Kulturkreis holt schwul-lesbische Bücherei nach Düsseldorf Angermund

Literatur zur Homosexualität : Räume für schwul-lesbische Bücherei

Die Bibliothek hat nach zehn Jahren Suche neue Räume im Bürgerhaus erhalten. 3000 Werke rund um Themen zur Homosexualität können dort entliehen werden.

Reise, Gesundheit, Psychologie und fremdsprachige Literatur – das sind Kategorien, die man wohl in jeder üblichen Bücherei findet. Die neue Bücherei im Angermunder Bürgerhaus ist aber eine besondere Einrichtung, denn sie ist eine schwul-lesbische Bibliothek und deshalb findet man dort auch Bücher beispielsweise zu den Themen Bisexualität, Lesbenromane, Männerbiografien und Transsexualität.

Ins Leben gerufen wurde die Buchsammlung bereits 1996 von einer Gruppe des Lesben- und Schwulen-Zentrums Düsseldorf und ehrenamtlich geleitet von der Lektorin Andrea Schroeder und dem Buchhändler Markus Gickeleiter. Die letzten zehn Jahre waren die Werke aber nicht mehr frei zugänglich, da passende Räume fehlten. Die Bücher wurden deshalb in 40 Bananenkartons verstaut und lagerten seitdem in der Wohnung von Gickeleiter. „Das geht gar nicht, dass Bücher, die jemand gerne lesen will, nicht zugänglich gemacht werden können“, sagt Alexander Führer, Vorstandsmitglied des Angermunder Kulturkreises (AKK). Er nennt damit einen der Gründe, warum der Kulturkreis sich entschlossen hat, einen Teil seines Museums im Bürgerhaus für die Lesben- und Schwulen Bibliothek Düsseldorf (LUSBD) zur Verfügung zu stellen.

„Uns ist klar, dass solch eine Einrichtung im konservativ geprägten Stadtteil etwas heikel sein kann, aber das seriöse Auftreten der beiden Leiter hat uns überzeugt“, sagt Benjamin Schwarz vom AKK. Zudem habe es sich der Kulturkreis zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Leben im Stadtteil zu fördern. „Die Bücherei wird zu einer Belebung des Bürgerhauses, das uns ja von der Stadt überlassen wurde, beitragen und dieses bekannter machen“, sagt Gisela Wiemer vom AKK.

Rund 3000 Werke umfasst die Bücherei und soll damit die größte gemischte Büchersammlung in Deutschland zu den Themen Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender sein. Geplant ist, sie monatlich um 50 weitere Bände zu ergänzen. Die Bücher nähern sich auf unterschiedliche Weise dem Thema an oder wurden von homosexuellen Autoren wie Oscar Wilde, Klaus Mann oder der antiken Philosophin Sappho, die auf der Insel Lesbos lebte, geschrieben. Es gibt beispielsweise Reiseführer für homosexuelle Paare, Krimis, Biografien und japanische Comics mit homosexuellen Protagonisten und Aufklärungsliteratur.

Einige der Bücher stehen auch in den Regalen der Stadtbücherei wie die Krimis der lesbischen Krimi-Autorin Rita Mae Brown oder wie der Bestseller „Königsallee“ von Hans Pleschinski. „Das Problem ist bloß, dass man die Bücher dort nur schwer findet“, sagt Gickeleiter. Als Beispiel führt er das Buch „Geschichte einer Liebe“ von Angela Steidele an, das die Liebe zwischen Adele Schopenhauer und der Rheingräfin Sibylle Mertens-Schaaffhausen beschreibt. „Das Buch ist in der Stadtbücherei unter dem Schlagwort Biografie, aber nicht unter dem Schlagwort lesbisch zu finden.“

Zudem würde auch dort keine Beratung und Begleitung zum Thema Homosexualität und zu den entsprechenden Büchern stattfinden, sagt Gickeleiter, der das selber ausgetestet hat. „Für einen Jugendlichen, der sich in der Orientierungsphase befindet, ist es schwierig, entsprechende Literatur zu finden“, sagt Schwarz. Die Bücherei in Angermund sei hingegen ein niedrigschwelliges und kostenloses Angebot, bei dem auch darauf geachtet wird, dass Jugendliche nur die für sie bestimmte Literatur erhalten würden.