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Benrath: Die „Angströhre“ für Radfahrer freigegeben

Bahnunterführung : „Angströhre“ für Radfahrer freigegeben

Wer den Pauli-Tunnel mit dem Fahrrad passieren möchte, muss jetzt nicht mehr absteigen. Während sich die einen über die neue Regelung freuen, löst sie bei anderen Unverständnis aus.

Das leuchtende Orange das die Wand des Pauli-Tunnels einmal bedeckte, blitzt nur an wenigen Stellen hinter der dicken Schicht von Graffiti-Schmierereien hervor. Im Laufe der Jahre haben sich hier unzählige Jugendliche verewigt. Der Tunnel ist zum Träger ihrer Liebeserklärungen geworden, die mit dicken schwarzen Stiften an die Wand gemalt wurden: „Ich liebe dich Cheyenne!“ steht dort zum Beispiel neben einem großen Herz. Nur den Pauli-Tunnel selber scheint keiner wirklich lieb zu haben. Die Passanten finden ihn nicht breit genug, zu dreckig oder nennen ihn gefährlich. Jetzt sorgen zwei neue Verkehrsschilder für Streit.

Ivonne Niestroj möchte ihr Fahrrad gerade durch die Unterführung schieben, da fällt ihr Blick auf das neue Straßenschild vor dem Eingang. „Radfahrer frei“ steht dort unter dem Gehweg-Zeichen. „Seit wann hängt das denn da?“ fragt Niestroj überrascht. Sie passiere den Tunnel täglich, nennt ihn lachend den Schreckensschlauch. Seitdem der Tunnel am Ende aufgeweitet wurde, habe sich die Lage aber verbessert. „Ich finde es gut, dass jetzt auch Radfahrer hier fahren dürfen, sagt sie zum Abschied und schwingt sich auf ihren Sattel.

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Mehrfach wurde der Tunnel in der Paulsmühle umbenannt, im Benrather Volksmund blieb er trotzdem immer als „Angströhre“ bekannt. Denn ein Knick im Tunnelverlauf hinderte die Passanten lange daran, zu sehen, wer oder was hinter der Kurve lauerte. Mit dem Bau des Albrecht-Dürer-Berufskollegs hat sich die Lage vor Ort etwas verbessert. An der Paulsmühlenstraße mündet nun eine offene Treppe und eine Rampe in die Unterführung. Einen starken Knick macht sie nun aber immer noch in Richtung Rampe. Dennoch wurde der Tunnel jetzt auch für Radfahrer freigegeben.

Jürgen Thiemann kann das nicht nachvollziehen. Er wohnt im Paulsmühlenviertel und ist selbst  ein begeisterter Radfahrer, aber die Öffnung für Radfahrer nennt er „gefährlich“. „Jetzt hat die Angströhre wirklich ihren Namen verdient“, sagt er, schließlich würden die neuen Zusatzschilder allen Radfahrern freie Fahrt suggerieren. In der engen, nicht einsehbaren Kurve seien Mütter mit Kinderwagen oder ältere Mitbürger mit Rolator von nun an sehr gefährdet.

Ähnlich verärgert zeigt sich Annalena Wimmer, die den Tunnel am Mittag mit ihrem Hund passiert. „Ich habe die Fahrradfahrer immer gebeten, abzusteigen. Es ist gefährlich, wenn diese hier durchrasen“, betont sie. Bislang seien die meisten Menschen auf ihre Bitte hin vom Sattel gestiegen, das werde sich durch die neuen Straßenschilder ändern, schätzt Wimmer enttäuscht.

Die Grünen schlugen die Öffnung für Fahrradfahrer in der Bezirksvertretung 9 vor. Ernst Welski ist Mitglied der Fraktion, hat die Anfrage mit unterzeichnet. Er kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Entscheidend ist doch, wie man durch den Tunnel fährt. Rasen ist natürlich unangebracht“, betont er und verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Die legt eindeutig fest, dass Fahrradfahrer auf Gehegen mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Auf Fußgänger müssen sie besondere Rücksicht nehmen. An die Regel hält sich vor Ort aber kaum ein Radfahrer, viele von ihnen fahren mit schnellem Tempo durch die Unterführung. Welski ärgert sich darüber: „Die Menschen müssen Rücksicht aufeinander nehmen.“ Daran ändere auch ein Verkehrsschild nichts.