Tradition in Benrath : Wallfahrtswoche ohne Prozession

Die Gemeinde bemüht sich, trotz der widrigen Umstände eine möglichst feierliche Wallfahrtswoche zu organisieren. Auf einige Traditionen muss jedoch verzichtet werden. So können Gläubige in diesem Jahr wegen Corona nur in Kleingruppen vor der Schwarzen Madonna von Benrath beten.

Man hört es Thomas Jablonka an der Stimme an: Dass die Wallfahrtswoche zur Schwarzen Madonna von Benrath wegen Corona nicht in gewohnter Form stattfinden kann, geht dem Priester nahe. „Aber die Regelungen, die in Restaurants und Fußballstadien gelten, gibt es auch in Kirchen“, sagt der Geistliche.

Eigentlich organisiert die katholische Gemeinde in Benrath jedes Jahr um das Fest Mariä Heimsuchung am 14. Oktober eine Wallfahrtswoche. Es finden Messen mit Festpredigern statt, viele Menschen kommen zusammen, um zu beten, zu beichten und sich zu begegnen. „Gerade Begegnung, ein so wichtiger Bestandteil des kirchlichen Lebens, ist im Augenblick nicht uneingeschränkt möglich“, sagt Pfarrer Jablonka.

Er und sein Gemeinde-Team versuchen, trotzdem das Beste aus der Situation zu machen. Sie haben sich ein Konzept überlegt, um die Möglichkeit zur Einkehr und zum Gebet vor dem alten Gnadenbild zu geben. „Wir beginnen die Wallfahrtswoche am 4. Oktober um 11 Uhr mit der Messe in St. Cäcilia. Von Montag bis Freitag gibt es jeden Tag einen Gottesdienst um 9  und um 18 Uhr“, kündigt der Priester an. Außerdem besteht täglich um 17 Uhr die Gelegenheit, die Beichte abzulegen. Am Samstag, 10. Oktober, wird die Messe in lateinischer Sprache gefeiert. Am Sonntag, 11. Oktober, beschließt die Gemeinde die Wallfahrtswoche mit einer Schlussandacht.

Was fehlen wird, sind die Festprediger, die üblicherweise zu den Gottesdiensten eingeladen werden. „Diese besonderen Predigten sind immer sehr beliebt und haben unsere Kirche gut gefüllt – das können wir in diesem Jahr aber nicht riskieren“, sagt der Priester von St. Cäcilia mit merklicher Enttäuschung. Für das persönliche Gebet ist die Kirche während der Wallfahrtswoche den ganzen Tag geöffnet, und auch die Schwarze Madonna wird im Kirchenraum ausgestellt. Es waren Umbauten nötig, damit sich die Besucher mit ausreichendem Abstand vor dem Gnadenbild aufhalten können.

Einer der Höhepunkte der Wallfahrtswoche ist eigentlich immer die Andacht auf der Schlossterrasse mit der Lichterprozession. Diese fällt ersatzlos aus. „Da der Schlosspark frei zugänglich ist, haben wir keine Möglichkeit, die Zahl der Teilnehmer zu beschränken“, sagt Thomas Jablonka. Ein Trost für ihn: Mit der Tradition, die Schwarze Maria am Schloss zu präsentieren, wird nicht gebrochen. Bei der Einführung des neuen Stadtdechanten Frank Heidkamp am vergangenen Sonntag, die ebenfalls am Schloss stattfand, war das Gnadenbild vor Ort.

Thomas Jablonka lädt auch Gruppen von Gläubigen – Vereine, Kollegen, Schulklassen und Kindergartengruppen – ein, zum gemeinsamen Gebet nach St. Cäcilia zu kommen. Früher gab es spezielle Veranstaltungen, etwa für Kinder, diese sind in diesem Jahr jedoch auch nicht möglich. Gruppen werden darüber hinaus gebeten, sich im Vorfeld anzumelden, die Daten des Gemeindebüros finden sich unter www.kkbu.de.

Thomas Jablonka ruft seine Gemeinde auf, die Ausnahmesituation ernst zu nehmen und die Wallfahrtswoche als Gelegenheit zu begreifen, Kraft und Hoffnung zu sammeln. „Maria, Hilfe der Christen; so lautet der Titel unseres Gnadenbildes. Ja, wir brauchen die Hilfe der Muttergottes, heute vielleicht mehr denn je“, schreibt er in seiner Einladung zu dieser ungewöhnlichen Wallfahrtswoche, die, so hofft der Priester, in ihrer Form eine Ausnahme bleibt.

Diese Holzstatue der Schwarzen Madonna ist normalerweise das Herz der Wallfahrtswoche. Sie erinnert an eine mittelalterliche Marienerscheinung im Benrather Wald, etwa dort, wo heute der Schwarze Weg liegt. 1677 ließen Pfalzgraf Philipp Wilhelm und seine Frau eine Kapelle für das Gnadenbild errichten. Die Figur selbst ist eine Kopie der Marienstatue im schweizerischen Einsiedeln. Die Schwarze Kapelle war bis ins 19. Jahrhundert hinein Ziel der Wallfahrten aus dem Umland und auch einer Prozession von St. Lambertus in der Altstadt nach Benrath. Dann wurde die Kapelle säkularisiert. Das Gebäude diente eine Zeit lang als Kneipe und wurde schließlich abgerissen. Die Schwarze Madonna jedoch konnte gerettet werden und befindet sich seither in St. Cäcilia.