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Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath

Geschichte : Die Damen von Benrather Schloss

Eine Ausstellung zeigt wichtige Frauen in der Geschichte des Schlosses. Im Rahmen der Heimatserie stellen wir einige von ihnen vor.

Herzöge, Kurfürsten, Militärs – wie selbstverständlich wurde Schloss Benrath über Jahrhunderte als ein Ort von und für wichtige Männer beschrieben. Noch bis zum 23. Juni ist im Schloss aber eine Ausstellung zu sehen, die mit diesem einseitigen Bild der Geschichte brechen will. Sie widmet sich den adligen Bewohnerinnen des Schlosses und versucht auch, diese Frauen als historisch bedeutsame Persönlichkeiten zu zeigen.

Björn Mismahl, Doktorand an der Universität Duisburg Essen, kuratiert im Benrather Museum für Gartenkunst die Ausstellung, die mit bislang unveröffentlichten Quellen Einblicke in das Leben des weiblichen Adels aus drei Jahrhunderten gibt. Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, dass Frauen in erheblichem Maße Einfluss auf den Verlauf von politischen Prozessen, auf die Gestaltung von kulturellen Ereignissen nahmen und auch auf der Architektur ihrer Zeit nahmen.

 „In der Geschichtsschreibung wurde die Rolle der Frau bisher nicht ausreichend gewürdigt“, sagt Mismahl. Dies liege auch an der schwierigen Quellenlage. „Von und über adlige Männer haben wir ungleich mehr Schriften zur Verfügung“, so der Kurator. Zwei Jahre hat es gedauert, die in der Ausstellung gezeigten Dokumente, Bilder und Objekte zusammenzutragen. Hier werden sechs ausgewählte Damen, die im Benrather Schloss gelebt haben, und ihr Wirken in Düsseldorf vorgestellt.

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Elisabeth von Hessen-Darmstadt

Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath
Foto: RP/Schloss Benrath

Eine glückliche Ehe mit dem Herzog von Jülich und Berg, 17 Kinder, eine strenge Erziehung und ranghohe Verheiratung der Mädchen: Das Leben der Herzogin Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt (1635-1709) klingt im ersten Moment genauso, wie man es von einer Dame ihrer Zeit erwarten würde.Die von ihr auf Schloss Benrath verfassten Regeln für die Erziehung ihrer ältesten Tochter, der späteren Kaiserin Eleonore Magdalene, bestätigen diesen Eindruck eines streng getakteten Tagesrhythmus mit wenigen Freiheiten. Einer ihrer Söhne, Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, ist den Düsseldorfern als Jan Wellem im Gedächtnis geblieben.Elisabeth Amalie war jedoch mehr als Ehefrau und Mutter: Selbstständig agierte sie als Bauherrin des Benrather Wasserschlosses, wie ein Briefwechsel mit dem Bauverwalter belegt. Darüber hinaus war sie vermutlich auch an der Raumausstattung der Orangerie beteiligt. Nachdem sie eine Marienerscheinung gehabt haben soll, hat sie auch den Bau der Kapelle zur Schwarzen Muttergottes veranlasst. Zu der Statue, die heute in der Kirche St. Cäcilia steht, finden jedes Jahr im Oktober Wallfahrten statt, die mit einer Lichterprozession um den Spiegelweiher enden.

Anna Maria Luisa de Medici

Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath
Foto: RP/Schloss Benrath

Auch die Schwiegertochter von Elisabeth Amalie und Ehefrau von Kurfürst Jan Wellem, Anna Maria Luisa de Medici (1667–1743), hinterließ in der Ausstattung des Schlosses ihre Handschrift. Ein erhaltenes Schreibkabinett zeigt nicht nur ihr weibliches Händchen in Sachen Einrichtung, sondern diente ihr wohl auch zur Quittierung von Rechnungen – das heißt zur Kassenführung und zur Verwaltung von Rechnungsscheinen und Bargeld.Auch darüber hinaus hinterlässt Anna Maria Luisa de Medici einen Eindruck, der nicht zu dem Klischee einer Hofdame passt. So teilte sie viele Vorlieben ihres Mannes Jan Wellem: Das Paar nutzte Schloss Benrath und die umliegenden Wälder für sommerliche Jagdaufenthalte, wo Anna Maria selbst – entgegen der höfischen Gepflogenheit – Hirsche erlegte, mit dem Speer auf Wildschweinjagd ging und es liebte, aus den Fenstern des alten Benrather Wasserschlosses zu angeln. Sie unterstützte außerdem die Sammelleidenschaft des Kurfürsten und ermöglichte ihm Kunstankäufe in ihrer Heimat Italien. Dank des Mäzenatentums des Paares entwickelte sich Düsseldorf zu einer bedeutenden Residenzstadt. Diese kulturelle Blüte, die durch das Paar angestoßen wurde, haben bis heute ihre Spuren in Düsseldorf hinterlassen.

