Benrather Geschichte : Heimatarchiv sucht Ausweichquartier

Seit 40 Jahren sammeln Ehrenamtler Dokumente und historische Objekte aus Benraths Geschichte.

Das Heimatarchiv Benrath blickt in diesem Jahr auf sein 40-jähriges Bestehen zurück. Für Wolfgang Sauer, Leiter des Archivs, eigentlich ein schöner Anlass, auf die reichhaltige Sammlung zu verweisen. Allerdings hat er auch Grund, mit Sorge in die nähere Zukunft zu schauen. Anfang 2021 soll das Benrather Rathaus saniert werden, für die 18 Monate dauernden Arbeiten muss dann auch das Heimatarchiv einen anderen Standort finden.

„Das ist für uns ein Riesenproblem“, sagt Archivleiter Sauer. Zum einen denkt er an die Kosten des Umzugs, zum anderen an geeignete Räume für den Übergang, die gefunden werden müssen. Aber Sauer weiß auch schon, an wen er sich mit den Nöten des Heimatarchivs wenden wird: Ina Scharrenbach, die Heimatministerin von NRW. „Die muss uns helfen.“

In den drei Kellerräumen des Rathauses ist in den vergangenen 40 Jahren eine imposante Sammlung von historischen Dokumenten und Objekten entstanden, vieles davon haben Bürger beigesteuert. Etwa die verschiedenen Schülermützen, die vor Beginn des Nationalsozialismus von Benrather Jungen getragen wurden. Sie sind in einer kleinen Vitrine ausgestellt. „Jede Klasse hatte eine eigene Farbe“, sagt Sauer. Und mit Schuljahresende besorgten sich die Jungs direkt die neue Mütze für die nächsthöhere Klasse. Die Ausstellungsstücke kommen auch bei vielen Schülern gut an, die meist im Geschichtsunterricht ins Archiv kommen. Auf großes Interesse stoßen bei ihnen aber auch die Dokumente und Bilder, die an die Zeit des Dritten Reichs in Benrath erinnern.

  • Volles Haus im Benrather Heimatarchiv: Der
    Benrather Heimatarchiv : Eine Benrather Lehrstunde
  • Serie Stadtteil-Geschichten : Ordner und Laufwerke voller Geschichte
  • Gestern endete die Wallfahrtswoche zu Ehren
    Kirchen : Benrather ehren die Schwarze Madonna
  • In den kommenden Monaten werden im
    Fällsaison 2021/2022 im Düsseldorfer Süden : Diese Bäume werden gefällt
  • So soll die neue Hauptschule an
    Ersatzneubau an der Melanchtonstraße : Hauptschule zieht erst in den Osterferien um
  • Bestsellerautorin Julia Franck (l.) im Gespräch
    Reihe in der Benrather Bücherei gibt es seit 25 Jahren : Autorin Julia Franck zu Gast bei der Montagsprosa

Sauer selbst hat als Geschichtslehrer am Schloss-Gymnasium unterrichtet und als erster Historiker die Leitung des Archivs 2007 von dem Benrather Architekten Peter Müller übernommen. Den Grundstein hatte 1979 Theo Fühles gelegt. Der frühere Leiter der Bezirksverwaltungsstelle wollte nach seiner Pensionierung nicht nur auf der Parkbank sitzen, erzählt Sauer. Ihm sei sehr viel zu verdanken. So hat der Archiv-Gründer beispielsweise auch die Schriftenreihe „Benrath historisch“ ins Leben gerufen und 14 Bände herausgebracht.

Wenn Sauer durch das Archiv führt, dann kommen die Besucher oft nur zögernd hinterher. Zu viele ausgefallene Stücke ziehen den Blick auf sich. Seien es die Bilder von einem Leistungskurs Kunst, auf denen das Benrather Schloss in die unterschiedlichsten Winkel der Welt verpflanzt wurde, etwa auf den Roten Platz in Moskau neben den Kreml oder neben die Chinesische Mauer. „Es haben schon viele gefragt, ob man sie kaufen kann“, sagt Sauer. Fehlanzeige. Das gleiche gilt für das häufig geäußerte Kaufinteresse an einer Wachstuchtischdecke auf einem alten Tisch im Ausstellungsraum. Sie bildet eine alte Landkarte von Benrath ab.

Geschichtlich schwerwiegender sind viele Dokumente aus der Nazizeit. Die Urkunde, mit der die Stadt Düsseldorf „Herrn Reichskanzler Adolf Hitler“ zum Ehrenbürger machte, hängt im Archiv an der Wand, auch wenn sie keinen direkten Bezug zu Benrath hat. Ebenfalls ausgestellt ist ein amtliches Schulblatt von 1938, in dem der Schulunterricht für Juden untersagt wird. „Das müsste eigentlich in jedes Schulbuch rein“, findet Sauer.

Viel Freude hat der Historiker an Erinnerungsstücken von Hilde Viehring und Erika Müller. „Die kennt heute niemand mehr.“ Die beiden Frauen organisierten von 1921 bis 1957 die Benrather Schlossspiele, zu denen schon damals 10.000 Menschen kamen. Ein Kostümspektakel zu Ehren von Kurfürst Karl Theodor. Der Nachlass von Hilde Viering ist wie zahlreiche andere alten Dokumente in Stahlschränken untergebracht, von denen insgesamt 25 ordentlich nummeriert im Keller stehen.

Es ist ein interessantes Nebeneinander, das in dem Büroraum zu sehen ist. Neben alten noch funktionierenden Rundfunkgeräten stehen einige Computer. „Wir sind dabei, alles zu digitalisieren“, sagt Sauer. Die elf Ehrenamtler des Archivs bekommen dabei immer wieder Unterstützung von Studenten der Uni.