Passantenzählung der IHK : Bürger kaufen gerne in Benrath ein

Bei der aktuellen Passanten-Frequenzzählung der IHK liegt die Fußgängerzone nur knapp hinter der Nordstraße.

Der Laden „Domino-Pizza“ ist schon seit 2014 Geschichte. Seitdem steht das Haus an der Ecke Fußgängerzone zur Cäcilienstraße leer. Aus Gesundheitsgründen hat das Barrique zugemacht, in der Fußgängerzone steht rechts und links das eine oder andere Ladenlokal leer. Und dann das ehemalige Beka-Kaufhaus am Marktplatz, in dem Strauss-Nachfolger Elanza im März die Segel strich. Doch Melina Schulze, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Benrath, ist trotz des einen oder anderen verklebten Schaufensters gelassen: Denn sie weiß, dass im Hintergrund vieles im Fluss ist. So ist sie auch der Überzeugung, dass in zwei, drei Monaten der größte Leerstand am Markt mit einer Neuvermietung Geschichte sei.

Das Problem, sagt Schulze, sei, dass manche Vermieter nicht an einer Nachvermietung interessiert seien. Bestes Beispiel ist das Eckhaus zur Cäcilienstraße, das einer großen Versicherung gehört. Auch da gebe es Interessenten, aber die bekämen einfach keine Antwort, sagt Schulze.

Sven Schulte, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für das Thema Handel zuständig, kann Schulzes Optimismus mit aktuelle Zahlen stützen: „Der Einkaufsstandort Benrath ist gut aufgestellt“, sagt er. Das zeigt die neueste Passanten-Frequenzzählung für die Stadtteile Düsseldorfs. An einem Donnerstag (26. April) und einem Samstag (28. April) waren Zähler an 17 Einkaufs-Standorten in den Stadtteilzentren unterwegs. An beiden Tagen lag die Frequenz an der Hauptstraße nur knapp hinter der der Nordstraße in Pempelfort als Spitzenreiter. Am Donnerstagnachmittag waren die Zähler zwischen 15 und 16 Uhr auf 1026 Passanten gekommen (Nordstraße 1056), am Samstag zwischen 11 und 12 Uhr auf 1704 (Nordstraße 1764).

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Zum Klagen gibt es also keinen Anlass. Das zeigen aber nicht nur die nackten Zahlen: „Sehen Sie, für den einen Biosupermarkt ist direkt ein anderer Biosupermarkt gekommen. das zeigt doch, dass der Standort attraktiv ist“, sagt Schulte. Für ihn ist eh ein großes Plus für Benrath, dass in der Fußgängerzone mit einem Rewe sowie einem dm-Markt die Kunden zentral die Dinge des täglichen Lebens kaufen können. Das bringt schon mal eine gute Frequenz.

Desweiteren ist Benrath aber auch in vielen anderen Bereichen gut sortiert: Es gibt Spielwaren, Taschen und Koffer, Schuhe, Bücher, Damen- und Herrenmode, Einrichtungsgegenstände und Geschenkartikel, Backwaren, Fisch, Fleisch- und Wurstwaren und noch einiges mehr, das meiste davon inhabergeführt. „Ein super Mix“, nennt das Schulte. Die Benrather Elanza-Filiale sei die mit dem höchsten Umsatz gewesen, fügt Melina Schulze an. Und auch Gerry Weber, der an anderen Standorten schließt, hat in Benrath gut zu tun.

Ein riesiger Pluspunkt für das Dörfchen ist aber die Aufenthaltsqualität. Wo kann man sonst fußläufig zur Innenstadt ein schönes Schloss mit einem wunderschönen Park erreichen? Auch gastronomisch habe sich Benrath weiterentwickelt, sagt Schulze. „Wir haben das neue Café Ruthys mit seiner schönen Sonnen-Terrasse sowie das sanierte Schlosscafé. Wer es ruhiger mag, geht ins Hinterhof-Café La Corte. Wer sehen und gesehen werden möchte, setzt sich in eines der Eiscafés in der Fußgängerzone“, zählt Schulze auf. Mittags muss kein Besucher hungrig nach Hause fahren: von Pizza, Pasta und Currywurst über Frühlingsrollen bis zur deftigen oder fleischlosen Küche gibt es ein breites Angebot. Und auch der Markt hat sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt.

Dass man den Internethandel nicht wird aufhalten können, das weiß auch Schulte: „Ich bekomme schon mal Anrufe, da heißt es, dass wir dafür sorgen sollen, dass der Internethandel verboten wird.“ Doch das geht natürlich nicht. Gegenhalten kann man dann vor allem mit einem Schulterschluss der Händler. Seit 26 Jahren gibt es die Aktionsgemeinschaft Benrath, die leistet sich mit Melina Schulze eine hauptamtliche Vorsitzende. „Sie macht das super“, lobt sie Schulte in den höchsten Tönen: „Sie steckt zu einen viel Herzblut rein und sie ist bestens vernetzt.“ Schulze verstehe sich als Kümmererin für den Stadtteil. Schulte: „Da geht es heutzutage auch darum, Quartiersmanagement zu betreiben.“ Also Immobilienbesitzer mit denen zusammenzubringen, die in Benrath ein Geschäft eröffnen wollen. Nicht immer klappt das. So sucht ein junger Mann aktuell Räumlichkeiten für ein Tätowierstudio mit einer angeschlossenen Kunstgalerie. Vielleicht ist für so etwas Hippes aber in Benrath die Zeit nun doch noch nicht reif.