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Flüchtlingscafé wird zum Stadtteiltreff "Café.komm" in Düsseldorf Angermund

Stadtteilangebote in Düsseldorf : Flüchtlingscafé wird zum Stadtteiltreff

Im Café.komm ist jedermann willkommen. Dank der professionellen Ausrichtung wird das Angebot gut angenommen.

Marion und Christian Seidler sind voll des Lobes. „Der Kuchen ist immer lecker und günstig, die Einrichtung sehr hübsch und vor allen Dingen ist das hier ein netter Treffpunkt.“ Mit hier ist das „Café.komm“ in der Straße An den Linden, direkt neben dem Pfarrhaus, gemeint. Das passt, denn das Café ist unter dem Dach der evangelischen Kirche Lintorf-Angermund in Gemeinderäumen entstanden. Ursprünglich war es 2015 gegründet worden, um Flüchtlingen eine Anlaufstelle auch außerhalb ihrer Unterkünfte zu bieten, in der sie auch Unterstützung und Ratschläge erhalten können. Inzwischen hat sich das Café aber zu einem Treffpunkt für den gesamten Ort entwickelt, sitzen Mütter mit Kindern neben Senioren und Flüchtlingen. Oder wie es die Leiterin der Einrichtung Ulrike Kempf beschreibt: „Es ist ein Stadtteilwohnzimmer für Menschen in allen Lebenslagen und für alle Generationen. Ihnen wollen wir es besonders schön machen.“ Und das mit einem hohen Standard.

Denn wer den hellen Raum betritt, fühlt sich dank der liebevollen Einrichtung an ein Szene-Café erinnert. Auf der Ablage des Küchenbereichs in der Mitte des Raumes stehen Glasglocken, unter denen süße Köstlichkeiten liegen. Eine gemütliche Sofaecke lädt zum Plauschen ein, Fensterplätzen an einer kleinen Theke eignen sich prima, um das Geschehen auf der Straße zu beobachten oder um mit dem Laptop zu arbeiten. Überall im Raum sind hübsche Dekorationsartikel wie kleine Blumenvasen und Kerzen verteilt, die Wände zieren Schriftzüge und alle Lampen wurden originell verziert. Bilder der Malerin Elke Endert schmücken die Wände und eine große Wolfsskulptur aus Holz der Künstlerin Gudrun Schuster ist ein Blickfang. Für Kinder gibt es eine Spielecke mit Büchern und Spielen, für Jugendliche wurde ein Kicker aufgestellt.

Die tolle Ausstattung hat das Café aber erst seit Herbst. Das Konzept für den Raum wurde beim städtischen Projekt Kultur und Teilhabe gemeinsam von einer Künstlerin, einer Architektin, von Ehrenamtlichen, Jugendlichen, Gästen und dem Pfarrer entwickelt. Die Kosten für den Umbau des Gemeinderaums mit dem 1970er-Jahre-Charme in das wohnliche Café wurde mit Hilfe von Zuschüssen, Fördermitteln und Mitteln der Kirchengemeinde getragen. Die Kosten für eine auf drei Jahre angelegte Stelle der hauptamtlichen Mitarbeiterin Ulrike Kempf werden mit Fördermitteln der Lotterie Glücksspirale getragen.

Die schöne Atmosphäre ist es aber nicht alleine, was die Gäste anlockt. „Ich fühle mich hier immer willkommen“, sagt Marion Seidler. „Das Team ist sehr aufmerksam und freundlich“, findet die 41-jährige Tamara. Sie schaut immer wieder einmal mit ihren Kindern vorbei, wenn sie diese von der gegenüberliegenden Kita abgeholt hat, und das besonders gerne am Mittwoch, denn dann ist im Café.komm Waffeltag. „Die sind sehr lecker, wie eigentlich alles, was angeboten wird“, sagt Ingrid Maaßen, die im Café auf eine Bekannte wartet. Kein Wunder, sind die Kuchen, Waffeln, Kekse und Baisers doch alle selbst von einem interkulturellen Backteam hergestellt und werden professionell vermarktet. Auf Inhaltsstoffe und Allergene wird hingewiesen und die Helfer müssen die vorgegebenen hygienischen Regeln erfüllen, die auch schon vom Amt für Verbraucherschutz kontrolliert wurden.

Der Unterschied zu einem „normalen“ Café liegt aber weiterhin im Anspruch, Ansprechpartner für die Gäste zu sein. „Wir wollten einen Ort schaffen, der einlädt zum Verweilen, zur Begegnung, zu kulturellen Veranstaltungen, Aktionen und Netzwerken. Ein Ort in dem Menschen wohnortnah Hilfe und Begleitung bekommen können“, sagt Kempf. So treffen sich beispielsweise Gruppen aus der Gemeinde im Café, kommen weiterhin ratsuchende Flüchtlinge zu Besuch, kehren Schüler ein und zurzeit wird Ulrike Kempf von zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. „Ich würde noch gerne das Angebot ausweiten, beispielsweise einen Suppentag einführen. Dafür bräuchten wir aber mehr Mitstreiter.“