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Wo die schönste Stuckdecke Düsseldorfs ist und was Sie darunter nun können

Sehenswürdig : Die schönste Stuckdecke Düsseldorfs

In der Parlin-Weinbar sollte man den Blick ruhig mal vom Teller heben. Denn fürs Auge hat das Lokal auch oben was zu bieten. Bis ins 19. Jahrhundert lässt sich die Geschichte der Decke zurückverfolgen.

Die Parlin-Weinbar an der Alte­stadt 12-14 ist kein Geheimtipp. Einen Tisch kriegt man meist nur auf Bestellung, und vor allem Weinkennern dürfte das französisch-deutsche Restaurant mit seiner Auswahl an über 300 Weinen ein Begriff sein. Abseits kulinarischer Genüsse ist das Lokal noch für ein ganz anderes Highlight bekannt. Übersehen kann man die feinen Barockornamente und schönen Ziselierungen kaum, da sie allgegenwärtig über den Köpfen der Essenden schweben. Und wenn doch, dann lenken spätestens die deckenhohen Spiegel an der Wand den Fokus wieder auf das wesentliche Merkmal des Lokals – die wahrscheinlich schönste und älteste Stuckdecke der Altstadt.

„Man munkelt, unter dieser Decke wäre damals sogar schon Napoleon eingekehrt“, sagt Inhaberin Beata Heusner schmunzelnd. Zwar ist der Begriff „Retematäng“ für die angrenzende Ratinger Straße als Bezeichnung einer Vergnügungsmeile durchaus von einem Ausruf Napoleons abzuleiten. Doch ob der damalige Kaiser von Frankreich bei seinem kurzen Besuch 1811 auch wirklich hier dinierte, sei zumindest dahingestellt.

Adlig ist die Geschichte der Decke in jedem Fall, wechselte das zugehörige Gebäude seit 1627 doch nachweislich in die Besitzungen verschiedener Freiherren. So prangt noch immer das Wappenrelief seiner Erbauerfamilien von Scheidt-Weschpfennig und von Tengnagel über dem Eingangstor. Zu den bekannteren, adligen Hausbesitzern zählen aber wahrscheinlich die Düsseldorfer Grafen von Spee. Doch welcher der Aristokraten nun genau die feinen Stuckarbeiten in Auftrag gab, ist nicht bekannt. Nur, dass die Decke zumindest älter als 140 Jahre sein muss. So führt der Regionalhistoriker Heinrich Ferber in seiner Aufzeichnung zur Altstadt-Geschichte „eine prächtige Plafonddecke“ an, die zu einer Kunstausstellung im Haus 1880 nachgebildet wurde „und gerechtes Aufsehen erregte“.

Nicht der einzige Superlativ, mit denen verschiedene Zeitgenossen die Schönheit der Decke in ihren Beschreibungen bewarben. Auch heute noch erwecken die handgegossenen Muschelmotive Aufsehen, wenngleich sich die Stammgäste von Heusner inzwischen an den prächtigen Anblick gewöhnt haben. „Fragen zu der Decke kommen nur noch von neuen Gästen. Die vermuten aber gleich bloßes Styropor dahinter“, sagt Heusner. Doch es ist empfindlicher Gips, der sich um den Kronleuchter ausbreitet. In Form gebracht durch handgeschnitzte Negativformen, die der Stuckateur beim Trocknen an die Decke schraubte. Manch feiner Riss zeigt sich im spröden Material – Erinnerungen an den Umbau des Andreas-Quartiers in der Nachbarschaft.

Auch sonst musste bei der Restauration der denkmalgeschützten Decke vor elf Jahren viel Feingefühl eingesetzt werden. „Damals war das noch eine richtig gammlige Altstadt-Kneipe. Alles war rot bemalt“, erinnert sich die gebürtige Slowakin zurück. Sie spielt auf die Deckenbemalung mit freizügigen Motiven ihres Vorgängercafés Bagel an, welche die Stuckdecke damals ergänzte. Davor war das Lokal allenfalls bekannt, weil in den 1970er-Jahren Barfrau Mora hier kurzzeitig eine Boutique betrieb. Sie war eine Ikone der 1977 geschlossenen, legendären Szenedisko „Creamcheese“ in der Neubrücker Straße – die empfindlichen Stuckarbeiten dienten ihr als Bügelhalter für die ausgestellte Mode. Und auch ein Bestattungsunternehmen findet sich in der Hausgeschichte wieder.

Die Adresse ist bekannt. Auch Gastronomin Heusner hatte die Räumlichkeiten lange im Blick. Die Gelegenheit ergab sich plötzlich, als der Vorbesitzer per Gerichtsbeschluss ausziehen musste. Viel verändern konnte sie nicht, da das gesamte Haus von der Stadt in der Denkmalschutz-Liste mit dem Erbauungsjahr 1627 geführt wird. Deswegen durfte auch der Kronleuchter nicht allzu groß ausfallen, um die Traglast der altehrwürdigen Wände nicht zu gefährden. Viel Schmuck sei bei der Innenausstattung im „Parlin” sowieso unnötig, findet Heusner. „Um der Decke bloß keine Konkurrenz zu machen.”