Benrath: Besonderer Blick auf stille Orte

Benrath: Besonderer Blick auf stille Orte

Heute Abend wird in der Benrather Bücherei eine neue Ausstellung eröffnet.

Wohin würde eine Ausstellung mit dem Titel "Stille Orte" besser passen als in eine Bücherei? Wo sich Menschen, umgeben von Konzentration und Schweigen, in Geschriebenes vertiefen. Zunehmend mehr Menschen favorisieren als Sehnsuchtsorte stille Orte, denn nur an diesen, so glauben sie, könnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Zu welchen künstlerischen Ergebnissen die Beschäftigung mit der Stille kommen kann, zeigt die Ausstellung von Sonja Brockers und Andreas Holtkemper, die am heutigen Donnerstag um 19.30 in der Stadtbücherei Benrath, Urdenbacher Allee, eröffnet wird. Der Eintritt ist frei.

Die Malerin und der Fotograf haben sich bei Ausstellungen des Vereins Düsseldorfer Künstler kennengelernt. "Und da haben wir gemerkt, dass unsere Arbeiten gut zusammen passen und haben uns dann als gemeinsames Ausstellungsprojekt "Stille Orte" ausgedacht", sagt Brockers, die in der Ausstellung nahezu ausschließlich neue Bilder zeigt. Den Zwang, sich einer, wenn auch freiwillig gewählten Themen-Klammer zu unterwerfen, hat die Künstlerin unterschiedlich empfunden. "Es gab zwar Momente der Verzweiflung wegen dieser Festlegung, aber das intensive Sich-Abarbeiten an einem Thema hat sich auch als vielfältige Bereicherung herausgestellt", sagt Brockers.

Für sie ist Stille vielfach mit einem Naturerleben, Tieren oder Landschaften verbunden, während die Fotoarbeiten von Andreas Holtkemper eine von Menschen verlassene Architektur als Orte der Stille definieren.

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Brockers' Bild eines Seelöwen mit aufgerissenem Maul erscheint auf den ersten Blick wenig mit Stille zu tun zu haben. Dennoch lässt das Bild in dem Moment innehalten, in dem man erkennt, dass das dominierende satte Blau im Hintergrund nichts von der arktischen Kälte hat, sondern als zu warmes Fanal für die schwindenden Lebensgrundlagen für die polare Tierwelt wahrgenommen wird. Majestätische Anmut strahlen die Unterwasserbilder von zwei Riesenschildkröten aus. "Neben dem Staunen ist es aber auch die Unmöglichkeit unter Wasser zu reden, die für Stille sorgt", erklärt Brockers, die begeisterte Taucherin ist. Sie zieht es aber auch immer wieder in einsame Wälder, wo dann zumindest in der Fantasie Aug-in-Aug-Begegnungen mit Fuchs oder Wolf möglich sind.

In Holtkempers Fotokunst, deren Bilder in russischen Kasernen, deutschen Schulen oder im industriellen Ambiente aufgenommen wurden, verbindet sich Dokumentarisches mit emotionaler Aufladung. In seinen "Lost Places" kehrt Stille ein, wenn Menschen, die früher die Räume genutzt haben, nicht mehr anwesend sind und die Architektur dem Verfall überlassen ist. Auch wenn in einem Kasernenraum der Farn gedeiht oder von der Sportstätte einer Lungenheilstätte eine sakrale Pracht ausgeht, so erscheint die Tristesse stets gleichsam als kleine Schwester der Stille.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Juni jeweils zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei Benrath zu sehen.

(RP)