Elisabeth Auguste von der Pfalz

Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath
Foto: RP/Schloss Benrath

Bautätigkeiten hochadeliger Frauen waren keine Seltenheit: Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach (1721-1794), die bei der Erbauung des heutigen Benrather Schlosses ihre Finger im Spiel hatte, war die Urenkelin Elisabeth Amalias von Pfalz-Neuburg. Daneben wurde lange übersehen, dass es Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach war, die das Herzogtum Jülich-Berg und damit Benrath in die Ehe mit ihrem Cousin Karl Theodor von der Pfalz und Bayern einbrachte. Seine Kurfürstenwürde hatte er maßgeblich ihrem dynastischen Rang zu verdanken. Selbstbestimmt mischte sich die junge Kurfürstin dann auch in die Regierungsgeschäfte ein und trat als Förderin der Künste in Erscheinung. Die Erwartungen, einen Erben zur Welt zu bringen, konnte sie allerdings nicht erfüllen. Nach 19 Ehejahren gebar sie endlich einen Sohn, doch die Geburt verlief dramatisch. Durch den Einsatz einer Geburtenzange wurde der Schädel des Säuglings so stark verletzt, dass er am folgenden Tag verstarb – woraufhin die Mutter mehrere Schulen für Hebammen gründete. Die Eheleute entfremdeten sich durch den Verlust des Sohnes und Elisabeth Auguste isolierte sich. Schloss Benrath besuchte sie im Laufe ihres Lebens nur ein einziges Mal – getrennt von ihrem Ehemann.

Wilhelmine Luise von Preußen

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Foto: RP/Schloss Benrath

Prinzessin Wilhelmine Luise von Preußen (1799-1882) kam mit ihrem Gemahl Prinz Friedrich, dem Neffen von König Friedrich Wilhelm III., nach Düsseldorf. Das Paar sollte als Repräsentant der Preußischen Krone die Vorbehalte der Rheinländer gegen die Preußen entschärfen.Als Amtssitz diente ihnen Schloss Jägerhof, während Schloss Benrath als Lustschloss für private Aufenthalte genutzt wurde. Die kränkliche Wilhelmine Luise engagierte sich in dieser Zeit im karitativen, kirchlichen sowie kulturellen Bereich und hinterließ ihre Spuren: So wirkte sie in der Graf-Recke-Stiftung mit, die sich um Waisen- und Straßenkinder kümmerte, unterstützte die Gründung der Diakonieanstalt in Kaiserswerth und wurde zur Protektorin der 1837 gegründeten Luisenschule, dem heutigen Luisen-Gymnasium.Außerdem unterstützte sie gemeinsam mit Prinz Friedrich die Düsseldorfer Kunstakademie und drückte sich selbst kreativ durch die Malerei aus. Zahlreiche ihrer Ansichten von Benrath sind bis heute erhalten. 1843 zog Wilhelmine Luise schließlich ins Schloss Eller, um dem Trubel am Hofe zu entgehen, denn König Friedrich Wilhelm IV. und seine Frau Elisabeth kamen nach Schloss Eller, wo sie Friedrich Wilhelms Lieblingsschwester, die russische Zarin, empfingen.

Stephanie von Hohenzollern

Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath
Foto: RP/Schloss Benrath

„Sie beschenkte nicht bloß die Armen, sie lebte, sie liebte und litt mit ihnen und ihr freundliches Wort wirkte mehr noch als die Gabe, die ihre wohltätige Hand reichte“ – so steht es geschrieben über die zweite Tochter der Hohenzollern-Sigmaringer, Stephanie (1837-1859), die Schloss Benrath mit ihrer Familie als Sommerresidenz nutzte.Durch ihr umfangreiches karitatives Engagement in Düsseldorf ist sie bis heute als „Engel der Armen“ im Gedächtnis geblieben. Als sie 1858 den portugiesischen König Dom Pedro V. heiratete und nach Lissabon zog, zeigte der Abschied der Düsseldorfer Bevölkerung die Identifikation mit der jungen Königin. Mit einem großen Aufgebot überreichten ihr Vertreter der Stadt ein Album mit Aquarellen der Düsseldorfer Künstlerschaft, das bis heute in Lissabon aufbewahrt wird. Von der mehrtägigen Schiffsreise erreichte ein inniger Abschiedsgruß Düsseldorf, der auch Stephanies Verbundenheit mit der Stadt verdeutlicht. Stephanie erkrankte kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Lissabon und verstarb mit nur  22 Jahren. In Düsseldorf setzte man der Königin daraufhin ein Denkmal, das heute im Hofgarten zu finden ist. Der Tod in jungen Jahren trug im Nachhinein zu ihrer Verklärung als „Engel der Armen“ bei.

Antonia von Hohenzollern

Ausstellung zu bedeutenden Frauen in der Geschichte von Schloss Benrath
Foto: RP/Schloss Benrath

Die portugiesische Königstochter und Schwägerin von Stephanie, Antonia (1845-1913), verbrachte mit ihrem Gemahl, dem Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen, etwa zwölf Jahre in Benrath, wobei sie nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter im Schloss lebten. Dafür musste das Schloss, beispielsweise mit zusätzlichen Heizöfen, noch weiter ausgestattet werden. Hierbei hat Antonia entscheidend mitgewirkt. Wie zahlreiche Adelsfrauen ihrer Zeit beschäftigte sich Antonia darüber hinaus mit der Malerei. Zwar war eine künstlerische Betätigung für die Frau von Adel keineswegs ungewöhnlich, aber die außerordentliche Begabung der Erbprinzessin, die viele männliche Künstler ihrer Zeit in den Schatten stellte, muss deutlich hervorgehoben werden. Dennoch blieb ihr wegen ihres Geschlechts der Ruf einer großen Künstlerin verwehrt. Aus der Benrather Zeit sind viele Blumendarstellungen und einige Parkansichten erhalten. Für wohltätige Zwecke fertigte sie auch Aquarelle, die als Postkarten verkauft wurden. Zahlreiche frühe Fotos von ihrer künstlerischen Betätigung sind heute noch erhalten. Außerdem pflegte Antonia engen Kontakt zu bekannten Düsseldorfer Künstlern.