1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile

Unterbilk: Auch mit Hundert noch zum Tanztee

Unterbilk : Auch mit Hundert noch zum Tanztee

Ute Schreiber organisierte anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Bilker Stadtteilzentrums im Bürgersaal eine Party für die ältere Generation. Die Nachfrage war riesig, nicht alle tanzfreudigen Senioren konnten eingelassen werden.

Elfriede Katzmann tanzt zwar nicht mehr selbst, denn sie sitzt seit einiger Zeit im Rollstuhl. Aber die alte Dame, die aus Lörick angereist war, hatte dennoch sichtlich Freude bei der ersten Ü40- bis Ü100-Party im Bilker Bürgersaal. Allerdings gehörte Elfriede Katzmann nur noch so gerade eben zu der Zielgruppe dieses Festes: Sie ist nämlich 100 Jahre alt und war damit eindeutig der älteste Partygast im Stadtteilzentrum.

Das ungewöhnliche Event hatte Ute Schreiber aus Anlass des fünfjährigen Bestehens des Bilker Stadtteilzentrums organisiert, und dafür ihre vielfältigen Kontakte in der Düsseldorfer Seniorenszene spielen lassen: Schreiber war fünf Jahre lang Seniorenbeirätin, sie ist Vorsitzende des Awo-Ortsverbandes Altstadt, sitzt im Vorstand des Kreisverbandes und organisiert die monatlichen Theaterbesuche für Senioren in der Komödie an der Steinstraße. Diese Karten sind sehr gefragt, zumal die Seniorenvorstellung, die von Schreiber organisiert wird, stets eine Vorpremiere vor der eigentlichen Premiere in der Komödie ist.

Überhaupt ist Ute Schreiber, die quirlige Frau mit den knallroten Haaren, in den letzten Jahren zu einer Art Fachfrau für Seniorenangelegenheiten und- freizeitgestaltung in Düsseldorf geworden. Sie hatte auch die Grand-Prix-Party anlässlich des Eurovision Song Contests in Bilk organisiert. Die Party damals für Tanzfreudige ab 60 Jahren war der Renner.

"Diesmal habe ich aber die Altersgrenze mit über 40 bewusst niedriger angesetzt", sagt Schreiber. "Denn meiner Meinung nach sollen auch Jüngere schon Zugang in die Kreise der Senioren finden. Viele fallen ja, wenn sie in den Ruhestand kommen, in ein seelisches Loch. Wenn man sich aber frühzeitig mit diesem Lebensabschnitt beschäftigt, dann kommt man spät besser damit zurecht." Schreibers Konzept trifft offenbar den Nerv: Die Party im Bilker Bürgersaal war bereits kurz nach Bekanntgabe restlos ausverkauft, viele mussten abgewiesen werden, denn der Saal fasst nur eine begrenzte Personenzahl. Schon ab den Nachmittagsstunden herrschte drangvolle Enge auf dem Parkett, tanzten dort Menschen mehrerer Generationen munter neben- und miteinander. Elfriede Katzmann, die von ihrer Schwiegertochter eigens aus dem Löricker Seniorenheim nach Bilk zur Party gebracht worden war, beobachtete das muntere Treiben amüsiert von ihrem Rollstuhl aus: "Es ist schön, wenn die jungen Leute noch so viel Spaß haben", so ihr Urteil.

"Es macht wirklich Freude zu sehen, wie die Senioren bei einer solchen Veranstaltung aus sich heraus gehen", fand auch Ute Schreiber. "Da können auch sie wieder neue Leute kennenlernen. So ein Tanztee ist ja wie eine Kontaktbörse. Die Senioren spüren, dass sie noch mitten im Leben stehen." Das sei umso wichtiger, so Schreiber, angesichts der Tatsache, dass die Vereinsamung alter Menschen zunehmend zum Problem werde. Und auch die Altersarmut steige selbst im reichen Düsseldorf, weswegen viele Senioren kaum noch etwas unternehmen würden. Schreiber: "Man muss diese Menschen einfach aus ihrer Wohnung locken. Denn viele bekommen auch keinen Besuch mehr." Ob es eine Fortsetzung der Ü40-Ü100-Party geben wird, weiß Ute Schreiber noch nicht. "Das liegt ja alles immer am Geld."

(RP)