Benrath : Benrath wächst

An mehreren Ecken des Stadtteils entstehen neue Wohnviertel. Bei den drei größten Projekten sind rund 1500 Wohneinheiten geplant.

Der Stadtteil wächst. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 wohnten hier 16.833 Menschen, die in 2333 Wohngebäuden und 9221 Wohnungen lebten. Doch diese Zahlen werden in den nächsten Jahren kräftig anwachsen. Denn an vielen Stellen in Benrath entstehen neue Wohngebiete. In einer Übersicht listen wir alle größeren Projekte einmal auf. Luftlinie rund 400 Metern voneinander entfernt liegen die drei größten Wohnungsbauprojekte (Mühlenquartier, Wohnquartier neben dem Dürer-Kolleg und die Benrather Gärten an der Hildener Straße) mit über 1500 Wohnungen.


Mühlenquartier Am weitesten fortgeschritten ist das Mühlenquartier, das in der Paulsmühle entsteht. 364 neue Mietwohnungen werden auf einer alten Industriebrache zwischen Bahntrasse und Telleringstraße gebaut. Den Namen hat das neue Wohnviertel von seinem Aufbau: Wie eine Windmühle teilt sich das Quartier in vier Flügel: Die Häuserblöcke Nord-, Süd-, Ost- und Westflügel gruppieren sich jeweils um einen großzügigen grünen Innenhof.

Im März 2020 sollen die ersten Einheiten – die Größen der Wohnungen liegen zwischen 40 und 137 Quadratmetern – fertig sein. Ein Bezug der Wohnungen soll im zweiten Quartal 2020 erfolgen.

Das Wohngebiet neben dem Dürer-Kolleg könnte so aussehen, allerdings ohne die höheren Türme. Foto: IDR

Die energieeffiziente Bauweise nach KfW-55-Standard schone die Umwelt und spare Energiekosten, heißt es vom Wohnungsunternehmen Vivawest, das im Oktober 2017 das 190-Millionen-Euro-Projekt von der Artemis-Projektgesellschaft übernommen hatte. Im März 2018 war die Grundsteinlegung. Rund ein Viertel der zur Vermietung stehenden Wohnflächen sind öffentlich gefördert oder preisgedämpft. Vor allem für Bahn-Pendler ist der Standort attraktiv; ist der Benrather Bahnhof doch in wenigen Gehminuten zu erreichen.

Die ersten Rodungsarbeiten begannen im Februar 2017, Ende April 2017 begann der Abriss der Industriehallen, in denen viele Jahre die Firma BEA angesiedelt war.

Im zweiten Quartal 2020 beginnt der Bezug der 364 Wohnungen des Mühlenquartiers von Vivawest. Foto: Artemis


Wohnquartier neben dem Dürer-Kolleg Von der Stadt hatte die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) den Auftrag bekommen, auf der Brachfläche in der Paulsmühle – dort, wo einst das erste Kaltwalzwerk von Thyssen-Krupp stand – das Albrecht-Dürer-Berufskolleg neu zu bauen. Zudem waren auf einem Teil der Fläche auch noch Wohnungen geplant. Zunächst sollten es 320 werden. Da aber in ganz Düsseldorf Wohnungsnot herrscht, sollte aufgestockt werden. Doch die dann kommunizierten 570 waren vielen Bewohnern der Paulsmühle zu viel. Dem Aufruf der Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ im Juni 2018 zu einer Demonstration gegen diese Pläne waren einige hundert Paulsmühler gefolgt.

Der Protest zeigte Wirkung: Die Verwaltung lud im August zu einem „qualitätssichernden Verfahren für das Wohngebiet nördliche Paulsmühle“ ein. In vielen Workshops engagierten sich die Bürger. Mitte Dezember hat die Verwaltung einigen Politikern und Mitglieder der Initiative die Ergebnisse mehrere Prüfaufträge präsentiert. Laut Aussage des Bezirksbürgermeisters Karl-Heinz Graf habe es bei der Sitzung große Zustimmung gegeben. Allerdings sei die genaue Anzahl der nun geplanten Wohnungen noch nicht kommuniziert worden. Graf geht davon aus, dass der Bezirksvertretung (BV) noch in diesem Frühjahr die nötige Änderung des Bebauungsplanes vorgelegt wird. Bislang ist das Areal für Gewerbe vorgesehen. Zudem wolle Baudezernentin Cornelia Zuschke in der BV die Ergebnisse der Verkehrsstudie für den Düsseldorfer Süden vorstellen, so Graf.

Benrather Gärten Seit Herbst 2016 ist die Stahlverarbeitung in Benrath Geschichte. Das Tochterunternehmen „Capito & Klein“ bekam als einzige Firma von Krupp nach dem Zweiten Weltkrieg die Erlaubnis, die Bleche mit dem Warenzeichen „Nirosta“ zu fertigen. Weil die Kapazitätsgrenze am Stammwerk an der Paulsmühler Telleringstraße (heute steht dort das Dürer-Kolleg) Ende der 1940er Jahre erreicht war, wurde an der Hildener Straße am 17. Juni 1953 der Grundstein für ein neues Breitband-Walzwerk gelegt. In dieser Hochzeit der Stahlindustrie arbeiteten in beiden Werken zusammen 1600 Mitarbeiter. 2009 traf die Welt-Wirtschaftskrise auch den Industriekonzern Thyssen-Krupp. Darauf reagierte das Unternehmen mit einem Konzernumbau, von dem auch die Edelstahlsparte Nirosta betroffen war, die Stahlproduktion wurde in Krefeld gebündelt, das Werk in Benrath geschlossen werden. Der neue Eigentümer Outokompu vollzog die angekündigten Schritte.

