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Weihnachtsausstellung der ungewöhnlichen Art

Mein Laden : Bombenstimmung bei der Zuckerschlacht

Anemone Tontsch präsentiert in der Galerie Cebra ungewöhnlichen Schmuck. Aktuell zeigt sie in einer Ausstellung Weihnachtliches.

Schmuckdesign ist Kunst, davon ist Anemone Tontsch absolut überzeugt, „auch wenn das in diesem Land nicht unbedingt jeder so sieht“, sagt sie. In den Niederlanden etwa sei das anders, dort hat die Düsseldorferin das Handwerk erlernt und dann hier an der Fachhochschule das auch in Deutschland anerkannte Design-Diplom nachgeholt. Das war vor rund 30 Jahren, und seitdem hat die Künstlerin auch die kleine Galerie Cebra an der Andreasstraße direkt gegenüber der St. Andreas-Kirche. „Ich wollte nicht, dass all die schönen Sachen im Keller vermodern“, sagt die 58-Jährige und meint damit keineswegs nur ihre eigenen Kreationen. Denn Anemone Tontsch versteht sich vor allem als Galeristin, bietet anderen Schmuckdesignern auf 75 Quadratmetern in zwei Räumen ein Podium. Gut 280 sind es inzwischen, die offenbar ein ganz ähnliches Verständnis von ihrem Metier haben wie die Inhaberin des Ladens. „Es geht nicht so sehr um den Wert des Materials, es muss eine Idee hinter jedem Stück stecken“, definiert Anemone Tontsch ihren Anspruch.

Und so sind die ausgestellten Unikate ebenso ungewöhnlich wie faszinierend – vor allem, wenn man erfährt, woraus sie gemacht wurden. Ketten werden aus Neopren, Fahrradschläuchen oder den Fingerkuppen von Gummihandschuhen gefertigt, der 3D-Drucker spuckt Nylon-Quader aus, die ebenso zu Halsschmuck verarbeitet werden. Es gibt Ringe aus Gießharz und Silber, auf denen keine edlen Steine, sondern kleine Zinnfiguren thronen. Was sämtlichen Stücke eigen ist: Sie wirken alles andere als billig – auch wenn das Ausgangsmaterial in der Regel genau das ist.

Ina Gumpert hat ihr Modell auf Puppenbeine gepflanzt. Foto: Marc Ingel

Nicht minder extraordinär ist der Schmuck, den Anemone Tontsch selbst produziert: Ketten aus kleinen Schnapsflaschen, Streichholzschachteln oder nur Streichhölzern. Schmuck aus getrockneten Futtermöhren oder Rettich, und hinter allem schlummert eine Geschichte: „Als ich mal Liebeskummer hatte, stellte ich mir die Frage: Wie rette ich mich?“ So kam sie auf den Rettich. Und aus alten Lederfußbällen hat die Designerin zur WM 2006 eine Servier-Idee für vier Bierflaschen gestaltet. Auf so viele verrückte Ideen kommt die Düsseldorferin, die auch eine passionierte Tango-Tänzerin ist, auf ihren vielen Auslandsreisen: Indien oder China, Argentinien oder Brasilien, Südafrika oder Japan. „Dafür verpulvere ich mein ganzes Geld. Aber so gehen mir wenigstens die Ideen nicht aus“, erzählt die 58-Jährige, die mit „Düsselgold“, einem Zusammenschluss von Schmuckdesignern, auch schon in den ehemaligen Bordellen an der Rethelstraße ausgestellt hat.

Zerrin Aydin-Herwegh hat für ihre „Zuckerschlacht“ Rentiere, Engel und Kerzen auf einen Boden aus Zuckerwürfeln gesetzt. . Foto: Marc Ingel
Niki Boden hat ihren Edelstahl-Kranz „Bombenstimmung“ getauft. . Foto: Marc Ingel

Eine dieser Ideen hat sie jetzt in der Adventszeit umgesetzt. „Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich nicht mal was Besonderes zu Weihnachten machen wolle. Als ob hier nicht alles besonders ist. Dennoch habe ich die Anregung aufgenommen.“ In der Ausstellung „Lichterfest“ zeigen noch bis zum 23. Januar 22 Schmuckdesigner ihre bisweilen skurrilen Vorstellungen zum Thema Advent. Aus dem Armleuchter wird ein Kerzenständer auf zwei Puppenbeinen, für eine Spieluhr werden unzählige kleine Figuren zu einem Menschenturm in Tannenbaumformat angehäuft, und es gibt sogar einen Adventskranz aus nachgebildeten Handgranaten. Wer nun meint, das will doch kein Menschen haben, sieht sich getäuscht: „Die Ausstellung ist schon ganz schön geschrumpft, vieles ist bereits verkauft“, sagt Anemone Tontsch, die auch an Schulen in Seminaren Kindern „einen anderen Blick auf die Welt“ vermittelt. Der dürfte auf jeden Fall spannend sein.