1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Altstadt

Düsseldorf: Wie der schiefe Turm von Lambertus entstand

Düsseldorf : Wie der schiefe Turm von Lambertus entstand

Am 11. Januar 1815 setzte ein Blitz die Kirche in der Altstadt in Brand. Der mutige Joseph Wimmer rettete das Gotteshaus.

Es geht in dieser Geschichte um Wut, Feuer, Zerstörung und schwere Verletzungen - und sie wird doch gut enden.

Joseph Wimmer hätte am 11. Januar 1815 viele Gründe gekannt, den Kirchturm von St. Lambertus einfach brennen zu lassen. Rund zwei Jahre zuvor hatte der Schlossermeister dort drei schadhafte Glocken ausgetauscht und drei neue aufgehängt. Nicht wenige hätten dafür 500 Reichstaler verlangt, heißt es in einem Bericht aus der Zeit, Wimmer aber erhielt nur 163 Taler. Alle Forderungen, die darüber hinausgingen, lehnte die Gemeinde ab. Der damals 31-Jährige nahm "im höchsten Zorne" das Geld.

Dann schlägt gut zwei Jahre später der Blitz in den Turm. Es gibt zwar Ableiter, die aber wirken nicht, weil sie nicht mit der Helmstange, auf der der Hahn sitzt, verbunden sind. So entzündet sich die Spitze, der Turm wirkt wie ein Windofen, und bald schon steht der Turm in Flammen.

Es mangelt kurze Zeit später nicht an Helfern, wohl aber an Ideen. Der Polizeidirektor, der Oberbürgermeister, Beigeordnete, Brandräte, Soldaten und Bürger versammeln sich am Fuße des Turms. Sie haben Wasserspritzen und Eimer dabei, aber das Feuer brennt 233 Fuß über ihnen. Die Spritzen reichen nicht so hoch, die Eimer erscheinen wenig sinnvoll angesichts der vielen Stiegen und Leitern, die bis ganz nach oben zu bewältigen sind.

  • Eine Polizeistreife in der Düsseldorfer Altstadt
    Nach Bluttaten in der Altstadt : CDU und Grüne wollen neues Sicherheits-Gremium für Düsseldorf
  • In der Nacht zum vergangenen Samstag
    Totschlag an der Rheinuferpromenade : Es ist kein Problem der Altstadt
  • Benders Marie: Die Speisekarten hängen neben
    Rätselraten um Düsseldorfer Traditionslokal : Was ist bloß los bei Benders Marie?
  • Polizeistreifen in der Düsseldorfer Altstadt sind
    Gewalt in der Altstadt : „Wir können die Grenzen zu Düsseldorf nicht hochklappen“
  • In den meisten Altenheimen sind mindestens
    Corona-Lage in Pflegeeinrichtungen : Altenheime setzen auf Vorsicht
  • In diesem Jahr hat es in
    Tagebau Garzweiler : RWE setzt Abrissarbeiten in Lützerath teilweise aus

Joseph Wimmer reagiert sofort. Bei einem benachbarten Axtmacher holt er sich Axt und Säge und klettert in die Spitze. Ganz oben erwartet ihn die Hölle. Er steht mitten in Rauch und Flammen, Blei tropft ihm auf den Zylinder und die Hände. Doch Wimmer löst die angebrannten Balken, wirft sie hinunter und reduziert so das Feuer. In der Zwischenzeit gelingt es, die Wasserschläuche so anzubringen, dass auch in den großen Höhen gelöscht werden kann. Mehr als drei Stunden nach dem Blitzeinschlag sind die letzten Flammen erstickt. Die Spitze des Turms ist zerstört, aber nicht wie eine Fackel hinuntergefallen. Das Kirchenschiff hat keinen Schaden genommen, und die Flammen haben nicht auf die umstehenden Häuser übergegriffen.

So gut fällt die Bilanz für den mutigen Wimmer nicht aus. Er hat starke Verbrennungen erlitten, seine Hände sind so schwer verletzt, dass er nie wieder als Schlosser arbeiten kann. Zumindest stimmt die Fürsorge. Dank einer Geldsammlung für erhält Wimmer noch im selben Jahr eine hohe Belohnung. Das Offizierskorps schenkt ihm eine beinah 100 Jahre alte Augsburger Kugelbüchse als Tabakdose, der preußische Staat verleiht ihm das Allgemeine Ehrenzeichen. Später stellt die Stadt den Retter von Lambertus ein, Wimmer arbeitet fortan am Zolltor als Wächter und Marktmeister. Seinen Mut bewahrt er. In seinem 60. Lebensjahr eröffnet er in der Düsseldorfer Neustadt eine Badeanstalt am Rhein.

Der Turm von Lambertus hat nach dem Brand seine bis heute sichtbare, eigenwillige Form erhalten. Die neue Spitze erhielt einen schweren Bleischutz. Durch das höhere Gewicht wuchs der Druck immens. Die Spitze neigte sich in Richtung Rhein, verdrehte sich, musste stärker gestützt werden und steht heute als "der schiefe Turm von Lambertus" über den Dächern der Altstadt.

Die Düsseldorfer haben Wimmer nach seinem Tod 1860 noch mehrfach besonders geehrt. Begraben wurde er auf dem Bilker Friedhof an der Volmerswerther Straße, der längst nicht mehr genutzt wird. Eine Ehrentafel, aufgestellt von den Bilker Heimatfreunden, erinnert aber immer noch an seine Heldentat. Die Düsseldorfer Jonges haben zum 75. Todestag Wimmers eine Gedenkplakette für die Lambertus-Kirche gestiftet. 1953 schuf die Stadt eine neue Verbindung vom Burgplatz zur Liefergasse. Sie heißt bis heute Joseph-Wimmer-Gasse.

(RP)