An der Benrodestraße plant ebenfalls die IDR das Wohnquartier „Ben und Maria“. Foto: IDR

Nun soll auf dem 55.000 Quadratmeter großen Areal ein neues Wohnviertel entstehen. Outokumpu lobte einen städtebaulichen Wettbewerb aus, den Ende März 2018 das Dresdner Architekturbüro Schellenberg & Bäumler mit seinem Entwurf von den „Benrather Gärten“ gewann. Überzeugt hatte die Jury die Idee, den nicht weit entfernt liegenden Spielweiher des Benrather Schlosses aufzugreifen. Bei der geplanten Wohnfläche von rund 85.000 Quadratmetern kann man von rund 850 neu zu bauenden Wohnungen ausgehen. Aktuell werden in den Siegerentwurf noch Vorgaben der Jury eingearbeitet. Die CDU im Stadtbezirk 9 wünscht sich sowohl für das Areal an der Hildener Straße als auch für das neue Wohngebiet neben dem Dürer-Kolleg eine geringere Zahl von neuen Wohneinheiten, um den Stadtteil nicht noch stärker zu verdichten.

Wohnen am alten Hospital Seit vielen Jahren steht das ehemalige Benrather Hospital an der Hospitalstraße, in Sichtweite des Benrather Schlosses, bereits leer. Eine Gruppe Benrather fand sich schon vor einigen Jahren zusammen, um dort ein Mehrgenerationen-Haus zu realisieren. Doch die Planungen stockten, bis die städtische Wohnungstochter SWD das Areal von ihrer Mutter erwarb. Weil für die Verwaltung beim ersten Planungsentwurf zu wenig Wohnungen entstanden, ging es in einen städtebaulichen Wettbewerb. Die Entscheidung der Jury im Mai 2017 für den Entwurf eines Stuttgarter Architektenbüros fiel denkbar knapp aus. Den Ausschlag gab dann aber wohl das mit Abstand größte Wohnungsangebot des Entwurfs: Bis zu 110 Einheiten könnten an der Hospitalstraße entstehen. Rund die Hälfte sind für die Wohngruppe „Gemeinsam leben am Schloss“ reserviert.

Zum Jahresende ist Jürgen Heddergott als Vorstand der SWD in den Ruhestand gegangen. Einmal im Monat hatte er sich mit Mitgliedern der Wohngruppe zu Planungszwecken zusammengesetzt. Aber trotzdem kann Brigitte Krall, Sprecherin der Wohngruppe, positives vermelden: „Unserer Kenntnis nach soll im Januar der Bauantrag gestellt werden.“ Läuft alles gut, wird er von der Verwaltung in sechs Monaten genehmigt, läuft es nicht so gut, könnte es ein Jahr dauern, bis losgelegt werden kann.

Wohnquartier „Ben und Maria“ An der Benrodestraße entwickelt die Stadttochter IDR zusammen mit dem östlichen Grundstücksnachbarn ein neues Wohnquartier, das die bereits in der Benrodestraße vorliegenden Wohnnutzungen erweitert. Alleine das Grundstück der IDR ist 17.500 Quadratmeter groß. Aus einem ehemalig gewerblich geprägten Gebiet wird ein neuer und für die Landeshauptstadt Düsseldorf wichtiger Wohnraum geschaffen.

Ein Bebauungsplanverfahren wird derzeit durchgeführt, heißt es auf der Internetseite der IDR. Wie viele Wohnungen dort entstehen, steht aktuell auch noch nicht fest.

Seit Anfang 2016 stand auf dem IDR-Areal eine Flüchtlingsunterkunft in Containerbauweise, die nun aufgegeben wurde. Die letzten Bewohner sind am 6. Dezember ausgezogen, die Menschen wurden in andere Unterkünfte verteilt. Die Unterkunft soll ab Anfang Februar abgerissen werden.



Wohnen am ehemaligen Hallenbad Dort, wo jetzt noch an der Regerstraße das Hallenbad steht, soll Wohnbebauung hin – Stadtvillen als Einfamilien- und Doppelhäuser entsprechend der Bebauung im Musikantenviertel sowie Geschosswohnungen (bis vier Geschosse). Die Zahl der möglichen Wohneinheiten ist noch nicht bekannt.

Erste Anfragen, wann man dort einziehen kann, hat Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf schon erhalten. Doch derzeit gibt es noch nicht einmal einen Termin für den Baubeginn. Das Gelände will die Stadt verkaufen, um dadurch einen Teil des Bad-Neubaus gegenzufinanzieren. Die Rede ist von einem Grundstückserlös in Höhe von rund 13 Millionen Euro.

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