Benrath: Als die Queen Schloss Benrath besuchte

Benrath : Als die Queen Schloss Benrath besuchte

In einem launigen Vortrag anlässlich der derzeitigen Ausstellung "Schloss Benrath macht Staat" erzählte Kuratorin Melanie Florin Details und Anekdoten über den Besuch von Elizabeth II. in Düsseldorf.

Sogar eine Entenmutter mit ihren Küken erwies Queen Elisabeth ihre Referenz, als sie bei ihrem Deutschlandbesuch am 25. Mai 1965 vor Schloss Benrath vor dem Hauptportal aus dem Wagen stieg. Zunächst wollten die Tiere den Weg der Queen kreuzen, änderten dann aber ihren Kurs und ließen dem hohen Gast den Vortritt. Diese nette Episode erzählte Kuratorin Melanie Florin bei ihrem Vortrag über den damaligen Besuch der Königin. Der Vortrag ist einer von mehreren anlässlich der derzeitigen Ausstellung "Schloss Benrath macht Staat". Erinnert wird an die Besuche von hohen Staatsgästen und gekrönte Häupter in Düsseldorfs bester Stube.

Die Queen, längst die bekannteste Frau der Welt, weilte mit ihrem Gemahl Prinz Philipp zehn Tage in Deutschland, und schüttelte insgesamt - so hat es damals einer ausgerechnet - rund 17 000 Hände. Zwei Monate war der "Besuch des Jahrhunderts" von Landesregierung, Stadt und zwei englischen Protokollbeamten vorbereitet worden.

Düsseldorf wollte sich von seiner besten Seite zeigen. Dazu gehörte auch ein neuer Anstrich für den Benrather Bahnhof. Denn dort kam die Königin mit dem Zug an. Zunächst zuckte sie zusammen ob der lauten Begrüßung: 21 Schuss Salut. 15 "weiße Mäuse", Kradfahrer der Polizei, geleiteten dann den Wagen des Paares zum Schloss. Tausende von Düsseldorfern, einige hatten sich schon um 7 Uhr die besten Plätze gesichert, winkten der Queen, die einen hellblauem Mantel und gleichfarbiges Kostüm trug, zu.

Vor dem Schloss standen dutzende Lorbeerbäume, das Innere war geschmückt mit mehreren tausend Blumen, darunter 1000 rote Rosen. Ein Zeremonienmeister sorgte dafür, dass alles auch im Sinne des hohen Besuches ablief. 60 Gäste hatte der damalige Ministerpräsident Franz Meyers zum "Frühstück", das aber eher einem Menu glich, eingeladen. Sie wurden vorher belehrt: Hofknicks ist in England abgeschafft, Handkuss kennt man auf der Insel kaum, auf keinen Fall die Königin von sich aus ansprechen. Auch schwarze Kleidung war nicht erwünscht. Beim Menu, das bis zuletzt Geheimsache blieb, gab es ebenfalls ein paar Tabus. So stand fest, dass kein Wild serviert wurde. Mag die Königin nicht. Die Stühle hatte die Landesregierung eigens für den Empfang anfertigen lassen. Sogar eine eigene Toilette ließ man für die Königin einbauen.

Beim Essen plauderte sie mit dem neben ihr sitzenden Ministerpräsidenten Meyers. Ein Beobachter damals: "Sie wirkte gelöst und heiter und lachte mehrmals während des Gesprächs." Wobei nicht feststeht, ob über ein paar Dönekes, die Meyer erzählte oder über sein rheinisches Englisch. Danach ging es im offenen Wagen Richtung Rathaus. Die Queen hatte ausdrücklich gewünscht, man möge nicht schneller als zwölf Stundenkilometer fahren. So konnten die rund 500 000 Menschen, die an der Strecke standen, ihr in aller Ruhe zujubeln. Im Rathaus empfing sie der damalige OB Willi Becker. Auch hier gab es viele Schaulustige. An der Rheinterrasse endete der Besuch. Mit dem Schiff fuhr die Queen nach Duisburg. Ihre Worte zum Abschied blieben vielen in Erinnerung: "Wir hoffen, dass die dunklen Jahre für immer vorbei sind."

(wber)