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Düsseldorf: Hier ist die Altstadt richtig alt

Altstadt : Die wirklich alte Altstadt

Der Stiftsplatz ist einer der ältesten Orte Düsseldorfs. Im Schatten von St. Lambertus ist er eine eigene behütete Welt.

Der schiefe Turm von Düsseldorf ist ein kurioses Detail in der Skyline der Landeshauptstadt: St. Lambertus muss man den Bürgern der Stadt kaum vorstellen. Touristen pilgern zu der Kirche am Rhein, durchqueren auf ihrem Weg die Gasse der Lambertusstraße oder sehen das Kirchenschiff aus Backstein vor sich erscheinen, wenn sie über die Ratinger Straße kommen. Das älteste Gebäude der Altstadt umringen Pflasterstraßen - ein Platz, der als solcher kaum wahrgenommen wird. Vielleicht gerade deswegen ist er ein kleines Biotop aus Historie, Religion und Tradition geblieben.

Maria Jacobs lebt mit ihren Eltern und Geschwistern seit 22 Jahren am Stiftsplatz. Vorher lebte die Familie in Flingern, ehe sie die kleine Welt des Stiftsplatzes aufnahm. "Es ist irgendwie wie ein Dorf", findet die 29-Jährige. Man kenne seinen Nachbarn, bleibe auf einen Schwatz vor der Tür stehen und sieht sich spätestens zum Kirchweihfest in der Apollinaris-Woche wieder. Denn wenn gleichzeitig auf der anderen Rheinseite Achterbahnen und Riesenräder in den Himmel wachsen, feiern Schützen und Gläubige auf dem Stiftsplatz das Hochfest um den Stadtpatron Apollinaris.

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Dann gibt es aber noch eine andere Seite der Altstadt. Denn wo in der Stiftsgasse dem Brauchtum und der religiösen Tradition gefrönt wird, liegt kaum entfernt das Zentrum der Düsseldorfer Partykultur. "Es hat auch seine Schattenseite, hier zu wohnen", sagt Jacobs. Der geschützte Platz werde von Fußgängern als Toilette gebraucht, seine Akustik mache in den Ohren der Anwohner aus der Unterhaltung vorbeiziehender Partygänger ein dröhnendes Opern-Rezitativ. Vor allem in der Karnevalszeit kann es auch laut werden an dem Ort, den ansonsten eine fast sakrale Stille beherrscht. "Das ist aber nur an wenigen Tagen im Jahr so", sagt Jacobs.

Jahrzehntelang hat sich das Gesicht des Platzes kaum verändert: Der angrenzende Josephs-Kapelle finanzierten die Düsseldorfer Jonges zuletzt 1974 eine neue Außenfassade, 2008 zog das jugendpastorale Zentrum "die botschaft" in das modern gestaltete Lambertushaus. Unberührt davon blieb der Platz, dessen neuestes Element wohl der "Fischerjungen-Brunnen" von 1938 ist - einer Zeit, deren Assoziationen nicht in die intime Atmosphäre des Stiftsplatzes passen wollen.

Doch auch das moderne Düsseldorf drängt an den Platz, seine Ostseite säumen Immobilien-, Finanzdienstleister und andere Unternehmen, die an dunkle Anzüge, Stahl und Glas denken lassen. Der Rolle, die der historische Ort unter den Plätzen der Stadt einnimmt, scheint die Vergolderei von Klaus Schulgen (51) in der nahen Lambertusstraße besser zu entsprechen: "Uns gibt es hier seit 1864, das Haus hat mein Urgroßvater gebaut." Den Stiftsplatz bezeichnet er nicht als Teil der Altstadt, sondern "die" Altstadt: "Man denkt immer erst an die Bolkerstraße, logisch."

Sein Herz schlägt aber nicht für die längste Theke der Welt: Der Vergolder ist im Kirchenvorstand, der Bürgerstiftung St. Lambertus und der Stiftung Josephs-Kapelle aktiv. Das Zentrum der fast 800 Jahre alten Stadt ist für ihn daher der Platz am Schlossufer, der eigentlich keiner ist.

(RP)