Benrath : Benrath mit dem besonderen Blick

Der Fotograf Horst Schäfer zeigt ab morgen im Schloss Benrath eindrucksvolle Bilder rund um das Schloss aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Ausstellung ist auch ein Stück Zeitgeschichte.

Da schaut der junge Hobby-Fotograf verschmitzt lächelnd durch ein Astloch. Dieses Selbstporträt hat Horst Schäfer vor mehr als 60 Jahren von sich gemacht. Kein Selfie. Er hat die Kamera auf sein Stativ gesetzt, auf den Selbstauslöser gedrückt und ist dann schnell hinter den Baum gegangen.

Schon damals besaß der heute 82-Jährige das Auge, den besonderen Blick. Und dies wird bei den weiteren Fotos deutlich. Bereits als Amateur, der mit 18 Jahren seine erste Kamera bekam, machte er nicht nur Schnappschüsse, sondern interessierte sich für die Fotografie als Kunstform. Heute ist er längst ein weltweit anerkannter Fotograf - ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen.

Ab morgen sind im Ostflügel von Schloss Benrath 75 Fotografien bei der Ausstellung "Horst Schäfer. Benrath. Fotografien" zu sehen. Schäfer, der heute in Nürnberg lebt, wurde im Westerwald geboren und kam kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Düsseldorf. Er wohnte an der Hauptstraße über dem Tabakladen und sein fotografisches Betätigungsfeld war damals in erster Linie das Schloss. So zeigen schon seine frühen Fotos etwas Skurriles, oft Schelmisches. Aber sie sind gleichzeitig historische Dokumente.

Aber die Ausstellung hat wesentlich mehr zu bieten. 1960 wanderte Schäfer aus - zunächst nach Kanada, weil er keine Aufenthaltsgenehmigung für die USA bekam. Doch sein Ziel war New York. Mit dem Bus kam er dort an und arbeitete dann zehn Jahre bei der Racing Association. Einige Aufnahmen aus dem Park sind in der Ausstellung zu sehen. Schäfer, der als junger Mann auch den Wunsch verspürt hatte, Architektur zu studieren, überzeugte schon schnell durch seine Architekturfotos. Es ist die Perspektive, die den Betrachter bei diesen Aufnahmen faszinieren, und wieder ist es der andere Blick. Auch von den New Yorker Hochhäusern sind einige Fotos in der Ausstellung zu sehen.

Der Schwerpunkt gilt Benrath. Denn Schäfer kam immer wieder zurück, nicht zuletzt, um seine Eltern zu besuchen. So dokumentiert die Ausstellung ein Stück Zeitgeschichte. Waren es in den 50er Jahren die Spaziergänger, die den Schlosspark am Sonntag - fein gemacht - nahezu bevölkerten, so sind es in den 80er Jahren die Jogger.

Für Museumschef und Kurator Stefan Schweizer zeigen die Fotos nicht nur den Wandel der Freizeitgestaltung, sondern sind auch Alltagsgeschichte rund um Schloss Benrath. Mehr noch: Einige Fotos haben die pflanzliche Veränderung der Gartenanlage festgehalten, wie zum Beispiel der Fächerallee.

Es sind die Lichtspiele im Park, aufgenommen im Gegenlicht oder mit großer Brennweite, die den Betrachter immer wieder überzeugen. Und es ist der andere Blick auf die Menschen. Kinder beim Eislaufen auf dem zugefrorenen Schlossweiher, einfach nur Entspannen auf den Bänken. Vielleicht werden sich einige Benrather beim Betrachten der Fotos wieder erkennen.

Per Zufall ist Stefan Schweizer auf den Fotografen Horst Schäfer aufmerksam geworden. Bruno Kehrein, Verleger des Grupello-Verlags, mit dem die Stiftung eng zusammenarbeitet, hat ihm einen Fotoband Schäfers über Düsseldorf aus den 60er Jahren gezeigt, der längst vergriffen ist. Schweizer war begeistert und so kam der Kontakt im Oktober zusammen. Schäfer, der in den 80er Jahren nach Deutschland zürückkehrte und als Pressefotograf arbeitete, kam gern nach Benrath. Er ist auch morgen anwesend, wenn seine Ausstellung eröffnet wird.

"Man kommt nicht umher, Horst Schäfer zu den großen Fotografen des 20. Jahrhunderts zu zählen", schrieb die Faz einmal über ihn. Die Besucher der Ausstellung können sich ab morgen selbst ein Bild davon machen.

(RP)