Benrather Rathaus : Rathaus soll saniert werden

Der Baubeginn ist für Anfang 2021 geplant. Das Rathaus muss für die 18 Monate währenden Arbeiten im Innenbereich geräumt werden. Lösungen für das Bürgerbüro und das Heimatarchiv gibt es noch nicht.

Seit 1984 steht das prächtige Benrather Rathaus unter Denkmalschutz. Damit es weitere Jahrzehnte die Benrather erfreut, muss es instandgehalten werden. 2006 erfolgte die Sanierung des Daches und der Natursteinfassade. Nun soll das Gebäudeinnere und die Innenhoffassade folgen. Unter anderem  gibt es Feuchteschäden.

In ihrer jüngsten Sitzung bekamen die Mitglieder der Bezirksvertretung 9, die in dem Rathaus öffentlich tagen, einen Bedarfsbeschluss von der Stadt vorgelegt. Mit diesem soll eine Planung für das Vorhaben und eine Kostenberechnung erstellt werden. Die geschätzte Summe beträgt rund 5,3 Millionen Euro. Durch den Umbau soll das Rathaus barrierefreier werden.

Doch die Stadtteilpolitiker waren quer durch die Fraktionen unzufrieden mit dem Vortrag und weigerten sich, den Bedarfsbeschluss zu fassen. Es gebe zu viele ungeklärte Fragen, hieß es unisono.

Eine wesentliche Frage ist, wohin während der rund 18 Monate dauernden Umbauzeit das im Keller untergebrachte Heimatarchiv ausgelagert werden könnte. Baubeginn ist nach heutigem Stand das erste Quartal 2021. Heimatarchiv-Leiter Wolfgang D. Sauer kennt noch keine Details. „Wir haben bei uns im Archiv über 25 Stahlschränke, die mit Büchern und Fotos gefüllt sind. Wo sollen wir während der Bauphase damit hin?“ Alleine 40.000 historische Fotos verwaltet das der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath angeschlossene Archiv. Sauer sieht größte Probleme auf die Einrichtung zukommen, die nur von Ehrenamtlichen betreut wird. Zudem möchte er wissen, wer die Kosten für Umzug und Lagerung bezahlt. Völlig unklar ist derzeit, ob für das Archiv solche Ausweichräume gefunden werden können, in denen die Arbeit weitergehen kann. Jeden Montagnachmittag ab 17 Uhr ist das historische Gedächtnis des Düsseldorfer Südens für die Öffentlichkeit zugänglich.

Aber nicht nur das Archiv muss umziehen. Das Rathaus hat noch mehr Funktionen. Seit April 2013 kann im renovierten Trauzimmer wieder geheiratet werden. Neben der Bezirksverwaltungsstelle ist auch das Bürgerbüro an der Benrodestraße 46 untergebracht. Das große Sitzungszimmer, in dem die Bezirksvertretung tagt, wird an Vereine und Institutionen vermietet. Wegfallen soll durch die Arbeiten auch die Wohnung der Hausmeisterin. Die Stadt will für diesse Mitarbeiterin in der Nähe des Rathauses eine neue Bleibe suchen.

Für die Baumaßnahme soll das Rathaus komplett geräumt werden. Als Interimslösung sollen auf der Grünfläche Bürocontainer aufgestellt werden. Für das Bürgerbüro können diese jedoch nicht genutzt werden, da die Mitarbeiter mit persönlichen Daten arbeiten und diese lagern müssen.

Obwohl die Stadtteilpolitiker einsehen können, dass das denkmalgeschützte Haus saniert werden muss, gab es große Kritik an den Nutzungsplänen der Verwaltung. Im Zuge der Sanierung soll durch Flächenoptimierung, Nutzbarmachung von Lagerflächen und der Aufgabe der Hausmeisterwohnung zusätzlicher Büroraum geschaffen werden. Diesen will die Verwaltung nutzen, um den Bezirkssozialdienst zu zentrieren. Eine Zweigstelle des Amtes ist im Rathaus untergebracht. Hinzu kommen sollen die Standorte des Bezirkssozialdienstes an der Kolbergerstraße 19 in Hassels und der Burscheider Straße 27 in Wersten. Deren jetzige Büroräume sollen aufgegeben werden, was der Stadt Mietkosten spart.

Udo Skalnik, stellvertretender Bezirksbürgermeister (SPD), forderte die Verwaltung auf, den Bezirkssozialdienst vor Ort zu lassen, also da, wo der Bedarf sei: „Wir wollen aus dem Benrather Rathaus kein Sozialhaus machen“, stellt er klar. CDU-Ratsherr Peter Blumenrath zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Zusammenlegung. „Das klingt nicht, als wäre das zu Ende gedacht. Das Quartier um die Burscheider Straße war Bestandteil der Sozialen Stadt und jetzt ziehen wir da Personal ab?“ Nach jetziger Planung soll der Stadtrat am 23. Mai den Bedarfsbeschluss fassen.

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