Angermund : Trecker-Freunde feiern Erntefest

Mehr als 100 historische Landmaschinen präsentierte der Verein bei seinem großen Fest. Vor allem kleine Jungs brachte das zum Staunen. Dennoch haben die Trecker-Freunde Sorge um ihre Zukunft: Die meisten Mitglieder sind über 60.

Reinsetzen, Zündschlüssel drehen oder Startknopf drücken und los geht’s: Was heute auch bei Traktoren ganz normal ist, brauchte früher einiges an Vorlaufzeit. Das wissen Hugo Kempken und Norbert Neu noch.

Kempken, weil er gelernter Landmaschinentechniker ist und insgesamt zehn alte Trecker besitzt, darunter einen Lanz Bulldog Baujahr 1945. Und Neu — er ist mit Geburtsjahrgang 1952 nicht mehr ganz so neu — weil er auf einem landwirtschaftlichen Gut aufgewachsen ist. So nimmt sich Kempken eine Lötlampe, stellt sie in die dafür vorgesehene Fassung am Glühkopfmotor ganz vorne am Bulldog und wartet zehn bis 15 Minuten. So lange dauert es, bis der mit Rohöl betriebene Ein-Kolben-Motor startklar ist. Dann nimmt Kempkes das Lenkrad ab, steckt die Lenkstange in eine seitliche Motorenöffnung und dreht den Motor an. Dabei muss er aufpassen, das Lenkrad direkt nachdem die Maschine läuft, wieder zu entfernen. Ansonsten dreht der knapp zehn Liter Hubraum des Einzylinder-Motors das zweckentfremdete Steuer mit gnadenloser Kraft um die eigene Achse und der Bulldog bleibt führungslos. „Das Andrehen der Maschine ist nichts für Laien. Da muss man gut aufpassen“, erklärt Kempkes. Seit 27 Jahren ist der 45er Bulldog in seinem Besitz, und das historische Erntefest in Angermund mit dem Treckertreffen gehört zu den „Pflichtterminen“ des Ratingers. „Der Lanz hat eine historische Straßenzulassung. Da bin ich in einer dreiviertel Stunde aus Ratingen rüber gekommen“, verrät Kempkes.

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Mit seinen knapp 20 Stundenkilometern Spitzenleistung ist der große 45er Lanz noch schnell. „Mein Elfer Deutz Baujahr 41 bringt es auf maximal acht Kilometer pro Stunde“, erklärt Treckerfest-Organisator Hardi Ceglarek. Er ist Vorsitzender der zehn Mitglieder starken Trecker-Freunde Angermund. „Vielleicht ist das Treckerfest 2018 das letzte gewesen. Uns fehlen die jungen Leute. Die meisten im Verein sind 65 und älter. Es ist viel Arbeit, so ein Treckerfest zu organisieren und durchzuführen.“ Verständlich versammeln die Treckerfreunde doch auf der großen Ackerfläche an der Viehstraße alle zwei Jahre 120 bis 150 alt-ehrwürdige Traktoren und noch so einige historische Landmaschinen wie Mähdrescher oder Dreschmaschinen. Zusätzlich wurde mit Hüpfburg, Mini-Eisenbahn oder Torwandschießen auch einiges für die Kinderbespaßung getan.

Bei den kleinen Jungs, die meisten Besucher des Treckerfestes waren Väter oder Großväter mit Söhnen oder Enkeln, musste keine gesonderte kindgerechte Unterhaltung geboten werden. So auch nicht für Neus Enkel Niko. Der Achtjährige war von den Maschinen, deren Ausmaße, Geräuschentwicklung und Vibrationen fasziniert. Kein Wunder, sind die stampfenden, zischenden und gurgelnden Geräusche mit der eingeschlossenen tiefschwarzen Rauchentwicklung eines Lanz-Bulldogs heutzutage undenkbar und auch aus dem gebräuchlichen Landmaschinenpark komplett verschwunden.

Da wurden die Augen der kleinen Treckerfans immer größer. „Ich bin als zehnjähriger Junge noch selbst auf solchen Traktoren gefahren. Mich interessiert alles, was mit Landwirtschaft zu tun hat“, sagt Norbert Neu. „Irgendwie scheint das in den Genen zu liegen. Immer wenn Niko eine Maschine hört, muss er gucken gehen.“ In Angermund gab es nicht nur für Niko jede Menge zu hören und demzufolge auch zu gucken. Denn bei den Trecker-Freunden wurden die alten Landmaschinen nicht nur ausgestellt, sondern auch in Aktion gezeigt.