Bei Notrufen über das Handy landen Bürger bei der falschen Leitstelle.

Verwirrung bei Notrufen : Polizei rät, bei Notrufen an der Stadtgrenze den Ort mitzuteilen

Zwei Mal in sechs Jahren wählte Beate Döring den Notruf – beide Male landete sie bei Duisburger Leitstellen. Eine Lösung für das Problem gibt es nicht.

Es ist sechs Jahre her, dass Beate Döring per Notruf die Feuerwehr rief, da es ihrem Mann plötzlich schlecht ging. Damals landete sie noch in der Leitstelle der Duisburger Feuerwehr, da die Angermunder dieselbe Vorwahl wie Duisburg haben. Wertvolle Zeit, rund fünf Minuten, ging damals verloren, bis geklärt war, wo sich Beate Döring befand und sie mit der Düsseldorfer Leitstelle verbunden wurde, wo sie erneut ihr Anliegen vortragen musste. „Mein Mann ist damals gestorben und bis heute bleibt die Ungewissheit, ob es hätte anders kommen können, wenn ich mich um meinen Mann hätte kümmern können, statt zu erklären, wo ich bin“, sagt Döring.

Ein Jahr später, im Herbst 2014, hat die Bundesnetzagentur, die für die Vergabe von Rufnummern zuständig ist, die Netzbetreiber verpflichtet, die Lenkung von Notrufe zu den zuständigen Behörden umzustellen. Geschockt war deshalb Döring, als sie nun erneut mit dem gleichen Problem konfrontiert wurde. So begegnete ihr beim Spaziergang durch Angermund auf der Angermunder Straße in Höhe der Eisenbahnbrücke ein Exhibitionist. Als Döring ihr Handy zückte, nahm dieser Reißaus. Döring rief die Polizei und landete diesmal in der Leitstelle der Duisburger Polizei, die den von Döring angegebenen Standort nicht kannte. „Das war für mich unsäglich, die Situation noch einmal durchleben zu müssen. Und erst als ich den Beamten bat, die Straße zu googlen, stellte sich das Missverständnis heraus.“

Verschärfend kam hinzu, dass es auch in Duisburg eine Angermunder Straße gibt. „Ich konnte also froh sein, dass die Polizei nicht einfach dorthin ausgerückt ist“, sagt Döring. Die Duisburger Polizei bestätigt, dass immer wieder Notrufe aus Düsseldorf in ihrer Leitstelle auflaufen. „Das ist allerdings nicht mehr bei Anrufen aus dem Festnetz der Fall, sondern wenn wir über Handy alarmiert werden“, sagt der Polizeipressesprecher Stefan Hausch. Deshalb würde sich das Problem auch nicht auf Angermund beschränken, sondern auf alle Gebiete an einer Stadtgrenze beziehen. „Wir erhalten zum Beispiel auch Anrufe aus Oberhausen und Wesel. Es ist Zufall, in welchem Mast sich das Handy einwählt.“

Hausch rät deshalb, bei Notrufen, die an der Stadtgrenze abgesetzt werden, unbedingt die Stadt mitzuteilen, aus der man anruft. „Wir leiten dann entweder an die zuständigen Kollegen den Anruf weiter oder nehmen den Sachverhalt auf. Hausch betont in diesem Zusammenhang, dass die Nothilfe nicht an der Stadtgrenze aufhören würde. „Wenn es eilig ist und ein Streifenwagen von uns ist in der Nähe, helfen wir auch auf Düsseldorfer Stadtgebiet.“ Das war bei Döring nicht der Fall. Als nach 20 Minuten die Düsseldorfer Polizei eintraf, war der Exhibitionist verschwunden.