt rund eine halbe Million Euro pro Jahr. Bis September 2019 will Wall die Toiletten abbauen, jedoch nicht die auf dem Benrather Marktplatz.Deren Mietvertrag läuft noch bis zum 31. März 2024.

Da die Verwaltung die Schließungsabsicht der Anlage nur als Informationsvorlage vorlegte, hatten die Stadtteilpolitiker in der Sitzung nur die Möglichkeit, diese ablehnend zur Kenntnis zu nehmen. Das hat aber keinerlei Auswirkungen. Die BV will nun für die März-Sitzung einen Antrag formulieren, dass die unterirdische Toilettenanlage wenigstens so lange geöffnet bleibt, bis es eine Alternative im Benrather Zentrum gibt. So war mal angedacht, dass das alte Trafohäuschen an der Friedhofstraße in eine öffentliche Toilettenanlage umgebaut werden sollte.

Die Stadt setzt bei der Bereitstellung von öffentlichen WCs inzwischen verstärkt auf das Konzept "Nette Toilette". Dafür lassen vor allem Gastronomen auch Nicht-Kunden kostenfrei auf ihre Anlagen. Dafür bekommt dieser einen monatlichen Obolus in Höhe von bis zu 150 Euro von der Stadt.

In der Landeshauptstadt gibt es 85 "Nette Toiletten"; es sollen mehr werden. Allerdings läuft die Akquise gerade in Benrath schleppend. So berichtete Bezirksverwaltungsstellenleiter Nils Dolle, dass er und seine Mitarbeiter bislang erfolglos von Laden zu Laden gegangen seien. Bislang macht nur das Eiscafé Baldini mit. Dessen Toilettenanlage ist aber nicht barrierefrei zu erreichen.

(rö)
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