Analyse : Bald Wohnen auf Ackerland?

Erneut stand in der Bezirksvertretung 5 eine Bauvoranfrage auf der Tagesordnung, die wieder für Unmut sorgt. Die Politiker müssen nun beurteilen, ob eine Ackerfläche in Bauland umgewandelt werden darf.

Ein großer Interessenkonflikt wird die Mitglieder der Bezirksvertretung 5 auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen, wie sich in der jüngsten Sitzung des Gremiums zeigte. Die Schaffung von neuem Wohnraum ist für die wachsende Stadt Düsseldorf ein wichtiges Ziel. Auf der anderen Seite sollen Grünflächen erhalten bleiben, weil sie für Natur- und Landschaftsschutz, die Landwirtschaft, die Trinkwasserförderung und als Erholungsraum wichtig sind. Doch dabei gehen die Ansichten immer wieder darüber auseinander, was eine maßvolle Verdichtung ist und welches Areal noch zum grünen Außenbereich gehört — die Grenzen dafür sind nicht immer klar definiert.

Eine Bauvoranfrage für fünf freistehende Einfamilienhäuser und zwei Doppelhaushälften entlang der Straße Auf der Krone am Ortsrand von Angermund ließ die CDU-Fraktion deshalb erstmal zurückstellen, da sie noch über strittige oder unklare Punkte beraten will. Außerdem soll die Meinung der Anwohner, die nach Bekanntwerden der Pläne sofort heftig protestiert hatten, berücksichtigt werden.

  • Das Haus Litzbrück an der Bahnhofstraße
    Erhalt von historischen Gebäuden in Düsseldorf : Die Zukunft von Haus Litzbrück ist weiter ungewiss
  • Die Graf-Engelbert-Straße in Angermund ist eng,
    Verkehrsprobleme in Düsseldorf : Parksituation im Ortskern von Angermund bleibt ein Problem
  • Die Hornisten der Duisburger Philharmoniker eröffnen
    Freizeit in Düsseldorf : Vielfältige Shows vor schöner Naturkulisse in Angermund
  • So sah der Kinderclub am Froschkönigweg
    Kindergärten in Düsseldorf : Stadt wirbt um Fachkräfte für ihre Kitas
  • Nach Explosion in Leverkusen : Chempark-Firma bereitet Aufräum- und Bergungsarbeiten vor
  • Familie Böckamp aus Mettmann mit Hund
    Familie kommt nach Flut in Düsseldorfer Hotel unter : Zum ersten Mal wieder richtig schlafen

Die FDP hat sogar massive Zweifel an der Rechtmäßigkeit des geplanten Bauvorhabens. Ratsherr Matthias Röhl hat sich deshalb mit seinen Bedenken schriftlich an das Düsseldorfer Bauamt gewandt. "Wir appellieren an das Amt, sein positives Votum für eine Baugenehmigung zu überdenken", sagt Röhl. "Wie jetzt vorgeschlagen planlos in den Außenbereich zu bauen, widerspricht jeder mir bekannten Praxis."

Genehmigt wurde allerdings in der Sitzung der Bezirksvertretung diesmal die verkleinerte Bauvoranfrage Am Mühlenacker in Wittlaer, um die es im vergangenen Jahr ein rechtliches Hin und Her bei der Festlegung der Baugrenzen gab. Das zunächst von der Bezirksvertretung genehmigte Bauland darf nach Prüfung durch die Rechtsaufsicht nun nicht mehr vollständig bebaut werden. Die Lokalpolitiker hatten die Grenzen zum Außenbereich — nach Vorgaben der Verwaltung — zu großzügig interpretiert.

Genehmigt wurde jetzt Platz für sechs freistehende Einfamilienhäuser. "Wir wollen den freien Landschaftsraum erhalten, aber an den Stellen bauen, wo die Verdichtung Sinn macht, vorhandene Infrastruktur sinnvoll genutzt werden kann und das Ortsbild abgerundet wird", sagt Bernhard von Kries, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung.

Das wollen aber die Anlieger des Mühlenackers so nicht hinnehmen und haben rechtliche Schritte angekündigt. "Wir werden weiter für den Erhalt solcher Flächen kämpfen", sagt Anwohner Jörg Eckrodt. Zumal befürchtet wird, dass mit solchen Genehmigungen Präzedenzfälle geschaffen werden, die viele weitere Bauanträge an den Ortsgrenzen nach sich ziehen könnten. Eine Zersiedelung sei dann zu befürchten.

Ähnliche Proteste haben zumindest im zurückliegenden Jahr am Kleianshof in Kalkum für zeitweilige Ruhe gesorgt. Eine Bauvoranfrage, die sich mit der Errichtung von sieben Einfamilienhäusern im Landschaftsschutzgebiet beschäftigt, wurde von der Verwaltung kommentarlos zurückgezogen.

Um sicherer urteilen zu können, halten einige der Lokalpolitiker Bebauungspläne für sinnvoll, die von beteiligten Behörden geprüft und zu denen Bürger Stellung nehmen können. Und bis es die geben sollte, wünscht Jürgen Gocht (Die Grünen) wenigsten eindeutige Vorlagen von der Verwaltung, um bei der Beurteilung von Bauanträgen zumindest rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen.

(RP)