Pastor-Jääsch-Archiv wurde an die Eiskellerstraße verlegt

Historie : Pastor Jääsch kehrt in die Altstadt zurück

Das Archiv in Kaiserswerth wurde aufgegeben, doch Leiter Dieter Ziob fand jetzt im St. Anna-Stift eine neue Zuflucht.

Es ist fast ein Jahr her, da sprach Dieter Ziob seinen Traum laut aus: „Pastor Jääsch müsste eigentlich dorthin zurückkehren, wo er auch gewirkt hat – in die Altstadt.“ Dass sich dieser Wunsch dann doch ziemlich schnell erfüllen sollte, damit hat der Derendorfer zum damaligen Zeitpunkt sicher nicht gerechnet. Und die Umstände waren auch ein wenig dramatisch. Denn die Theodor-Fliedner-Kulturstiftung meldete für die Räumlichkeiten bei der Diakonie in Kaiserswerth, wo all die Erinnerungsstücke, Bilder und Dokumente an den legendären Geistlichen Friedrich Eduard Gerst sechs Jahre lang untergebracht waren, Eigenbedarf an. „Wir hatten eine Deadline bis 31. Dezember“, sagt Ziob, der seine nach Pastor Jääsch – so wurde der ausschließlich Platt sprechende Theologe eigentlich nur gerufen – benannte Tischgemeinschaft bei den Düsseldorfer Jonges hinter sich weiß. „Ich habe ein bisschen gebettelt, dann hatten wir einen Aufruf in unserer Heimatzeitschrift, und prompt meldete sich die Caritas“: Im St. Anna-Stift an der Eiskellerstraße sei noch genügend Platz – direkt in der Altstadt. „Jääsch hat mich erhört“, schickt Ziob ein Dankgebet gen Himmel.

Vieles ist noch im Keller eingepackt, ein Büro hat Dieter Ziob bereits bezogen, über dem Schreibtisch hängt das überdimensionale Gemälde des Gefängnispfarrers, von dem wenig bekannten Maler Josef Jossen 1934 angefertigt. Die vielen Aktenordner sind schon ordentlich in Regale sortiert, auf dem Gang zum Restaurant des Stifts hängen 20 Bilder und gerahmte Zeitungsausschnitte, die den 1805 geborenen und 1867 gestorbenen Pastor gut charakterisieren. „Das wird hier sicher nie ein richtiges Museum mit geregeltem Zugang für die Öffentlichkeit, aber wir sind erst einmal untergekommen und mussten nichts in die Tonne schmeißen“, zeigt sich der langjährige Bezirkspolitiker und Tischbaas seiner 100 Mitglieder starken Jonges-Gemeinschaft zufrieden. Nicht zuletzt ist er in diesem Zusammenhang seinem jetzigen Tischbaas Gerd Maubach dankbar dafür, „dass er für meine zum Teil verschrobenen Ideen stets Verständnis gezeigt hat“.

Pastor Jääsch vor dem „Stroofhotel“, der damaligen Arrestanstalt, in der Düsseldorfer Schulstraße. Foto: Marc Ingel

Ziob will sich nun verstärkt auf die Suche nach der Zeit begeben, die Jääsch in der Altstadt gelebt und gewirkt hat. „Die Gersts hatten dort ja ein gut laufendes Fuhrgeschäft, machten auch Umzüge und andere Transporte. Friedrich Eduard war eines von 14 Kindern. Einer der Söhne sollte den Laden mal übernehmen, so der Wunsch des Vaters“, berichtet Ziob. Friedrich Eduard absolvierte auch eine Schreinerlehre, half im Betrieb mit, „dann hatte er aber irgendwie eine Eingebung“, so Ziob. Mit 20 Jahren holte er das Abitur nach und drückte noch einmal mit Zehnjährigen die Schulbank. In Bonn studierte der 27-Jährige Theologie, er fühlte sich zum Priester berufen, doch seine erste feste Stelle an einer Pfarrei konnte ihn auch nicht befriedigen. Eine Wende in seinem Leben sollte die Ernennung zum Gefängnisseelsorger 1841 werden, er hatte sich selbst für diese Stelle beworben. „Jetzt war er in seinem Element“, erzählt der Jääsch-Experte. Er kümmerte sich um die Strafgefangenen und vor allem um deren Resozialisierung nach der Entlassung. Dass sie wieder Arbeit finden und auch nicht verzweifeln, wenn die Ehefrau sich inzwischen womöglich anderweitig umgeschaut hat.

Friedrich Eduard Gerst auf einem Ölgemälde in seiner Wohnung im März 1855. Das Bild hat der schwedische Maler Josef Wilhelm Wallander gemalt. Foto: Marc Ingel

Dieter Ziob kennt sie alle, die Orte in der Altstadt, die mit Pastor Jääsch in Verbindung stehen. Gewohnt hat er in einer Straße zwischen Bolkerstraße und Heinrich-Heine-Allee, die es heute nicht mehr gibt. Ebenso wenig existiert das Gasthaus an der Ecke Benrather Straße/Poststraße („Zum Römischen Kaiser“) noch, in das Jääsch, alles andere als ein Kostverächter, gerne einkehrte. Sein Abi hat er im Schatten der Max­kirche gemacht, allerdings hat die heutige Maxschule nichts mit der damaligen Lehranstalt gemein.

Pastor Jääsch kümmerte sich um die Sorgen und Nöte der Gefangenen. Foto: Marc Ingel

Dort, wo sich früher die ehemalige Arrestanstalt befand, steht heute die Black Box. Im Malksten war der Geistliche Mitglied, gerne umgab er sich mit Künstlern, Musikern, Intelektuellen, nur seine Mitgliedsbeiträge beglich er nicht, wie Ziob belegen kann. Was ebenfalls noch an Pastor Jääsch erinnert, ist seine Grabstelle auf dem Golzheimer Friedhof, die Jonges-Tischgemeinschaft kümmert sich um die Pflege der letzten Ruhestätte ihres Namenspatrons. Und jetzt gibt es ja auch noch das Pastor-Jääsch-Archiv an der Eiskellerstraße 7, in dem Dieter Ziob die Erinnerung an den Düsseldorfer Theologen wachhält.

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